Gegen den Trainer des Halbjahrs

Als Markus Weinzierl im letzten Sommer sein Engagement als Trainer beim FC Augsburg antrat, fragten sich viele interessierte Außenstehende, ob Vorgänger Jos Luhukay nicht die beste Chance des Vereins gewesen wäre, eine dritte Saison in der ersten Liga zu sichern. Niemand konnte so richtig verstehen, warum man sich vom erfolgreichen und in der Öffentlichkeit beliebten Niederländer getrennt hatte. Die Hinserie der laufenden Saison schien die Skeptiker zu bestätigen. An Weihnachten galt der FCA neben Greuther Fürth in vielen Medien bereits als sicherer Absteiger.

Dass es anders kommen kann, haben in den vergangenen Spielzeiten bereits Mönchengladbach oder der SC Freiburg bewiesen. Und auch Weinzierls Team ist derzeit auf einem guten Weg, zumindest die Relegationsspiele zu erreichen. Inzwischen stehen die Augsburger deutlich vor den abgeschlagenen Fürthern und weiterhin vier Punkte vor dem Circus Hoppiano. Was deutlich macht, wie viel man mit guter Führungsarbeit erreichen kann. Niemand weiß natürlich, wo Luhukay mit dem Team zu diesem Zeitpunkt stehen würde, und nachvollziehen können muss man die Animositäten zwischen den Vereinsverantwortlichen und ihm nach wie vor nicht.

Doch seit dem Beginn der Rückserie trägt die Arbeit von Markus Weinzierl auch ganz sichtbar Früchte. Der FCA hat mit seinen bescheidenen Mitteln und mit Hilfe von mehreren ausgeliehenen oder günstig verpflichteten Neuzugängen 15 Punkte aus zehn Spielen geholt. Das ist nicht die Quote eines Absteigers. Jürgen Klopp hat seinen Kollegen Weinzierl deswegen etwas verfrüht als „Trainer des Halbjahrs“ geadelt. Ob diese Aussage im Mai noch Gültigkeit haben wird, hängt auch von der Fähigkeit des Konkurrenten Hoffenheim ab, mit derem individuell viel stärker besetzten Kader endlich mal etwas richtig zu machen.

Richtig ist in jedem Fall, dass es deutlich schwerer geworden ist, Augsburg zu schlagen. Klopp lobte in der Pressekonferenz zum kommenden Spiel in Dortmund unter anderem das 4-5-1-System mit häufig nur einem Mann direkt vor der Abwehr. Ärgerlich wäre für die Gäste allerdings der Ausfall von Topstürmer Sascha Mölders. Dessen Einsatz steht wegen einer Fußverletzung auf der Kippe. Ungewiss ist auch das Mitwirken von Linksverteidiger Ostrzolek.

Bei der Borussia sieht es personell endlich mal sehr gut aus – daran haben auch einige härtere Attacken des FC Malaga am Mittwoch nichts ändern können. Mats Hummels und sogar Patrick Owomoyela konnten heute voll trainieren und stünden für einen Platz im Spieltagskader zur Verfügung. Bei Kuba könnte es nach Klopps Worten eng werden – gut möglich, dass dem Trainer Jakubs Mitwirken am Dienstag wichtiger ist. In der PK deutete Klopp auch an, dass ein wenig Rotation zu erwarten ist, aber nicht im Übermaß. Fast sicher erscheint der Einsatz von Nuri Sahin, darüber hinaus böte sich angesichts der zurückliegenden Länderspiele auch eine Pause für Robert Lewandowski und eine Chance für Julian Schieber an. Nicht ganz ausgeschlossen sind sicher auch Varianten mit Kirch oder Großkreutz für Piszczek sowie Bittencourt für Reus oder Götze.

Als Fan darf man etwas entspannter in die Partie am Samstagnachmittag gehen, die Mannschaft hat in der Hinsicht hoffentlich ihre Lektion gelernt. Alles andere als ein Sieg wäre selbst gegen den ‚Trainer des Halbjahres‘ eine Überraschung.

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