Erfolgreiche Korrekturen

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1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 4 FC Augsburg 2

icon_spielberichtfinalDie Hereinnahme der beiden Topspieler Götze und Lewandowski verhinderte gestern eine hausgemachte Heimniederlage der Borussia. Ob sich Jürgen Klopps gewagter Personal-Poker auszahlt, wird erst am Dienstagabend entschieden.

Ausführlich hatte der Dortmunder Trainer seinen Augsburger Kollegen in der Pressekonferenz vor der Partie gelobt, ihn als „Trainer des Halbjahrs“ bezeichnet (siehe Vorbericht) – am Samstag um 15.30 Uhr standen dennoch sieben neue Spieler in der Startelf der Borussia. Man könnte das mit dem Vertrauen in die Qualität des Kaders rechtfertigen; man kann sagen, Weidenfeller habe Rücken und Reus eine Bauchmuskelzerrung gehabt – so richtig korrespondiert die Notwendigkeit der Umstellungen trotzdem nicht mit dem behaupteten Respekt vor dem Gegner.

Zugegeben, auch ich gönnte den meisten der in die Startelf Gerutschten ihre Chance und als das Spiel begann, hoffte ich, dass es so klappen könnte. Mit Julian Schiebers Tor in der 22. Minute schien sich das zu bestätigen. Beteiligt waren zwei weitere neu in die Mannschaft Gekommene: Moritz Leitner war mit dem Ball über halbrechts in den Strafraum gerannt und hatte dann quergelegt; zentral verlängerte Leonardo Bittencourt irgendwie mit der Hacke zu Schieber.

Tatsache ist aber auch, dass die besten weiteren BVB-Chancen der ersten Hälfte aus Standards hervorgingen und das Aufbau- und Offensivspiel einiges zu wünschen übrig ließ. Mehrere Bälle wurden unbedrängt ins Aus gespielt, kombiniert wurde vergleichsweise wenig. Lange Zeit hatten die Schwarz-Gelben den Gegner im Griff, sie versäumten es aber, aus der Augsburger Ungefährlichkeit und der eigenen Überlegenheit Kapital zu schlagen.

Alles in allem war es keine ansehnliche erste Halbzeit, aber immerhin stand die Dortmunder Defensive solide – bis dem FCA die bei diesem knappen Ergebnis nie auszuschließende Wende gelang. Zunächst köpfte Schieber den Ball aus dem eigenen Strafraum unglücklich vor die Füße von Baier, der aus gut 20 Metern abzog. Der Ball hoppelte etwas und schlug in der Torwartecke ein – für Mitch Langerak kein Must-Save, doch der Schuss war eigentlich gut sichtbar. Nicht mal zwei Minuten nach dem Ausgleich konterten die Gäste die Borussia aus, da Santana das Abseits aufhob. Langerak ließ den Schuss von Werner nach vorne abprallen und niemand war zur Stelle, um Vogt am 1:2 zu hindern.

So dumm das am Ende der ersten 45 Minuten gelaufen war, so deutlich war auch zu sehen, dass man diesen elf Spielern nicht ohne Weiteres zutrauen konnte, das Spiel wieder zu drehen. Moritz Leitner auf der ’10‘ war außer am Tor kaum an gefährlichen Aktionen beteiligt. Leonardo Bittencourt wirkte nur bis zum 1:0 aktiv und spritzig. Jonas Hofmann sollte später noch groß auftrumpfen, blieb jedoch in der ersten Hälfte bis auf einen schönen Schuss blass. Jürgen Klopp reagierte folgerichtig früher als gewöhnlich und wechselte bereits in der 52. Minute doppelt aus: Götze und Lewandowski kamen für Leitner und Bittencourt. Der Erfolg stellte sich ähnlich schnell ein wie seinerzeit bei Lars Ricken: Robert spielte unmittelbar nach seiner Einwechslung den entscheidenden Pass auf Hofmann, der von rechts überlegt zu Schieber querlegte und sich somit einen Assist für dessen zweiten Treffer gutschreiben konnte.

Das Besondere an dieser zweiten Hälfte war, dass beide Teams deutlich besser agierten als zuvor, aber nur der BVB davon profitieren konnte. Augsburgs Moravek eroberte sich nach einer schlimmen Unachtsamkeit von Schmelzer den Ball und lief allein auf Langerak zu. Der Dortmunder Torwart blieb im Weg des Stürmers stehen und konnte so zwar nicht verhindern, dass der ihn umspielte, aber der Umweg kostete den Eingewechselten anscheinend so viel Konzentration, dass er den Ball von links nicht stark genug aufs Tor brachte und der zurückgeeilte Großkreutz am Pfosten noch klären konnte. Später lenkte Langerak noch glänzend einen platzierten Schuss von Ji über die Latte und der wie der Koreaner aus der englischen Premier League gewechselte Tchoyi schoss aus Abseitsstellung über das Tor.

Die Oberhand hatte in der zweiten Halbzeit erneut der BVB, der nun jedoch deutlich gefälliger und gefährlicher agierte. Götzes Freistoß köpfte Subotic zum 3:2 ein, Lewandowski erzielte ein Abseitstor und besaß eine große Gelegenheit, bevor er in der Nachspielzeit doch noch zum 4:2 und damit im zehnten Ligaspiel in Folge traf. Die tolle Vorarbeit bei diesem Schlusspunkt leisteten Mario und Robert höchstselbst. Der Anteil der beiden am Sieg ist also kaum zu überschätzen. Mit ihrer frühen Hereinnahme hat Jürgen Klopp alles richtig gemacht und eine mögliche Sichtweise wäre zu sagen, dass sich seine Wechselspiele ausgezahlt haben – immerhin wurden Lewandowski und Götze eine Halbzeit lang für Dienstag geschont. Mit der Anfangsformation muss man dennoch nicht völlig d’accord sein.

Schön war das Ganze mit Sicherheit für Jonas Hofmann – der nicht wie von „Sky“ behauptet sein Debüt, sondern nur sein Startelf-Debüt für Schwarz-Gelb feierte. Er empfahl sich als geeigneter Back-Up für die rechte Seite, die beim BVB mit Kuba, Bittencourt und natürlich potenziell Reus und Großkreutz sowieso gut besetzt ist. Mal sehen, wann wir den Jungen wiedersehen.

Die Aufstellung: Langerak – Großkreutz, Subotic, Santana, Schmelzer – Bender, Sahin – Hofmann, Leitner (52. Götze), Bittencourt (52. Lewandowski) – Schieber (83. Kehl). Gelbe Karte: Schieber. Tore: Schieber (2), Subotic, Lewandowski

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