Die Derbykönner

Das ist der Stoff, aus dem Derbyträume sind: Im sogenannten Tyne-Wear-Derby hat der AFC Sunderland am Samstagmittag 3:0 im St. James Park seines großen Lokalrivalen Newcastle United gewonnen. Damit lassen die ‚Black Cats‘ die Abstiegsränge der Premier League um vier Plätze hinter sich – der Punktevorsprung beträgt allerdings nur zwei. Was den Fans viel mehr eine glückliche Woche bescheren dürfte: Es waren bereits das zweite 3:0 und der dritte Derbysieg gegen die ‚Magpies‘ hintereinander.

Den letzten Auswärtstriumph im St. James Park durfte noch Paolo di Canio als Trainer feiern – außer diesem Erfolg rechnet dem umstrittenen Italiener heute so gut wie kein Sunderland-Anhänger noch etwas positiv an. Nachfolger Gus Poyet konnte nach verbesserten Leistungen zuletzt auch mehrere Siege vorweisen – darunter den Einzug ins League Cup-Finale gegen Manchester City in Wembley, das erste Endspiel seit langem für die Black Cats.

Darüber hinaus hat es Poyet in der Transferphase im Gegensatz zu manchem Ligakonkurrenten geschafft, mehrere sinnvoll erscheinende Verpflichtungen zu tätigen und mehrere ‚Kaderfüller‘ loszuwerden. Vom ehemaligen Verein des Trainers, Zweitligist Brighton & Hove Albion, kam beispielsweise der junge englische Mittelfeldspieler Liam Bridcutt, der in Newcastle gleich von Beginn an ran durfte und direkt überzeugen konnte. Auch Tor, Abwehr und Sturm wurden verstärkt, so dass die interne Konkurrenz nun recht groß sein dürfte.

Das Positive: Am Samstag zeigte das Team einen geschlossen guten mannschaftlichen Auftritt. Der Koreaner Ki Sung-Yueng ist zum sicheren Passgeber im Mittelfeld geworden und der vor eineinhalb Jahren von Manchester City gekommene Flügelspieler Adam Johnson zeigt endlich die brillanten Offensivaktionen, die man sich von ihm erhofft hat. Das I-Tüpfelchen auf dem Derby-Triumph war jedoch, dass den dritten Treffer ausgerechnet ‚Local Boy‘ Jack Colback erzielte, der aus der Jugend des AFC Sunderland zu den Profis kam.

Newcastle United startete verheißungsvoll in die Premier League-Saison, dümpelt jedoch inzwischen im Mittelfeld herum. Im Januar wurde Top-Mann Yohan Cabaye an Paris St. Germain verkauft und kein permanenter Ersatz geholt. Die scheinbar extrem blutleere Vorstellung der Magpies im Derby war da für manche zu viel: Die Fans wanderten in Scharen frühzeitig ab; ein paar liefen jedoch auch aufs Spielfeld. Einer soll Trainer Alan Pardew seinen Mitgliedsausweis vor die Füße geschmissen haben. Heute gab es Konsequenzen: Sportdirektor Joe Kinnear, dem viele Fans und zuletzt auch – kaum verklausuliert – Pardew die schwache Transferpolitik vorgeworfen hatten, räumte nach nur knapp acht Monaten seinen Posten.

Ach wie süß schmeckt dagegen ein Derbysieg. Die Fans haben die personellen Turbulenzen und die sportliche Talfahrt – bis vor Kurzem war Sunderland Tabellenletzter – schon fast verziehen. Eins der bekanntesten Fanzines, A Love Supreme, schrieb in seinem Spielbericht:

What a life it is being a Sunderland fan, but I wouldn’t change it for anything. For all the lows we have, the highs are ever so much sweeter.

2 Gedanken zu “Die Derbykönner

  1. Ich war mal 1998 in Newcastle und hatte den Eindrück, dass man dort noch fussballverrückter als in Dortmund ist. Oder zumindest gleichwertig. Zu Newcastle United hatte dort jeder eine Meinung und werden Dauerkarten vererbt. Und die Niederlagen gegen den Erzrivalen Sunderland sind richtig schmerzvoll. Dabei spielt doch Sunderland eine absolute Katastrophensaison.

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  2. Gleichwertig wie Dortmund v Schalke ist das wohl, nach allem was ich gehört habe. Mit Sicherheit eines der Premier League-Spiele, wo zurzeit akustisch am meisten geht. Ich verfolge und mag ja eher Sunderland und bin recht zuversichtlich, dass sie drin bleiben. Gus Poyet scheint ein guter Motivator zu sein und in der Winterpause haben sie sich noch mal sinnvoll verstärkt. Wobei sie sich mit Platzverweisen immer wieder selbst ein Bein stellen: Wes Brown ist am Wochenende schon zum dritten Mal in dieser Saison runter geflogen.

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