Verimprovisiert

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1. Bundesliga, 23. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 1

icon_spielberichtfinalEs waren die berühmten Millimeter, die zwischen der schwarz-gelben Borussia und einem gelungenen Nachmittag lagen. Denn wer hätte angesichts der Personalprobleme und des Bayern-Spiels am Horizont nach dem Zustandekommen eines 2:1 in Mönchengladbach gefragt? Doch Kapitän Sebastian Kehl setzte in der Nachspielzeit seinen Schuss bei freier Bahn aus wenigen Metern haarscharf auf die falsche Seite neben den Pfosten. Und so bleibt am Ende des Sonntags doch der Eindruck hängen, dass sich der BVB gegen durchaus schlagbare Gastgeber schwerer getan hat als es wohl nötig gewesen wäre.

Denn obwohl die Schwarz-Gelben gerade in der ersten Hälfte das Spiel kontrollierten, kamen Kreativität und schnelle, präzise Pässe über die ganzen 90 Minuten zu kurz. Gladbach stand bei Dortmunder Ballbesitz ohne Zweifel dicht gestaffelt mit zwei Viererketten, häufig fast am eigenen Strafraum. Meistens war das ein probates Mittel, denn es gelang unseren Offensivleuten zu selten, vorne Bälle gegen die Übermacht zu behaupten. Die Mehrzahl der BVB-Torschüsse waren harmlos oder allenfalls Halbchancen.

Selbst wenn man sich damit ins Reich der Spekulation begibt, erscheint die Frage legitim, ob der Trainer nicht bessere Voraussetzungen hätte schaffen können. Es ist bereits die dritte Partie, in der erzwungene personelle Veränderungen nicht funktionierten. Weil es die falschen waren? Die Intention, Moritz Leitner nach den Wechselgerüchten der letzten Tage Spielpraxis zu geben, erschließt sich durchaus. Doch bei dessen aktuellem Leistungsstand reicht es einfach nicht für die Startelf und schon gar nicht für die Kreativzentrale einer Mannschaft ohne Mittelstürmer. Leitner war nur an ein oder zwei der gefährlicheren BVB-Angriffe aktiv beteiligt; seine zwei Abschlüsse waren harmlos. Möglicherweise war er das nicht passende Teil des Kreativ-Puzzles, denn Reus, Götze, Gündogan und sogar Großkreutz deuteten zumindest an, was möglich gewesen wäre.

Als auch den zunächst agilen Piszczek und später Reus die Kräfte verließen und die Schwarz-Gelben die Flügel bis in die Nachspielzeit überhaupt nicht mehr zu nutzen wussten, kam Gladbach besser ins Spiel. Wobei Lucien Favre mit der Offensivleistung seines Teams trotz zufrieden klingender Statements nach der Partie auch zu hadern haben dürfte. Für eine Heimmannschaft war das insgesamt zu wenig – da tat sogar Fürth mehr gegen Leverkusen. Für zwei Großchancen und einen Treffer reichte es immerhin; bei dem war jedoch auch ein bisschen Dortmunder Pech dabei.

Jürgen Klopp versuchte seiner Elf noch mal neue Impulse zu geben. Mit Balint Bajner kam tatsächlich noch der im Vorbericht angesprochene Stoßstürmer-Debütant, der sich jedoch nicht entscheidend in Szene setzen konnte. Es fehlten ihm auch einfach gute Anspiele. Vielleicht hätte Klopp den spät für Piszczek eingewechselten Sahin früher gebracht, wenn er nicht schon zur Pause Santana für Hummels aufs Feld geschickt hätte. Mats bekam einen Pferdekuss am Oberschenkel ab, wird aber am Mittwoch in München spielen können.

Und darum geht es doch wirklich – die Partie am Mittwoch. Die Meisterschaft ist entschieden, doch wer die größte Party feiert noch nicht. Sollte es mit dem nächsten Sieg in München klappen, wäre das spielerisch mäßige Borussen-Duell zur gefühlt unwichtigsten Begegnung der Saison degradiert. Bring them on!

Die Mannschaft: Weidenfeller – Piszczek (82. Sahin), Subotic, Hummels (46. Santana), Schmelzer – Gündogan, Kehl – Großkreutz, Leitner (71. Bajner), Reus – Götze. Gelbe Karte: Santana. Tor: Götze (EM)

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6 Gedanken zu “Verimprovisiert

  1. Andy

    Denke ich auch.. Die Liga ist gelaufen.. Jetzt geht es darum sich in München ordentlich zu präsentieren und dort mit alle Kräften eine Runde weiter zu kommen..

    Das Leistungsniveau ist in dieser Saison zwischen Stamm- und B Elf einfach zu unterschiedlich.. Egal ob Großkreutz, Leitner, Santana, Schieber usw. Keiner von denen schaffte es seinen Partner würdig zu vertreten..

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  2. Es ist ein wenig tragisch, wie schlecht die Veränderungen greifen. Das Unentschieden hat die Ausgangslage für das Pokalspiel nicht verbessert. Und in der Liga haben wir uns mal wieder nicht entscheidend absetzen können. Könnte am Ende noch zu unnötigem Kraftaufwand in Richtung CL-Quali führen. Insgesamt sehr ärgerlich

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  3. @Andy: Ja. Und vielleicht noch spannender als die Frage, welchen neuen Stürmer wir im Fall der Fälle holen, ist, was Zorc und Klopp in der Abwehr vorhaben. Mir scheint, dass da spätestens im Sommer einige Arbeit auf die Verantwortlichen zukommt – oder wir setzen eben auf den Nachwuchs.

    @Dembowski: Schon ärgerlich. Aber das denke ich vielleicht nächste Woche.

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  4. Andy

    @ Nick : So wie wir Klopp kennen stellt sich dann bloß die Frage ob der Nachwuchs wirklich spielen würde oder wieder ein Großkreutz / Bender „zweckentfremdet“ werden würde..

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