Gut rotiert und gut erholt

Standard

1. Bundesliga, 24. Spieltag / BVB 3 Hannover 96 1

icon_spielberichtfinalDie Borussia startet mit einem hochverdienten Heimsieg gegen Hannover in eine weitere entscheidende Saisonphase. Mit dem Einzug ins CL-Viertelfinale und der endgültigen Distanzierung eines Ligakonkurrenten, der gerne noch um Platz 3 mitspielen würde, wenn er noch mal eine Chance kriegt, könnten die Schwarz-Gelben innerhalb einer guten Woche bereits den entscheidenden Schritt hin zu einer gelungenen Saison machen. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen nahm Jürgen Klopp gegen 96 mehrere Änderungen vor und lag damit fast goldrichtig.

Lukasz Piszczek, Sven Bender und Mario Götze saßen zunächst alle auf der Bank. Angesichts der bestehenden Hüftprobleme von Piszczek, einer schwachen Leistung im Pokal von Bender und der enormen Wichtigkeit Götzes für die kommenden Partien durchaus nachvollziehbar. Kevin Großkreutz rückte nach hinten rechts und löste die ungewohnte Aufgabe mit Bravour. Zum einen spielte er seine Laufstärke voll aus und war immer wieder in gefährlichen Positionen vorne zu finden. Zum anderen haute er sich auch hinten voll rein und überzeugte mit präzisen Tacklings und Balleroberungen. Für Sven Bender kam Sebastian Kehl ins Team – dieser Wechsel ging bedingt auf: Der Kapitän machte seine Sache defensiv ordentlich, brachte jedoch im Aufbauspiel recht wenig zustande und spielte die mit Abstand meisten Fehlpässe aller Spieler (18 – was natürlich auch mit der Position des Spielers zusammenhängt).

Nicht nur einen guten Riecher, sondern auch ein feines Gespür bewies Klopp mit der Aufstellung von Julian Schieber als Stoßstürmer. Nachdem Robert Lewandowski kurzfristig die überraschende Spielberechtigung durch den DFB erhielt, war damit nicht zu rechnen. Doch der Trainer wollte dem im vorletzten Ligaspiel unglücklich vom Platz gestellten Schwaben offensichtlich seine Chance nicht verwehren. Das sollte sich auszahlen: Nach Vorlage des ganz starken Kuba konnte Schieber aus elf Metern zum 3:1-Endstand einschieben. Erster Ligatreffer in schwarz-gelb für die Nummer 23.

Für die anderen beiden BVB-Tore war die Nummer 1 im Sturm verantwortlich. Robert Lewandowski agierte allerdings hinter Julian Schieber im offensiven Mittelfeld – meistens wie ein 10er, manchmal eher als hängende Spitze. In dieser Position hat er früher bekanntlich hin und wieder mit Lucas Barrios zusammengespielt. Man sollte diese Option für die Zukunft nicht nur als reine Notlösung oder Ausnahme sehen – bei einem tendenziell mitspielenden Gegner wie Hannover können sich genügend Räume auch für zwei nominelle Stürmer auftun.

In den ersten gut 20 Minuten zeigte die Borussia, wie gut sie das Pokal-Aus verarbeitet und sich erholt hatte. Die ersatzgeschwächten Hannoveraner wurden ziemlich an die Wand gespielt und boten reichlich Lücken, die die Schwarz-Gelben voller Offensivdrang zu nutzen wussten. Lewandowski traf nach einer Hereingabe von Großkreutz in den Rückraum und mit einem Abstauber nach einem von Torwart Zieler abgewehrten Schuss, wiederum von unserem Aushilfsrechtsverteidiger. Die Drangphase des BVB wurde nur durch ein zu Recht nicht anerkanntes Abseits-Kontertor der Gäste unterbrochen.

Nach dem 2:0 drückten die Gastgeber etwas weniger konsequent, hatten aber trotzdem weitere Gelegenheiten. Doch man ließ 96 graduell ins Spiel kommen und die Fehlpassquote erhöhte sich. Vor allem lange Bälle brachte – wenn überhaupt – nur Ilkay Gündogan ans Ziel. Der trotzdem nicht ganz unvermeidliche Anschlusstreffer fiel nach einem Freistoß der Gäste. Santana ging in höchster Not mit dem Rücken zum Tor zum Kopfball hoch, das Spielgerät flog – möglicherweise dank einer Berührung von Weidenfeller – nur an die Latte, doch Abdellaoue versenkte dann per Kopf aus nächster Nähe. Eine unglückliche Szene – ein Vorwurf ist allenfalls Marcel Schmelzer zu machen, der gegen Ya Konan das Kopfballduell verlor, so dass dieser den Freistoß in den Strafraum verlängern konnte.

Auch wenn der BVB mit einer Führung in die zweite Hälfte ging, die knapper als nötig war – so richtig gefährlich wurde es nicht mehr. Wie in München kamen die Schwarz-Gelben konsequenter aus der Kabine und im Gegensatz zu Mittwoch spielten sich fast alle gefährlichen Szenen in der gegnerischen Hälfte ab. Für Lewandowski wäre durchaus ein Hattrick möglich gewesen – es war aber nicht so, dass er zu egoistisch spielte, wie die „Sportschau“ nahelegte. Schiebers dennoch erlösendes Tor fiel übrigens nach einem diesmal guten langen Ball von Felipe Santana, den der Stürmer selbst zunächst für Kuba verlängerte.

Mit Ausnahme der zwischendurch fehlenden Konsequenz zeigte die Borussia eine wohl dosierte, überzeugende Teamleistung, die wirklich Mut macht für eine Woche, die nicht besser geeignet sein könnte, um den vergangenen Mittwoch zu vergessen. Ein echtes Doppel-D erwartet uns: Donezk und Derbysieg.

Wichtig, deutlich und gut war gestern auch die konzertierte Fanaktion gegen rechts. Auf mehreren Tribünen waren selbst gemalte Banner zu sehen, die eindeutiger Stellung bezogen als das zuletzt mit dem etwas beliebigen „Borussia vereint…“-Exemplar geschehen war. Ein richtiger Schritt auf einem langen Weg.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Santana, Schmelzer – Kehl, Gündogan (81. Sahin) – Blaszczykowski (76. Bender), Lewandowski, Reus (64. Götze) – Schieber. Tore: Lewandowski (2), Schieber

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6 Gedanken zu “Gut rotiert und gut erholt

  1. Claudia

    Der lange Pass auf Schieber kam natürlich von Neven Subotic. Warum wundert es mich nicht, dass so ein Fehler passiert? Ach ja, natürlich… Und Santana sollte sich schnellstmöglich einen Verein in der 2. Liga suchen.

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  2. Für die Akten: Neven Subotic hat gestern eine sehr gute, souveräne Vorstellung abgeliefert. Er hatte sogar einen gar nicht schlechten Torschuss dabei. Der Pass vor dem 3:1 kam trotzdem von ‚Tele‘.
    In der zweiten Liga wird der im nächsten Jahr sicher nicht auftauchen. (Nicht nur) den Blauen könnte er bestimmt weiterhelfen.

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  3. le karl

    Es ist eigentlich alles Makulatur, wenn man nicht gegen Shaktar weiterkommt. Die Entwicklung der Mannschaft ist dieses Jahr exakt darauf ausgerichtet, nämlich auf den nächsten Schritt in der CL. Kommt der BVB weiter, wird der „Rest“ der Saison ein Selbstläufer, inkl. CL.

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  4. Ich fand ja, dass schon das Überstehen der alles andere als einfachen Gruppenphase ein großer Fortschritt war. Jürgen Klopp hat Recht: Wir sollten uns nicht von den Medien vorschreiben lassen, was wir als eine erfolgreiche Saison ansehen. Und einen Selbstläufer sehe ich jetzt weder in der Liga noch in der CL.

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