Bambule, Randale, Dortmund im Finale!

Champions League, Halbfinale / Real Madrid 2 BVB 0

Icon_spielbericht_newWembley. Ein neues Stadion, doch wenigstens der Name bleibt ein Fußballmythos. Borussia Dortmund wird dort am 25. Mai spielen. Der unglaubliche Turnaround ist fast perfekt: Acht Jahre nach der Beinahe-Insolvenz stehen die Schwarz-Gelben im Champions League-Finale! Acht Jahre, in denen die neuen Verantwortlichen wunderbare Arbeit geleistet haben. Nicht völlig ohne Rückschläge, aber es geht ja bekanntlich um immer mal wieder unberechenbaren Sport. Zum Ende dieser Periode dann die unfassbare Steigerung: Meister, Doublesieger, Finale in Wembley.

Ganz ohne Drama ging es nicht. Zu viel Drama für den ohnehin nie überoptimistischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der an der im ersten Absatz skizzierten Entwicklung so großen Anteil hat. Viele wunderten sich gestern in der Schlussphase, warum Watzkes Sitz plötzlich leer war. Die Erklärung:

Das erste Mal in meinem Leben musste ich wegen Herzproblemen aufgeben. Ich bin die letzten 20 Minuten auf die Toilette gegangen und konnte nicht mehr hinsehen. Ich habe mich eingeschlossen, mir die Ohren zugehalten und auf die Uhr geschaut. Da gehen einem alle möglichen Gedanken durch den Kopf.

Und darum hat dieser Verein die Kurve gekriegt. Weil es Menschen gibt, die ihn so sehr lieben. Die all die Jahre für ihn gearbeitet haben, ins Stadion gegangen oder Mitglieder geworden sind. Die Unterstützung war immer da und immer groß – deshalb steht der BVB jetzt in Wembley.

Jürgen Klopp hatte in Madrid die gleiche Startelf gewählt, die schon das Hinspiel begann. Der von Real bekundete Wille zur Aufholjagd war von Beginn an sichtbar, was keine sonderliche Überraschung darstellte. Das Ziel der Gastgeber schien ein frühes Tor um jeden Preis zu sein. Und sie hatten eine Reihe von Chancen und viele Ecken. Zum Glück war das alles lange Zeit ungewohnt hektisch, so dass die hohe Abschlussqualität von Mourinhos Spielern nicht zum Tragen kam. Was aufs Tor kam, parierte ein erneut fantastischer Roman Weidenfeller.

Es war klar, dass Real das Tempo nicht ewig durchhalten konnte. Der BVB überstand die Drangphase und wirkte im Anschluss defensiv sehr solide – der erste Schritt war gemacht. Erneut waren es Defensivspieler, die in dieser Phase überragten: Sven Bender, Mats Hummels, Neven Subotic. Auch die Außenverteidiger Schmelzer und Piszczek fanden sich nun gut in die Partie ein. Nur ein Ronaldo-Freistoß brachte kurz vor der Pause noch mal etwas Unruhe, doch der Ball endete weit über dem Tor.

In der Szene zuvor sah ‚Manni‘ Bender eine sehr fragwürdige Gelbe Karte. Ansonsten ließ Schiedsrichter Howard Webb gewohnt viel laufen. Angenehm – bis auf die nicht geahndeten Ellbogenchecks von Ramos gegen Robert Lewandowski.

Die Zuversicht, die der Halbzeitpfiff mit sich brachte, steigerte sich noch in den zweiten 45 Minuten. Die Borussia kontrollierte nun sogar über weite Strecken das Spiel und hatte die besseren Möglichkeiten. Allen voran Lewandowski, der unter anderem einmal den Ball an die Unterseite der Latte knallte und später einen schönen Konter nicht nutzte. Lewa war allerdings sehr aktiv und half viel im Mittelfeld aus. Zur zeitweise durchschnittlichen Spielkultur der Schwarz-Gelben trug natürlich auch Götzes frühe Auswechslung bei. Mario hat sich einen Muskelfaserriss zugezogen und könnte für mehrere Wochen, im schlimmsten Fall sogar für Wembley ausfallen – Ironie der Geschichte?

Als man den Eindruck hatte, Real füge sich so langsam ins Schicksal, schlugen die Madrilenen doch noch zu. Das erste Tor durch Benzema in der 82. Minute zeugte von der Qualität der Mannschaft, war schön kombiniert und kann immer mal passieren. Doch danach kam für ein paar Minuten nicht nur auf den Rängen, sondern auch bei den Schwarz-Gelben Hektik auf. Die Bälle wurden verloren oder einfach nach vorne geschlagen. Und Real probierte wieder alles. Vor dem 0:2 sah die Dortmunder Deckung sehr schlecht aus und ausgerechnet Ellbogen-Mann Ramos schoss unter die Latte.

Ab diesem Zeitpunkt brach natürlich bei allen Fans doch noch das große Zittern aus. Allerdings bekamen die schwarz-gelben Jungs auf dem Feld die letzten Minuten plus Nachspielzeit wieder ganz gut in den Griff. Santana kam noch für den angeschlagenen Bender und der Ball war wieder häufiger in der gegnerischen Hälfte zu finden. Die ‚Revanche für Malaga‘ fiel aus und über die fast 190 Minuten betrachtet kann es keinen Zweifel geben, dass der BVB verdient im Finale steht.

Der Gegner wird heute Abend ermittelt und alles spricht für den FC Bayern. Was für Aussichten!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Bender (90. +1 Santana) – Blaszczykowski, Götze (14. Großkreutz), Reus – Lewandowski (87. Kehl). Gelbe Karten: Gündogan, Bender, Weidenfeller

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