Keine Freundschaft im Spiel

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 1 Bayern München 1

Icon_spielbericht_newWer gedacht hatte, dass aus der sportlich vergleichsweise bedeutungslosen Liga-Begegnung zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern ein harmloser Frühlingskick werden würde, verkennt den Charakter des Fußballs. Zwischen diesen beiden Vereinen ist in den letzten Monaten und Jahren einiges vorgefallen und es war klar, dass schon ein kleiner Funke genügen würde, um so richtig Feuer ins Spiel zu bringen. Der Blutdruck vieler BVB-Fans dürfte spätestens bei den lächerlichen Freistoßentscheidungen zugunsten der Bayern in der letzten Viertelstunde vor der Pause deutlich angestiegen sein.

Natürlich ließen beide Trainer wie erwartet und teilweise schon angekündigt nicht alle ihre Topspieler aufs Feld. Jupp Heynckes rotierte noch etwas mehr als Klopp und setzte vor allem im Mittelfeld auf Akteure, die eher unregelmäßig auflaufen. Nach einer Anfangsphase mit deutlich mehr Ballbesitz für die Bayern gelang dem BVB bereits nach elf Minuten die Führung. Nuri Sahin spielte einen präzisen langen Pass auf Kuba, der von halblinks Richtung langer Pfosten flankte. Dort war Kevin Großkreutz zur Stelle, nahm den Ball schön volley und netzte gegen seinen speziellen Freund Manuel Neuer aus wenigen Metern ein.

Kurze Zeit später wurde Ilkay Gündogan wegen einer Oberschenkelverhärtung durch Moritz Leitner ersetzt. Eine verständliche Vorsichtsmaßnahme; ein Ausfall des Mittelfeldregisseurs ist daher nicht zu befürchten. Allerdings zeigte sich erneut, dass Leitner (noch?) nicht das Format hat, wichtige Funktionen im Spielaufbau zu erfüllen – schon gar nicht gegen Mannschaften vom Kaliber Bayern. Bis auf wenige gelungene Aktionen lief die Partie auch gestern wieder am Ex-60er vorbei. Gut möglich, dass sie mit einem fitten Gündogan anders geendet hätte.

So fehlte trotz ansehnlicher Ansätze auf beiden Seiten den Angriffen meist die Durchschlagskraft. Wenn allerdings Mario Gomez – wie gestern in der 23. Minute durch einen Fehler von Schmelzer und schlechtes Stellungsspiel von Subotic – frei zum Kopfball kommt, lässt er sich die Gelgenheit selten entgehen. Nach diesem 1:1 passierte recht wenig Erwähnenswertes – bis auf die eingangs angesprochenen kleinlichen bis schlichtweg falschen Pfiffe von Schiedsrichter Gagelmann und eine Eins-gegen-Eins-Situation, bei der Weidenfeller mit dem Bein toll gegen Gomez klärte.

In der zweiten Hälfte hätte der BVB die Begegnung gewinnen sollen. Nach etwas Leerlauf wehrte Boateng einen Sahin-Schuss im Strafraum mit der Hand zur Seite ab. Von einer Schutzhaltung konnte aufgrund der aktiven Handbewegung keine Rede sein. Robert Lewandowski trat zum Elfmeter an und hätte mit einem Treffer Stefan Kießling in der Torschützenliste wieder überholen können. Sein Schuss war ordentlich, aber nicht perfekt. Und Manuel Neuer ist zwar nicht der beste Torwart, aber vielleicht der beste Elfmetertöter in Deutschland.

Gegen die Bayern bekommt man solche Chancen nicht oft. Der Borussia wurde eine weitere zuteil – durch die Dummheit des Ex-Schalkers Rafinha. Die bei ihm allerdings nicht sonderlich überraschte. Im Laufduell knallte der Brasilianer Kuba seinen Ellbogen ins Gesicht. Drei Minuten nachdem er Gelb gesehen hatte. Die völlig überzogenen Proteste der Bayern gegen die fällige Gelb-Rote Karte – es hätte auch Rot sein können – gipfelten in einem Rededuell zwischen Jürgen Klopp und Matthias Sammer, dessen negativere Eigenschaften prima zu seinem aktuellen Verein passen. Klopp machte Sammer dann anscheinend darauf aufmerksam, dass es sich nicht gehört, nach einer solchen Attacke dem Gefoulten noch mit dem Finger ins Gesicht zu bohren.

Wenn man es positiv sehen will, hatte das Spiel spätestens zu diesem Zeitpunkt die Würze, die zu dem, was in drei Wochen folgen wird, passt. Leider konnte der BVB die Überzahl zwar in ein Übergewicht, aber nicht in einen Sieg verwandeln. Marco Reus brachte nach seiner Einwechslung noch einmal Schwung, doch Julian Schieber konnte zwei gute Gelegenheiten nicht nutzen. Ein Treffer in dieser Partie wäre für das Profil des ‚Bullen von Backnang‘ sehr förderlich gewesen – nun werden die Chancen des Stürmers, sich Klopp aufzudrängen, womöglich knapp.

Richtig traurig über das Ergebnis war am Ende trotz aller Aufregung niemand. Die Bayern werden damit zufrieden sein, mit einer halben B-Elf und zeitweise zu zehnt ein Remis gehalten zu haben. Die Borussia hat die Siegesserie des FCB beendet, blieb gegen den Rekordmeister in der Liga zum sechsten Mal hintereinander ungeschlagen und hat Platz 2 in der Liga de facto sicher. Eine Feststellung, die beide Trainer vor dem Spiel trafen, hat weiterhin Gültigkeit: Rückschlüsse auf die Partie in Wembley können aus der Begegnung im Westfalenstadion nicht gezogen werden. Zum Glück hat sich ja auch niemand ernstlich verletzt. Nun sollte es möglich sein, sich noch zwei Wochen auf die Bundesliga zu konzentrieren und diese am Ende zu einem schöneren Platz zu machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Santana, Schmelzer – Kehl (71. Reus), Sahin – Blaszczykowski (84. Bender), Gündogan (14. Leitner), Schieber – Lewandowski. Gelbe Karte: Blaszczykowski. Tor: Großkreutz

Advertisements

2 Gedanken zu “Keine Freundschaft im Spiel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s