Wie war es für dich, Borussia?

Wenn der letzte Eindruck zählt, dann gibt es am Jahresende 2013 für Borussia Dortmund wenig zu feiern: Schon wieder zwölf Punkte Rückstand auf den FC Bayern und zur Winterpause nur auf dem vierten Platz in der Liga. Das hatte man sich am Rheinlanddamm anders vorgestellt. Doch wer hier schon länger liest, weiß dass Momentaufnahmen für die Bewertung einer Situation hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Im Kontext von dem, was zuvor war und demnächst kommen könnte, muss man die letzten Wochen 2013 nicht gar so düster sehen.

Natürlich waren die letzten Spiele in der Liga mit den viel zitierten vier von 18 möglichen Punkten harte Kost. Niederlagen und Punktverluste gegen Konkurrenten, Klubs, die man nicht besonders mag, sowie Aufsteiger waren dabei – und zuletzt sogar eine Partie, in der die Schwarz-Gelben spielerisch planlos wirkten. Doch trotz aller berechtigten Kritik an der Dortmunder Offensivabteilung – verloren wurden die Spiele in der Rückwärtsbewegung und mehrfach durch Fehler in oder unmittelbar vor der Viererkette. Vergleichbar schwer wie die BVB-Defensive hat die Verletzungsmisere keinen der unmittelbaren Konkurrenten getroffen. Die temporär gehandicappten Bayern waren mit ihrem hochkarätig besetzten Kader in der Lage, ihre Ausfälle zu kompensieren.

Bleibt die Diskussion um die Einkaufspolitik. Ich habe schon mehrfach formuliert, dass ich allein einen Außenverteidiger oder Defensiv-Allrounder als weitere sinnvolle Verstärkung vor der Saison empfunden hätte. Mit drei Innenverteidigern plus zwei Nachwuchslösungen in die Spielzeit zu gehen war vernünftig – nur der FC Bayern hat das Geld, nahezu alle Positionen mit 1A-Optionen doppelt zu besetzen. Und nur dem FCB mit Trainer Guardiola kann es nahezu egal sein, wenn ein Spieler wie Jan Kirchhoff fast gar nicht spielt und nun wahrscheinlich ausgeliehen wird.

Dass der BVB nach all den Erfolgen auch wieder – relativ gesehen – schwierige Phasen überstehen würde müssen, war ebenso vorhersehbar wie die Lästereien einiger Erfolgsfans in den Kommentarbereichen der Lokal- und Sportmedien. In dieser Hinsicht waren die Vereinsverantwortlichen Watzke, Zorc und Klopp bodenständig wie eh und je. Ohnehin ist die Erfolgsdelle nur in der Liga zu sehen. Durch die schwere CL-Gruppe hat sich die Borussia mit Bravour und durch drei Pokalrunden mit engagierter Arbeit gekämpft.

Die Champions League-Auftritte der schwarz-gelben Jungs waren ohnehin das, was sportlich von 2013 in Erinnerung bleiben wird: Herrliche Spiele gegen Donezk und Real Madrid, die beste Nachspielzeit aller Zeiten mit unvergesslichen Jubelszenen gegen Malaga, eine abgeschwächte Version davon gegen Neapel – dafür mit dem Dortmunder Kevin in der Hauptrolle, und ein Sieg in England beim FC Arsenal. Das Finale von Wembley war zwar auch eine bittere Niederlage, aber vor allem ein nie für möglich gehaltener Erfolg.

Betrachtet man die wirtschaftliche Seite, sieht sowieso alles rosig aus: Die KgaA ist praktisch schuldenfrei und hat einen Rekordgewinn sowie einen Rekordumsatz zu verbuchen. Nur gibt es einen Verein, der trotz dieser Zahlen in finanzieller Hinsicht meilenweit voraus ist und diesen Abstand nutzt, um auch die sportliche Distanz nicht geringer werden zu lassen. Denn entgegen aller hehren Worte ist der FC Bayern auch für einen bereits vollzogenen und einen wahrscheinlichen desillusionierenden BVB-Transfer verantwortlich – weitere könnten folgen.

Das Derby war in der laufenden Saison ein sportlicher Höhepunkt für die Fans, aber gleichzeitig ein Tiefpunkt für die Fankultur. Die Auswirkungen der Entgleisungen sind nach wie vor bei Auswärtsspielen zu spüren. Darüber sollten wir die schönen Momente nicht vergessen, doch ist es schon schade, dass es so weit kommen musste.

Mit Blick auf die Rückserie fällt mir kein Grund ein, übermäßig pessimistisch zu sein. Der Abstand zu den Bayern ist derzeit groß, aber alle anderen selbst gesetzten Saisonziele sind in Reichweite. Ab Anfang Januar wird in Spanien und Dortmund eifrig daran gearbeitet, die zuletzt etwas verloren gegangene Offensivstärke und die defensive Stabilität wiederzufinden. Mittelfeld-Regisseur Ilkay Gündogan, vor allem in den letzten Wochen schmerzlich vermisst, dürfte dann wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Bei Mats Hummels gibt es dazu noch keine definitive Aussage; bis zum Rückrundenstart sollte er aber wieder fit sein. Mit Eintracht Frankfurt und Zenit St. Petersburg hat der BVB in den Pokalwettbewerben zwei Gegner erwischt, bei denen man auf ein Weiterkommen hoffen darf. Kein Grund für frühzeitige Trübsal also – lasst uns froh und munter sein!

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