Vernunft gegen Ultras

Borussia Dortmund hat gestern die Sanktionen gegen die Ultra-Gruppen bekanntgegeben, die mutmaßlich den  Pyrotechnik-Einsatz beim Derby in Gelsenkirchen geplant haben – der in Vandalismus und den Beschuss gegnerischer Fans und des eigenen Torwarts ausartete: Den Desperados, Jubos und The Unity werden mindestens bis Ende der Saison die Auswärtsdauerkarten für Bundesliga und Pokal entzogen. Zudem werden Stadionverbote gegen diejenigen Personen verhängt, die als Täter identifiziert werden können.

Für mich ist die Reaktion des Vereins absolut angemessen und genau so, wie ich sie mir notgedrungen erhofft habe. Natürlich handelt es sich um eine Kollektivstrafe, die bei einigen hundert Betroffenen auch Unbeteiligte miteinbezieht. Doch der Verein hatte kaum eine andere Wahl. Es ist unwahrscheinlich, dass die Mehrzahl der wahren Täter zur Rechenschaft gezogen werden kann – und zwar deshalb, weil sie sich im Schutz der Gruppe (und des Rauches) maskieren und anschließend wieder untertauchen konnten. Erleichtert wurde das auch durch die Einheitskleidung der Ultras. Bisher ist nicht bekannt, dass es ernsthafte Versuche aus Reihen der Ultras gab, die Exzesse zu verhindern.

Da der BVB also nicht darauf hoffen kann, dass eine größere Zahl von Verantwortlichen ausfindig gemacht und belangt werden kann, musste er nun proaktiv handeln – auch um zu verhindern, dass von DFB und DFL eine noch höhere Strafe verhängt wird als die, die noch folgen dürfte. Diese wird wahrscheinlich mindestens einen Teilausschluss von Fans bei einem Auswärtsspiel beinhalten – und trifft somit nicht nur einige hundert Ultras, sondern auch Tausende vollkommen Unschuldige.

Mit dem Entzug der Auswärtsdauerkarten wird den betroffenen Gruppen lediglich ein Privileg gestrichen, das sie sich aufgrund ihres unzweifelhaft guten Supports verdient hatten. Die einzigen Zweifel, die man daran haben kann, betreffen die Frage, ob alle Gruppen gleichermaßen für das Geschehene verantwortlich gemacht werden können. Hier muss man darauf vertrauen, dass sich der Verein, womöglich mit Hilfe der Fanabteilung, ausreichend über den Ablauf des Derby-Tages informiert hat.

Die nunmehr Kartenlosen können versuchen, sich über die üblichen Wege – Hotline, Fanclubs, andere Kontakte – mit Tickets zu versorgen. Das ist schwieriger, aber gerecht gegenüber den anderen Fans, die Tickets haben wollen. Letztere mögen weniger zur Stimmung beitragen, dafür sind sie in der Regel auch nicht für derart medienwirksame Straftaten verantwortlich. Natürlich ist es möglich, dass nun nicht jeder Ultra zu jedem Auswärtsspiel fahren kann und die Stimmung darunter leiden wird. Bleibt zu hoffen, dass die Gruppen nicht in Trotz verharren, sondern weiterhin einen positiven Beitrag zur Fankultur der Borussia leisten und nicht hinter die Erkenntnisse von Galileo Galilei zurückfallen.

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3 Kommentare

  1. Wenn der Selbstreinigungsprozess in der Kurve nicht funktioniert, bleibt eben keine andere Wahl. Gut, dass Watzke seinen Worten auch Taten folgen lässt.

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