Götze und der König der Heuchler

Mario Götze wechselt zum FC Bayern. Schuld daran ist in erster Linie eine Ausstiegsklausel, die er und sein Berater Volker Struth in den unlängst verlängerten Vertrag haben schreiben lassen. Auf die hat sich Borussia Dortmund eingelassen. Auf die hat sich auch Bayern München eingelassen. Zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr kauft der FCB einen Spieler mit langfristigem Vertrag für nahezu 40 Millionen Euro aus demselben. Geld, das nach derzeitigem Stand rechtlich einwandfrei verdient wurde. So weit, so business.

Und nun mal Nüchternheit und Selbstbeherrschung beiseite: Die Äußerungen von Uli Hoeneß zu den ’spanischen Verhältnissen‘ in der Bundesliga sind im Angesicht dieses Transfers an Heuchelei und Populismus nicht zu überbieten. Nochmal chronologisch: Im Herbst versichert Karl-Heinz Rummenigge, der FC Bayern habe nicht vor, die nationale Konkurrenz – also Borussia Dortmund – durch Abwerben von Spielern zu schwächen. Vor kurzem machte sich Uli Hoeneß, der nur dank einer Kaution auf freiem Fuß sein soll, medienwirksam Sorgen wegen angeblich drohender „spanischer Verhältnisse“ in der Bundesliga. Also weil nun vermeintlich zwei Vereine die Liga dominieren und nicht wie zuvor einer.

Hoeneß bot der Liga großzügig an, sich gemeinsam Gedanken zu machen, was getan werden könne, um das zu verhindern. Die Reaktion darauf fiel verhalten aus. Vielleicht weil sich niemand so richtig vorstellen konnte, was der Bayern-Präsident im Sinn hatte. Möglicherweise war es ein Benefizspiel gegen die abstiegsgefährdete TSG Hoffenheim. Denn die TV-Verträge und die Verteilung der Einnahmen daraus sind auf Jahre festgezurrt und andere Stellschrauben gibt es kaum.

Der FCB-Grande fühlte sich daraufhin unverstanden, mochte jedoch seine Ideen nicht öffentlich darlegen, sondern zog sein Gesprächsangebot an die Liga und den BVB zurück. Wenig später wurde der Götze-Transfer bekannt. Der aber in Wahrheit schon Tage, wenn nicht Wochen vorher eingetütet war. Und nicht nur eine Schwächung des direkten Konkurrenten darstellt, sondern selbstredend auch den Abstand zum Rest der Liga vergrößert.

Jürgen Klopp war auf der Pressekonferenz zum Madrid-Spiel bemüht, die Wogen um Götze zu glätten und hatte eine beschwichtigende Erklärung für dessen Wechsel: Er wolle unbedingt unter Guardiola spielen. Und es mag sein, dass die Bayern auch erst auf Wunsch des neuen Supertrainers an Götze herantraten. Trotzdem steht unter dem Strich: Die Prinzipien des FC Bayern und insbesondere von Uli Hoeneß gelten nur, solange sie dem eigenen Vorankommen nicht im Weg stehen.

Heute Abend ist also Champions League und Real Madrid zu Gast. Es wäre selbstverständlich kontraproduktiv, Mario Götze nun auszupfeifen, aber manche werden sich trotzdem nicht davon abhalten lassen. Bei Any Given Weekend wird die emotionale Seite seines Transfers erneut Thema sein, verbunden mit der wichtigsten Frage: Was bedeutet das für den BVB?

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8 Kommentare

  1. Tja wer hätte das gedacht.. Wenn ich an Götzes Aussagen denke das er damals seinen Vertrag verlängert hat, weil alles sooo toll passe, Umfeld, Trainer, Stadt, Team..:-) und jetzt möchte er halt unbedingt mit diesem tollen neuen Trainer zusammenarbeiten und mit Stars wie Schweinsteiger und Lahm in einem Team spielen.. Oh man..

    Übrigens bin ich gestern noch auf Aussagen von Hoeneß aus dem letzten Jahr gestoßen, wie er meinte: „Schon viele Spieler meinten nicht zum FC Bayern wechseln zu wollen, doch wenn er weiter so gut spielt wird man sicherlich noch zusammenfinden“

    Es war ja klar das Mario „irgendwann“ wechselt aber gerade zum ärgsten deutschen Rivalen? Das hat ihn extrem viele Sympathien gekostet..
    Mittlerweile ist das ganze Fussballgeschäft nur noch eine einzige Farce..

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  2. Es würde mich sehr wundern, wenn „Any Given Weekend“ zu den Details, die sich Herr Hoeneß da so vorstellt, mehr weiß als der Rest in Fußball-Deutschland. Ihr könnt natürlich mit diesem Wissensvorsprung hier mal einen wirklich interessanten post verfassen (dann wüssten wir auch, was Herr Sammer weiß). Bis dahin ist das alles Populismus…

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  3. @Andy: Ja, die Aussage war natürlich auch ein typischer Hoeneß. Ich habe übrigens auch gelesen, dass Götze als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen hat.

    @FernglasFCB: Kannst du mir denn erklären, warum Herr Hoeneß seine Ideen nicht einfach präzisiert hat? Er ist doch sonst nicht mundfaul. Stattdessen zieht er einen Vorschlag, den niemand kennt, nach ungefähr einer Woche zurück. Hanebüchen.

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  4. Es zwingt niemand zum FCB zu gehen. Ist alles freiwillig.Wie gut das wir in unserem Berufsleben nicht so sind und nach Karierre geil sind.
    Der BVB hat doch schon vor Wochen angekündigt das sie „große“ Spieler kaufen wollen.Frag mich ob die aus der Amateurliga, Alt-Herren kommen. Will ja nicht hoffen das die in der 1. Bundesliga auf Kauftour gehen.Werde davon ausgehen das die sich Vorbildlich verhalten und nicht wie der FCB wo man immer drauf schimpft. Bin mal gespannt.Ob die Diskussion auch so groß ist wenn die es tun.Ach stimmt ist ja der BVB Welpenschutz. Aber Welpenschutz gibts doch eigentlich nicht.

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