Schwarzer Samstag

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1. Bundesliga, 15. Spieltag / BVB 0 Bayer Leverkusen 1

Dass Borussia Dortmund angesichts der Verletzungsmisere in der Defensive vor Weihnachten noch Punkte abgeben würde, war vorauszusehen – an das Märchen von den Großen Zwei habe ich sowieso nie geglaubt. Doch am Samstagabend kam es knüppeldick: Die Schwarz-Gelben verloren nicht nur 0:1 gegen Konkurrent Leverkusen, sondern auch Sven Bender und möglicherweise Nuri Sahin für das letzte CL-Gruppenspiel in Marseille und Sokratis für die Bundesligapartie in Sinsheim.

Die Niederlage gegen die Werkself war nicht den Verletzungen von Bender und Sahin geschuldet, die in der zweiten Hälfte raus mussten, als der BVB bereits in Rückstand lag. Die Gelb-Rote Karte gegen Sokratis in der Nachspielzeit war zwar ziemlich dumm, änderte aber wohl ebenso wenig etwas am Spielausgang. Nein, die Borussia war am gestrigen Tag schlicht nicht gut genug für Leverkusen, das zudem mit einem Plan angereist war. So standen die Gäste im Spiel gegen den Ball tief, mit einer Viererkette am Strafraum und der anderen gut zehn Meter davor. Die offensiven Bayer-Akteure versuchten dabei durchaus, das Dortmunder Passspiel proaktiv zu unterbinden, was zu häufig gelang. Darüber hinaus scheiterten die Schwarz-Gelben daran, sich auf die Verdichtungstaktik des Gegners einzustellen und spielten zu viele optimistische Pässe, die nur gegen eine offenere und weniger aufmerksame Defensive funktioniert hätten.

Gab es also ein großes Versagen im Spitzenspiel? Dieser Vorwurf würde der Situation nicht gerecht. Denn natürlich macht es sich gegen ein Team wie Leverkusen ohne größere Personalsorgen bemerkbar, wenn die angestammte Viererkette nicht verfügbar ist. In einem solchen Spiel zeigt sich dann, warum Manuel Friedrich bei den Gästen nicht zum Zuge kam. Und Spieler wie Son oder Can legten offen, dass die Borussia bei allem Respekt vor den Leistungen von Großkreutz und vor allem Durm über die Flügel anfälliger ist als sie es mit zwei starken, gelernten und erfahrenen Außenverteidigern wäre. Auch Ilkay Gündogan hätte in einer solchen Partie Impulse geben können – Nuri Sahin und Henrikh Mkhitaryan gelang das gestern selten. Der armenische Neuzugang muss bei aller Klasse mannschaftsdienlicher spielen und darf gerade gegen Spitzenmannschaften nicht zu oft auf Alleingänge setzen.

So wie es lief, konnte man am Samstag nicht mal besonders vielen vergebenen Chancen hinterher trauern. Auch nach der vollkommen berechtigten roten Karte gegen Leverkusens Spahic, der erst mit zwei Füßen Lewandowski foulte und dann noch Mkhitaryan ins Gesicht griff, erspielte sich die Borussia keine hundertprozentigen Gelegenheiten mehr.

Sich nun irgendwie in die Winterpause zu retten, ist leider keine echte Option. Denn in den Liga-Partien bei Hoffenheim und gegen Hertha BSC kann die Borussia nun sogar den sicheren CL-Platz 3 einbüßen – die andere Borussia lauert punktgleich auf Rang 4. Entscheidend für die Stimmung den ganzen Winter über und auch ein wenig für die Perspektiven bei möglichen weiteren Champions League-Teilnahmen ist jedoch das abschließende Gruppenspiel im laufenden europäischen Wettbewerb. Am Mittwoch in Marseille wird Sven Bender weder im defensiven Mittelfeld noch neben Sokratis in der Innenverteidigung zur Verfügung stehen. Heute kam die Diagnose von Doc Braun: ‚Manni‘ fällt wegen einer Innenbanddehnung mit Einblutungen im Sehnenbereich aus. Hoffnung auf einen Einsatz besteht bei Nuri Sahin, obwohl sich sein Befund „Außenbandteiltiss“ für einen medizinischen Laien ebenfalls gravierend liest.

Dringend gebraucht wird nun der berühmte Dortmunder Kampfgeist. Ich kann dieses „Jetzt erst recht“-Gefühl schon deutlich spüren und den meisten anderen Fans wird es ähnlich gehen. Ob das dann reicht, wird eine weitere aufregende Europapokal-Nacht am Mittwoch zeigen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Friedrich, Sokratis, Durm – Bender (63. Reus), Sahin (82. Piszczek) – Blaszczykowski (67. Hofmann), Mkhitaryan, Aubameyang – Lewandowski. Gelbe Karte: Mkhitaryan. Gelb-Rote Karte: Sokratis

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