Borussia schießt Springer in die Krise

Standard

Champions League, 5. Spieltag / BVB 3 SSC Neapel 1

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Gut läuft es derzeit ohnehin nicht für den Axel Springer Verlag: Der Verkauf diverser Zeitungen und Zeitschriften, darunter die „Berliner Morgenpost“ und das „Hamburger Abendblatt“, an die Funke-Mediengruppe stockt, weil sich das Bundeskartellamt eingehend mit dem Deal befassen will. Und jetzt das: Borussia Dortmund schlägt den SSC Neapel in einem packenden Spiel im Westfalenstadion mit 3:1 und beraubt den Boulevard der ‚Klopp-Krise‘. Was nun, Frau Springer? Müssen jetzt Döpfner und Diekmann gehen?

Denn es war ja durchaus überzeugend, was wir da gestern im kühlen Westfalenstadion erleben durften. Ein personell geschwächter BVB, der viele seiner Tugenden ins Spiel brachte und nicht den Hauch einer Krise erkennen ließ. Nehmen wir Sven Bender: Der durfte wie zu erwarten in der Innenverteidigung ran, brach sich nach 17 Minuten das Nasenbein, spielte trotz mehrerer Behandlungspausen zwecks Blutungsstillung durch und warf sich in jeden Zweikampf.

Doch es war nicht nur der immense Einsatz der Schwarz-Gelben, der stimmte. Viele Kombinationen auf engem Raum führten zu einer Reihe von Torchancen. Die wurden zwar längst nicht alle genutzt und bei Szenen von Lewandowski, Reus und vor allem Aubameyangs erster Gelegenheit schlug man im Stadion allerorten die Hände über dem Kopf zusammen. Aber es reichte immerhin zu drei Treffern gegen ein italienisches Spitzenteam: Reus‘ souverän ins rechte Eck verwandelter Elfmeter. Kubas Schuss durch die Beine von Torwart Reina, nachdem er wiederum von Reus prima angespielt worden war. Und Aubameyangs Lupfer aus spitzem Winkel, der dann endgültig Feierlaune im Westfalenstadion auslöste.

Der Anschlusstreffer von Insigne war durch einen Fehlpass von Sebastian Kehl eingeleitet worden, der sich auf europäischem Top-Niveau gestern schwer tat, auch wenn er sich in die Partie hinein fuchste. Vielleicht würde ihm vor der letzten Begegnung in Marseille ein bisschen Spielzeit in Liga oder Pokal gut tun.

Die zweite Hälfte übertraf die erste gestern deutlich. Fehlpässe auf beiden Seiten und viele Fouls störten zunächst den Spielfluss, aber immerhin hatte die Borussia die Partie defensiv gut im Griff – mit Ausnahme eines Pfostenschusses von Callejon und eines Versuchs aus der Distanz, den der exzellente Weidenfeller entschäfte. In der Pause schien Neapels Trainer Rafael Benitez seine Spieler angewiesen zu haben, angesichts der strengen Linie des spanischen Schiedsrichters Carballo sauberer zu agieren – das kam dem Spiel beider Mannschaften entgegen.

Der BVB hatte sehr starke Phasen, in denen die gute Stimmung im Stadion auch die Nordtribüne erfasste und wirklich feinste Champions League-Atmosphäre herrschte. Das Schöne: Gestern wurden wir alle belohnt. Auf die Verzweiflung ob der vergebenen Chancen folgte doch noch der Jubel über den Sieg mit zwei Toren Unterschied. Das Team machte einfach weiter und verstand es diesmal, auch Zählbares nachzulegen. Da klappte längst nicht jeder Pass, etwa bei Kreativkraft Mkhitaryan, doch spürt man zu jeder Minute das Potenzial, das in ihm und anderen steckt. Bei so einem Auftritt wie gestern kann man dann auch locker auf einen unerfahrenen Eric Durm setzen, der sich prima einfügte und nur einmal deutlich überlaufen ließ.

Vor dem abschließenden Gruppenspiel in Marseille hat die Borussia nun alles selbst in der Hand, kommt mit jedem Sieg weiter. Auf ein Unentschieden sollte man sich tunlichst nicht verlassen, denn ein Erfolg von Neapel über Arsenal ist angesichts der Ausgangslage – die Londoner müssten mit drei Toren Unterschied verlieren, um auszuscheiden – sicher nicht ausgeschlossen. Doch vorher gibt es ja noch mehrere spannende Spiele in anderen Wettbewerben …

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Bender, Durm – Kehl, Sahin – Blaszczykowski (69. Aubameyang), Mkhitaryan, Reus (81. Piszczek) – Lewandowski (89. Schieber). Gelbe Karte: Kehl. Tore: Reus (EM), Blaszczykowski, Aubameyang

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