Abschied der großen Männer

Die Fußball-Szene erlebt dieser Tage einen beispiellosen Abschiedsreigen. Spieler und Trainer von höchster Reputation sagen „auf Wiedersehen“ und verdrängen für einige Tage Transfergerüchte und Champions League-Finale aus den Schlagzeilen. Besonders betroffen ist einer der weltweit bekanntesten Vereine, Manchester United. Trainer-Legende Sir Alex Ferguson gab letzte Woche seinen Rückzug zum Saisonende bekannt, der ’stille Star‘ Paul Scholes tritt in diesem Monat bereits zum zweiten Mal zurück und nun hat auch United’s ehemaliger Topseller David Beckham bekanntgegeben, seine Karriere bei PSG nicht fortzusetzen. Beim (wenn auch nicht sportlich) großen Konkurrenten FC Liverpool verabschiedet sich nach dieser Spielzeit ‚One-Club-Man‘ Jamie Carragher.

Und in Deutschland? Vieles spricht dafür, dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem CL-Finale leise „servus“ sagt, ob mit oder ohne Titel, ob mehr oder weniger freiwillig. Seit gestern wissen wir, dass auch Thomas Schaaf geht. Zumindest weg aus Bremen. Und wenn man nur die Klubzugehörigkeit betrachtet, schlägt Schaaf sogar Sir Alex um Längen: 41 Jahre war er als Spieler und Trainer beim SV Werder – das sind 15 Jahre mehr als der Schotte in Manchester waltete. Natürlich war Ferguson von der Zahl und Art der Titel her erfolgreicher – und bekommt auch einen deutlich angemesseneren Abgang beschert.

Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob in Bremen nach 14 Jahren Cheftrainer Schaaf die Zeit für einen Wechsel gekommen war. Man darf allerdings auch darauf hinweisen, dass der ruhige gebürtige Mannheimer nicht allein verantwortlich für die verfehlte Transferpolitik der letzten Jahre war – meiner Meinung nach der Hauptgrund für die miserable Saison 2012/13. Und aus welchem Grund musste der ‚Strategiegipfel‘, bei dem die Zukunft von Werder besprochen wurde, zwischen dem vorletzten und letzten Spieltag stattfinden, wenn es eine wahrscheinliche Option war, sich vom langjährigen Trainer zu trennen? So einvernehmlich dürfte es nicht zugegangen sein, wenn das Ergebnis ist, dass Schaaf beim letzten Saisonspiel nicht mehr auf der Bank sitzt.

Werder Bremen war ein Verein, den ich immer zu den Guten gezählt habe. Die Wahl des neuen Trikotsponsors war bereits mehr als unglücklich. Nun endet eine missratene Spielzeit auch noch mit einer Stillosigkeit.

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