Spanischer Schriftsteller in der Premier League

Spanische Spieler sind in der Premier League gerne gesehen. In der nach landläufiger Auffassung besten Liga der Welt bedient man sich schon seit mehreren Jahren gerne im Land des Welt- und Europameisters, das für modernen und erfolgreichen Fußball steht. Und auch auf den Trainerbänken sitzen oder saßen schon bekannte Spanier wie Rafael Benitez (Liverpool, Chelsea), Roberto Martinez (Everton) sowie der ‚Fußball-Spanier‘ Michael Laudrup (Swansea). Jüngstes Beispiel: Pepe Mel, bis Dezember knapp vier Jahre bei Real Betis (Sevilla), seit letzter Woche neuer Trainer bei West Bromwich Albion.

Der Klub aus dem sogenannten ‚Black Country‘ nördlich von Birmingham gilt schon seit Jahren als solide geführt, es gibt eine Reihe von Spielern, deren Verweildauer bei ihrem aktuellen Verein deutlich über dem Ligaschnitt liegt. Und doch hatten die ‚Baggies‘ zuletzt einiges zu verkraften: Zunächst wurde 2012 Ex-Trainer Roy Hodgson Dompteur der ‚Three Lions‘, dann wanderte der erfolgreiche Sportdirektor Dan Ashworth zum Fußballverband FA ab. Nach einer sehr ordentlichen ersten Saison unter Hodgsons Nachfolger Steve Clarke ging es 2013/14 bergab, so dass Mitte Dezember zunächst Assistenztrainer Keith Downing interimsweise die Leitung übernahm.

Zuletzt gab es Ärger mit einem bekanntermaßen schwierigen Spieler: Nicolas Anelka zeigte nach einem Torerfolg eine Geste, die als invertierter Hitlergruß beschrieben wurde und auf den in Frankreich äußerst umstrittenen Komiker Dieudonné M’Bala M’Bala zurückgeht, dem antisemitische Tendenzen nachgesagt werden. Die FA ermittelt; Anelka hat versprochen, die Geste nicht mehr zu zeigen, doch Trikotsponsor Zoopla, ein Immobilienportal, hat schon angekündigt, den Vertrag mit West Bromwich nicht zu verlängern, da der Verein an Anelka festhalten will.

In dieser bewegten Zeit haben sich der Verein und dessen junger neuer Sportdirektor Richard Garlick für den Spanier Pepe Mel als neuen Trainer entschieden. Man kann den Schritt als mutig bezeichnen, als ein Experiment, aber waghalsig ist er nicht. Mel führte Real Betis von der Segunda Division zurück in Spaniens höchste Spielklasse und bekam dort erst in dieser Saison größere Probleme, unter anderem wegen Verletzungssorgen. Trotz der schlechten Tabellenposition bei seiner Entlassung im Dezember singen die Betis-Fans noch heute im Stadion seinen Namen.

Gegenüber den Medien lässt der neue Trainer seine Worte noch aus dem Spanischen übersetzen. Mit seinen Spielern soll er nach Auskunft von Mittelfeldakteur James Morrison schon sehr passabel Englisch sprechen. Mel gilt als Verfechter eines attraktiven, offensiven Fußballs, der auf konsequentem Pressing basiert. Die Fans wird es freuen, galten die Baggies bis vor wenigen Jahren doch ebenfalls als ein sehr ansehnlich spielendes Team. Was den als offen und umgänglich beschriebenen Spanier von den meisten Kollegen abheben dürfte: Er ist ein waschechter Literat. Wir reden hier nicht von autobiographischer Selbstbeweihräucherung à la Louis van Gaal, sondern von zwei Romanen: „El Mentiroso“ (Der Lügner) und „El Camino al más allá“ (Die Straße ins Jenseits) – womit über deren Qualität noch nichts gesagt ist.

In seiner ersten Partie als Cheftrainer in England musste Pepe Mel am Montagabend ausgerechnet gegen den erfolgreichen FC Everton seines Landsmanns Roberto Martinez antreten. Mel änderte die Startelf auf fünf Positionen, trotz energischen Auftretens blieb jedoch ein wesentliches Problem der Baggies, die fehlende Torgefahr, zunächst bestehen. Doch in der 75. Minute konnte Innenverteidiger Diego Lugano, neu in der Startelf und am Gegentor von Kevin Mirallas mitschuldig, per Kopf zum 1:1 ausgleichen – ein respektabler Start für den neuen Trainer gegen den formstarken Tabellensechsten. West Bromwich Albion hat als 13. nun ein Polster von vier Punkten auf die Abstiegsplätze.

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