Mainz ist, wenn man trotzdem lacht

1. Bundesliga, 14. Spieltag / FSV Mainz 05 1 BVB 3

Spiele der Borussia gegen Mainz 05 hatten in den letzten Jahren einige Gemeinsamkeiten: Sie waren flott und konnten von den Schwarz-Gelben zuletzt immer siegreich gestaltet werden. Und selbst wenn die Partien kontroversen Diskussionsstoff boten, waren sich hinterher alle wohlgesonnen. Eine kleine Unstimmigkeit ist mir vom Anfang der Amtszeit Thomas Tuchels noch im Gedächtnis – als die Mainzer trotz einer Verletzung von Neven Subotic weiter spielten und den Ausgleichstreffer erzielten. Seither begegnet man sich ausgesprochen gastfreundlich und das ist in meinen Augen angenehmer als Eskalationen wie beim Derby.

Die Mainzer Verantwortlichen hätten gestern durchaus Grund für kritische Worte gehabt – gegenüber Schiedsrichter Deniz Aytekin, der sich nicht als Heim-Referee erwies. Dass die 05er die Partie am Ende mit 1:3 verloren, ist mindestens genauso ungerecht wie die deutliche BVB-Niederlage gegen den FC Bayern am Wochenende zuvor. Die vermutlich spielentscheidende Szene bewertete Aytekin richtig: Nach einem schnellen Abschlag von Weidenfeller in der 79. Minute und tollem Doppelpass von Lewandowski und Aubameyang chippte Letzterer den Ball Richtung leeres Tor – und Elkin Soto klärte mit der Hand zum Elfmeter. Wegen Torverhinderung sah der Mittelfeldspieler folgerichtig auch noch Rot, Lewandowski traf zur 2:1-Führung.

Auch die anderen beiden BVB-Tore fielen durch Standards und mit den vorangegangenen Pfiffen dürften die 05er nicht einverstanden gewesen sein. Das 1:0 erzielte Pierre-Emerick Aubameyang mit einem schönen Freistoß und etwas Glück: Von halblinks traf sein Schuss den Innenpfosten, von dort sprang der Ball ins Tor. Die Freistoßentscheidung zugunsten von Erik Durm war jedoch diskutabel. Dass der junge Linksverteidiger und frühere Stürmer für sein Alter fast schon zu abgekocht ist, zeigte sich dann in der Nachspielzeit, als er sich über den im Strafraum liegenden Mainzer Torwart Karius fallen ließ. Man kann das nicht wirklich schönreden als eine ‚Einladung‘ durch den Keeper – Durm hätte hier nie zu Boden gehen müssen, die kaum existente Berührung ging von ihm aus.

Vermutlich hätte die Borussia die letzten Sekunden auch ohne den Elfmeter zum 3:1 noch über die Zeit gebracht – auch wenn die Mainzer selbst in den zehn Minuten zu zehnt dem Tabellendritten ebenbürtig waren und weiter Druck machten. Dennoch lief die Begegnung vor ausverkauftem Haus sehr unglücklich für die Gastgeber. Über lange Strecken hatten die 05er das Mittelfeld gut dicht gemacht, waren ohne großen Kraftverlust viel gelaufen und hatten nur wenige herausgespielte Chancen der Schwarz-Gelben zugelassen. Wirklich erwähnenswert war lediglich der Lattenkracher von Aubameyang kurz vor der Pause, an dem Karius noch dran war.

Natürlich machten auch Spieler und Verantwortliche der Borussia nach den 90 Minuten gute Miene zum schlechten Spiel. Ein 3:1 war schließlich das absolute Maximum, das man aus dieser Partie holen konnte. Die Maßnahme von Jürgen Klopp, Kevin Großkreutz in die Zentrale neben Sven Bender zu stellen und Piszczek auf seiner angestammten Position rechts hinten aufzubieten, überzeugte nicht wirklich. Lukasz machte es solide, doch Kevin fehlte deutlich die Bindung zum Spiel. Kuba spielte zunächst quasi auf einer Höhe mit den beiden, doch gegen dieses umgestellte Mittelfeld wirkten die bissigen 05er oft überlegen.

Klopp tauschte schon in der ersten Hälfte Bender gegen Sahin aus und nutzte bereits in der Halbzeitpause seine beiden weiteren Wechseloptionen: Kehl und Mkhitaryan kamen für Kuba und Reus. Nach Angaben des Trainers waren alle Wechsel verletzungsbedingt – was auf eine noch gewagtere Aufstellung am Dienstag im Pokal gegen den Tabellenvorletzten der dritten Liga hindeutet.

Eine Partie, die bei genauer Betrachtung wenig zum Lachen bot, endete auf dem Papier mit einem absolut überzeugenden Ergebnis. Die Borussia hatte das in dieser Saison auch schon anders herum. Gut, dass man nun mit drei Punkten die Pflichtaufgabe in Saarbrücken angehen kann, bevor man gegen Leverkusen die Liga möglicherweise noch langweiliger macht als sie (oben) schon ist und im Anschluss die knifflige Aufgabe in Marseille zu bestehen hat.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Durm – Blaszczykowski (46. Mkhitaryan), Bender (33. Sahin), Großkreutz – Aubameyang, Reus (46. Kehl) – Lewandowski. Tore: Aubameyang, Lewandowski (2 x EM)

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