Rückkaufrecht und Leihgeschäft

Während sich viele Sportmedien im Sommerloch und im Gefolge der Stimmungsmacher mit den vier Buchstaben trotz Substanzmangels bereitwillig auf den Fall Lewandowski stürzen, hat Borussia Dortmund mehrere andere Transfers abgewickelt. Die jungen Spieler Julian Koch, Moritz Leitner und Leonardo Bittencourt werden den Verein verlassen – zumindest vorerst. Kochs Wechsel zum FSV Mainz ist schon seit einigen Tagen bekannt. Der verletzungsgeplagte Rechtsverteidiger / Mittelfeldspieler wünscht sich verständlicherweise, regelmäßig Fußball spielen zu können – angesichts der Sokratis-Verpflichtung hätte er darauf in Dortmund weiterhin wenig Chancen gehabt.

In den letzten ein, zwei Tagen scheint ein weiterer Wechsel finalisiert worden zu sein, der bereits seit Wochen im Raum und kurz vor der Vollendung stand: Leonardo Bittencourt spielt ab Juli für Hannover 96, wo er einen Vierjahresvertrag unterschrieben haben soll. Die Ablösesumme soll rund zwei Millionen Euro betragen – etwas weniger, als der BVB im letzten Sommer an Cottbus gezahlt hat. Was die Fälle Koch und Bittencourt verbindet: Die Borussia hat anscheinend für beide Spieler ein Rückkaufrecht vereinbart. Für Bittencourt würde angeblich eine Summe von etwa sechs Millionen Euro fällig.

Eine solche Vereinbarung erinnert an die Ausstiegsklauseln, die die Schwarz-Gelben zu Lasten des Vereins nicht mehr akzeptieren wollen. Für den BVB ist es eine Win-Win-Situation, schließlich steht die Klausel bei Koch und Bittencourt exklusiv unserem Verein zu. Sollte sich einer der beiden sensationell entwickeln, könnte man ihn zurückholen – unklar ist allerdings, ob die Spieler zustimmen müssten. Gerade im Fall von Bittencourt macht das Vorgehen Sinn, denn der offensive Mittelfeldspieler war erst ein Jahr in Dortmund und hatte bei seinen gelegentlichen Einsätzen durchaus ansehnliche Szenen dabei.

Deutlich leichteren Herzens habe ich den Wechsel von Moritz Leitner zum VfB Stuttgart vernommen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler wird für zwei Jahre ohne Kaufoption an die Schwaben ausgeliehen. Im Zuge des Deals wurde Leitners Vertrag in Dortmund bis 2017 verlängert. VfB-Sportdirektor Fredi Bobic freut sich mächtig:

Er ist jung, technisch hoch veranlagt und verfügt über ein sehr gutes Spielverständnis. Und nicht zuletzt ist er auf mehreren Positionen einsetzbar. Damit bringt er alle Fähigkeiten mit, um eine tragende Rolle in unserem Spiel einzunehmen.

Ob er das am Neckar wirklich schafft? Bei der Borussia hat Leitner bei deutlich mehr Spielzeit als Bittencourt weniger überzeugt. Für eine tragende Rolle fehlt ihm (noch?) die Präsenz; viel zu häufig spielte er anonym, war kaum eingebunden und obendrein nicht gerade zweikampfstark.

Was zwei Jahre in Stuttgart bewirken können, hat Philipp Lahm gezeigt. Auf einer anderen Position, doch mit ähnlicher Statur wie Leitner. Letztlich kann sich der BVB auch in diesem Fall bequem zurücklehnen und die Entwicklung beobachten – selbst wenn etwas mehr Skepsis angebracht scheint als bei Bittencourt.

Im Erfolgsfall könnten die drei neuen Vereine der Abgänger am Ende das Nachsehen haben – wie der BVB im Fall Götze. Doch sicher spekulieren Christian Heidel, Christoph Dufner und Fredi Bobic darauf, dass für die Spieler auch in zwei Jahren kein Platz in einer hoffentlich weiter stark besetzten und in der Champions League vertretenen Dortmunder Mannschaft sein wird. Für die Borussenfans stellt sich nun die spannende Frage, wie viele Mittelfeldspieler neben dem Götze-Ersatzmann noch kommen werden. Viel Bedarf besteht eigentlich nicht, da zu hoffen ist, dass auch Jonas Hofmann die ein oder andere Chance bekommen wird. Substanzielle Geldsummen sollte man daher, falls nötig, eher in einen konkurrenzfähigen Links-/Außenverteidiger stecken.

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