Fußball für Frischverliebte

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 6 Hamburger SV 2

Gestern Abend spielte Borussia Dortmund, als ob der Himmel voller Glocken und Schäfchenwolken hing. Wer zum ersten Mal die neue Freundin oder den neuen Freund zum Fußball mitnahm, konnte wunderbar Händchenhalten und gemeinsam staunen. Romantik pur. Ach, das könnte ewig so weitergehen.

Wenn wir uns die ersten fünf Spieltage etwas weniger glückstrunken vergegenwärtigen, kommen wir natürlich zu der Einsicht, dass die Schwarz-Gelben in diesem Jahr endlich mal wieder ein dankbares Auftaktprogramm hatten. Doch die Leistung gestern kann das nicht schmälern – gegen den HSV hatte die Borussia in der letzten Saison sieben Tore kassiert, davon vier im eigenen Stadion.

Und einige Minuten lang sah es so aus, als könnten die Gäste erneut etwas aus Dortmund mitnehmen. Nach dem 2:2-Ausgleich wirkten die Borussen bedient, dass es dem HSV gelungen war, aus dem Nichts zwei Tore zu machen. Lam hatte Subotic aussteigen lassen und einen Schuss von links perfekt ins rechte Eck gezirkelt – was ihm so in dieser Spielzeit vermutlich kein zweites Mal gelingen wird. In der 49. Minute köpfte dann Westermann ein, nachdem auch er sich gegen den inzwischen angeschlagenen Subotic durchgesetzt hatte. Zu diesem Treffer hätte es aber so nicht kommen dürfen, denn der vorausgegangene Freistoß war eine völlige Fehlentscheidung.

Der Zwischenstand war wirklich kaum zu erklären. Der HSV hatte der BVB-Offensive wenig entgegenzusetzen. Es war ja nicht nur so, dass die Gäste einen Spieler wie Son vermissten, der schnell ist und mal über den Flügel Alarm macht. Trainer Thorsten Fink hatte seiner Elf auch noch eine Dreier- oder wahlweise Fünferkette verordnet, die das Durchschlüpfen der flinken Schwarz-Gelben nicht verhindern konnte. Dafür machte sich die ungewohnte Formation im Mittelfeld in deutlicher Unterlegenheit bemerkbar. Um es aber klar zu sagen: Die Verbesserung nach der Umstellung zur Pause war nur temporär – im letzten Viertel des Spiels brach auch das 4-4-2 zusammen.

Selbstverständlich ist Jürgen Klopp zuzustimmen, der für einen Erfolg immer die gesamte Mannschaft verantwortlich macht. Mats Hummels spielte tatsächlich sehr souverän, Sven Bender setzte kaum einen falschen Fuß und Nuri Sahin war endlich wieder der umsichtige Mittelfeld-Regisseur, den er natürlich in sich hat. Aber klar ist auch: Ohne tolle Einzelleistungen und vor allem ein sensationelles Zusammenspiel der vier Offensiven wäre nicht der Fußball zum Verlieben herausgekommen, den wir gestern gesehen haben – und auch kein 6:2. Es waren ja nicht nur die Tore, es waren auch drei Aluminiumtreffer dabei und Hamburgs Keeper Adler hielt streckenweise sehr stark.

Wenn man sieht, wie steil man beispielsweise Aubameyang den Ball vorlegen kann und der kommt trotzdem ran und kein Gegner mit – da muss einem das Fußballherz aufgehen. Oder natürlich Lewandowskis Hackenvorlage in den Lauf von Mkhitaryan vor dem 2:0. Oder wie Reus beim 4:2 Aubameyangs Flanke zu Lewandowski durchlässt – wofür er nach Klopps Willen in den Himmel kommt. Belohnt hat er sich dafür ohnehin mit dem eiskalten 5:2 durch Diekmeiers Beine. Und wollen wir nicht das erleichternde und so unglaublich verdiente 3:2 vergessen, das Aubameyang nach gut getimeter Vorlage von Mkhitaryan ebenfalls zielsicher besorgte.

Das alles funktioniert so nur, weil Egoismen mit Ausnahme ganz weniger Szenen zurückgestellt werden. Natürlich wirkte die Defensive der Gäste in der letzten halben Stunde auch sehr statisch und Thorsten Fink schien keine brauchbare Idee zu haben, wie die vergangenen Erfolge gegen den BVB zu wiederholen wären. Es brauchte nicht mal Super-Joker Jonas Hofmann, der in der 79. Minute für den angeschlagenen Mkhitaryan eingwechselt wurde und soeben bis 2018 verlängert hat, um den deutlichen Erfolg sicherzustellen.

Vor dem schweren Auftakt in die Champions League beim SSC Neapel kommt unsere Borussia also auf 32 Torschüsse und sechs Tore – aber Zahlen sind nichts für Verliebte.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic (61. Sokratis), Hummels, Schmelzer (79. Durm) – Bender, Sahin – Aubameyang, Mkhitaryan (79. Hofmann), Reus – Lewandowski. Tore: Aubameyang (2), Mkhitaryan, Lewandowski (2), Reus

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