Noch ein Deutscher in Wembley

Vor Borussia Dortmund und Bayern München steht ein weiterer Deutscher im Finale von Wembley. Bereits am Sonntag in einer Woche trifft Uwe Rösler mit dem von ihm trainierten FC Brentford im Play-Off-Finale der englischen League One auf Yeovil Town. Der Gewinner steigt als dritter Verein in die zweite Liga auf. Und wenn das Champions League-Endspiel nur annähernd so dramatisch wird wie die entscheidenden letzten Wochen beim Londoner Vorstadtverein, wäre es besser, den Defibrillator gleich mitzunehmen.

Nachdem Rösler, an dessen trockene, direkte Art sie sich in Brentford schnell gewöhnt haben, mit dem Team in seiner ersten Saison einen Play-Off-Platz knapp verpasste, standen die „Bees“ in dieser Saison schon länger sehr aussichtsreich da. Sogar der direkte Aufstieg, für den man einen der ersten beiden Ränge belegen muss, war bis zum Schluss möglich. Mit einem Sieg im direkten Duell gegen die Doncaster Rovers am letzten Spieltag wäre man am Konkurrenten vorbei direkt in die höhere Liga eingezogen. Das Spiel im heimischen Griffin Park war mit 12.300 Zuschauern restlos ausverkauft – was bei dem im Schatten der großen Londoner Clubs stehenden Drittligisten eine Seltenheit ist.

Lange Zeit hielt die resolute Defensive der Gäste aus Doncaster stand. Sehr lange. In der vierten Minute der Nachspielzeit wurde Brentfords Mittelfeldspieler Toumani Diagouraga im Strafraum gefoult, Schiedsrichter Oliver zeigte auf den Punkt. Schießen sollte Klubveteran Kevin O’Connor – so war es zumindest von Uwe Rösler angeordnet. Doch den Ball schnappte sich der junge Stürmer Marcello Trotta, der vom benachbarten Premier League-Club Fulham ausgeliehen ist – und schoss an die Latte. Im Gegenzug erzielte Doncasters James Coppinger das 0:1 und beförderte seinen Verein somit in die zweite Liga. Den Aufstieg vor Augen – der Tiefschlag so nah. Bitterer kann Fußball gar nicht sein.

Trainer Rösler kritisierte in seiner direkten Art sogar die Mitspieler Trottas dafür, dass sie diesen nicht eindringlicher daran erinnerten, wer als Schütze auserkoren war. Gleichzeitig richtete er seine Spieler rechtzeitig zum nun folgenden Play-Off-Halbfinale gegen Swindon Town wieder auf. Das Hinspiel fand in Swindon statt. In der 70. Minute schoss Massimo Luongo die Gastgeber in Führung. In der dritten Minute der Nachspielzeit grätschte Luongo Brentfords Mittelfeldspieler Harry Forrester im Strafraum um. Schiedsrichter Eltrigham entschied auf Elfmeter. Marcello Trotta saß weit weg auf der Bank – es trat diesmal tatsächlich Kevin O’Connor an und sicherte den Bees ein sehr spätes Unentschieden.

Das Rückspiel im Griffin Park am Dienstag hat viele Engländer, die es live im Fernsehen verfolgt haben, wieder für den unterklassigen Fußball eingenommen. Es geht doch so viel spannender als in der Premier League. Die Bees führten vor heimischen Publikum mit 2:0 und kurz nach der Pause mit 3:1. Torjäger Clayton Donaldson hatte erneut zweimal getroffen – unter Mithilfe des ‚Sünders‘ vom letzten Heimspiel, Marcello Trotta. Doch auch diese Begegnung hielt wieder spätes Drama bereit. Swindon war nach 57 Minuten auf 3:2 herangekommen. In der fünften Minute der Nachspielzeit gab es noch mal Ecke für die Gäste und Swindons Flint brachte den Ball über die Linie.

Im Gegensatz zum Tiefschlag aus dem Doncaster-Spiel folgten vorgestern allerdings noch 30 Minuten Verlängerung – die Auswärtstorregel gilt in den englischen Play-Offs nicht. In dieser halben Stunde wurde Swindons Linksverteidiger Byrne mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, doch auch das half nicht: Es kam zum Elfmeterschießen. Ob es daran lag, dass Uwe Rösler noch mal eindringlich nach dem Feeling seiner Schützen fragte, oder an etwas anderem – alle fünf Auserwählten trafen. Und Brentfords junger, aber sehr begabter Torwart Simon Moore hielt den vierten Versuch der Gäste.

Nach drei Nervenschlachten sondergleichen stehen die Bees in Wembley. Und wer so etwas mitgemacht hat, ist wohl auch gestählt für ein weiteres atemberaubendes Spiel. Also noch mal schnell den Malaga-Mitschnitt rauskramen, Herr Klopp!

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4 Gedanken zu “Noch ein Deutscher in Wembley

  1. Hi, vielen, vielen Dank von meiner Seite für die immer wieder gerne gelesenen Kommentare zum Geschehen auf der Insel. Ich habe zwar auch verwandtschaftliche Verbindungen ins UK, aber der liebe Schwager ist ein Mann des Rugby League ;)

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  2. Freut mich, dass sie dir gefallen. Es ist schon komisch, abseits vom BVB und seinen Rivalen interessiert mich das Geschehen in den englischen Ligen 1 bis 4 fast mehr als was im hiesigen Fußball sonst noch passiert.

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