So hätte es nicht enden müssen

Standard

1. Bundesliga, 17. Spieltag / BVB 1 Hertha BSC 2

Zu Weihnachten eine Heimniederlage gegen den Aufsteiger Hertha BSC – das hätte man sich nun wirklich anders vorgestellt. Die Schuldfrage lässt sich ausnahmsweise mal schnell und deutlich klären: Für den Rückstand waren zwei Abwehrpatzer verantwortlich; dafür, dass er nicht mehr gedreht werden konnte, die weit unter ihren Möglichkeiten agierende Offensivabteilung. Platz 4 nach der Hinserie ist nicht das, was der Verein erreichen wollte. Doch Punktverluste waren angesichts der personellen Situation erwartbar und sind mit Blick auf 2014 wegen des geringen Rückstands noch kein Grund, von einer Krise zu sprechen. Schließlich ist jetzt Winterpause.

An der Partie vom Samstag gibt es allerdings wenig schönzureden. Als Sebastian Kehl den Ball nach sieben Minuten in Richtung Marco Reus auf die linke Seite geschlagen und unsere Nummer 11 den im falschen Moment aus dem Kasten kommenden Nachwuchskeeper Gersbeck überwunden hatte, sprach alles für die Borussia. Die Hertha wirkte zwar von Beginn an in der Abwehr diszipliniert – was zuletzt zu ihrem Markenzeichen geworden ist – doch zum Torabschluss wurde sie von Schwarz-Gelben freundschaftlich eingeladen. Zunächst scheiterte Adrian Ramos, der sich einen desaströsen Rückpass von Kevin Großkreutz erlaufen hatte, noch an Roman Weidenfeller. Doch dann spielte Sokratis einen etwas zu kräftigen Querpass auf Durm, der junge Linksverteidiger brachte den Ball nicht richtig unter Kontrolle und Allagui war zur Stelle, um Ramos von rechts zu bedienen.

Die Borussia hatte danach noch rund 70 Minuten Zeit für Ergebniskorrekturen, doch die Probleme damit zogen sich bis zum Schluss durch ihr Spiel. Loben wir erst mal den Gegner: Lange Zeit setzten die Berliner die ballführenden Schwarz-Gelben gekonnt unter Druck, pressten schon im Mittelfeld. Später in der zweiten Hälfte zogen sie sich weiter zurück, machten die Räume im Zentrum sehr eng und leisteten sich kaum Fehler in Strafraumnähe. Dennoch hätte man vom BVB mehr Lösungsansätze erwartet. Die Flügel waren in Richtung Berliner Tor verwaist. Marco Reus konnte sich nach der Führung kaum noch in Szene setzen und auf der anderen Seite leistete sich Kuba sehr viele Ballverluste. Bei aller Freude über Eric Durms Qualitäten setzt dieser offensiv auch noch nicht regelmäßig Akzente und Lukasz Piszczek braucht ebenfalls noch das kommende Januar-Trainingslager, um vielleicht wieder zur alten Stärke zu finden

Sehr viel lief also durch die Mitte, doch leider traf dort Henrikh Mkhitaryan erneut zu viele falsche Entscheidungen und war kaum mal am Strafraum zu sehen. Bleibt noch zu ergänzen, dass auch Nuri Sahin bis auf seinen obligatorischen uneffektiven Distanzschuss ideenlos blieb und man bekommt ein Gefühl dafür, warum es vorgestern selbst gegen einen Aufsteiger nicht reichte. Engagiert und mit weniger Fehlern als zuletzt agierte Sebastian Kehl – vielleicht hob er sich auch nur besonders von seinen Mittelfeld-Kollegen ab. Robert Lewandowski weiß in der Liga trotz vergeigter Abschlüsse von der Offensivabteilung derzeit noch am besten zu gefallen: Ballbehauptung und Raumgewinn stimmen immerhin.

Dass der BVB am Samstag sogar verloren hat, hing dann aber doch entscheidend mit einer Szene kurz vor der Pause zusammen. Innenverteidiger Marian Sarr versuchte den Ball gegen Sami Allagui spielerisch zu behaupten, verlor aber das Duell und musste betroffen mit ansehen, wie der Flügelspieler Weidenfeller umkurvte und einschob. Kurz darauf sah Sarr noch Gelb – wie einige Zweikampfbewertungen von Schiedsrichter Gagelmann war das diskutabel, doch Jürgen Klopp nahm den 18-jährigen zur Pause raus. Bitterer hätte es für Marian nicht laufen können: Geht alles seinen normalen Gang, spielen in der Rückserie wieder Sokratis und Hummels. Darüber hinaus könnten die Vereinsverantwortlichen angesichts der letzten Wochen doch noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden und nach Mitsuru Maruoka, dem jungen japanischen Perspektivspieler fürs Mittelfeld, eine Soforthilfe für die Abwehr verpflichten. Bisher mauert Michael Zorc dahingehend, doch auch Mauern fallen manchmal. Sarr könnte also auf seine nächste Chance lange warten müssen.

In den zweiten 45 Minuten ging von den Gästen kaum noch Gefahr aus, doch die Borussia hat derzeit einfach ein Problem mit engmaschigen Abwehrnetzen. Es gab den guten Schuss von Jonas Hofmann von der Strafraumgrenze, den Gersbeck parieren konnte, und einen späten Kopfball von Großkreutz. Natürlich zu wenig für ein Team, das sich in einer der schwersten Gruppen für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert hat. Trotz seiner schwankenden Leistungen hätte Pierre-Emerick Aubameyangs Torgefahr der Borussia vielleicht besser getan als Hofmann und Schieber – auch Jürgen Klopps Einwechslungen darf man also leise hinterfragen.

Ein Resümee von 2013 gehört in einen eigenen Artikel – der kommen wird. Die unmittelbaren Aussichten für Borussia Dortmund sind nicht so schlecht wie sich manch einer am Samstagabend gefühlt haben mag. Wenn in der Winterpause ordentlich gearbeitet wird und der Heilungsverlauf bei Hummels und Gündogan positiv verläuft, dürfte zumindest der eine Punkt Rückstand auf Mönchengladbach zu vernachlässigen sein. Wenn das Team um Jürgen Klopp es schafft, den Jungs auf dem Rasen etwas mehr Flexibilität beizubringen oder das durch leichte Eingriffe an der Taktik forciert, ist eine erfolgreiche Rückserie nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Ob sich personell nicht doch etwas tut, wird dieses Blog natürlich verfolgen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Sarr (46. Piszczek), Durm – Kehl (77. Schieber), Sahin – Blaszczykowski (56. Hofmann), Mkhitaryan, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Sarr, Sahin. Tor: Reus

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