Zurück zur Schönheit

1. Bundesliga, 20. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 5

Die Schönheit des Fußballs ist nicht das xundvierzigste Bayern-Spiel ohne Niederlage, schön sind unerwartete Glanzstunden wie das gestrige 5:1 der Borussia im Weserstadion. Auf ein solches Highlight hatte nach dem mühsamen Rückserienauftakt kaum jemand spekuliert. Doch den Schwarz-Gelben gelangen grandiose Spielzüge und Tore, die an die Meisterjahre erinnerten – allerdings gegen einen phasenweise extrem desolaten SV Werder.

Dabei ging es für die Gastgeber nicht so schlecht los: Die erste Viertelstunde der Partie verlief ausgeglichen, Bremens argentinischer Stürmer Franco di Santo hatte die erste größere Gelegenheit. Es sollte sich jedoch bald herausstellen, dass vor allem die Vierer-Abwehrkette des SVW kaum Bundesliga-Format hat. Die Dortmunder Führung wurde allerdings durch Bremens Flügelmann Eljero Elia begünstigt, der den Ball gegen Marcel Schmelzer verlor. Der Linksverteidiger bediente zentral Robert Lewandowski und der legte eiskalt an Torwart Wolf vorbei ins lange Eck.

Ein Problem der Grün-Weißen ist neben der geringen Zahl an Torchancen sicherlich, dass sie nach einem Rückschlag zu selten zurückkommen. Nach dem Rückstand gelang ihnen lange ganz wenig. Die BVB-Defensive machte ihre Sache bis auf zwei nicht optimale Aktionen von Sokratis früh im Spiel auch prima. Das Gegenpressing funktionierte in der eigenen Hälfte nahezu vorbildhaft. Und Jürgen Klopp traf mit der Hereinnahme von Manuel Friedrich für den verletzten Hummels die richtige Entscheidung. Wer hätte schon gedacht, dass Friedrich sogar noch ein Treffer in schwarz-gelb gelingen würde? Kurz nach der Pause drückte er nach einem Eckstoß von Reus den Ball freistehend zum 3:0 über die Linie – und freute sich natürlich mächtig.

Einige Minuten vor der Pause hatte bereits Henrikh Mkhitaryan getroffen und zwar so, dass die Nörgler hoffentlich erst mal wieder ihre Klappe halten. Nach Zuspiel von Lewa setzte sich der Armenier gegen Lukimya durch und traf gegen die Laufrichtung von Wolf. Es war eine Aktion, die Klasse ausstrahlte und eigentlich ganz allein schon reichen sollte, um Zweifel eines Besseren zu belehren. Doch da war ja noch das 4:0 – ein Treffer, der die Bezeichnung ‚the beautiful game‘ für unseren Lieblingssport endgültig unterstrich. Mkhitaryan spielte Doppelpass mit Reus, aber was für einen: Marco legte mit der Hacke zurück in ‚Mikis‘ Lauf und der wunderbar am Keeper vorbei ins lange Eck. Meisterstil wie 2011, nur mit anderen Akteuren.

Zwischen dem dritten und vierten Dortmunder Tor hatte der eingewechselte Petersen eine Gelegenheit für Werder, aber nicht vergleichbar mit dem Lattenkracher von Lukasz Piszczek kurz danach. Wie sehr hätte man ihm den Erfolg gegönnt. Auch wenn Werder noch der späte Ehrentreffer durch den Nachwuchsspieler Aycicek gelang – was die Gastgeber in den zweiten 45 Minuten zustande brachten, war weitgehend erschreckend und mit die schwächste Leistung, die ich in dieser Saison gegen den BVB gesehen habe. Dafür zeigte Robert Lewandowski noch mal, dass wir ihn bald arg vermissen werden: Nach Pass von Hofmann zeigte er sich erneut als Stürmer par excellence, überwand Torwart Wolf und zielte dann Prödl durch die Beine.

Um Bremen muss man sich langsam Sorgen machen, wenn einem der Verein etwas bedeutet. Die Mannschaft sieht nicht nur auf dem Papier extrem zusammen gewürfelt aus, sie ist auch auf dem Platz viel zu einfach auseinanderzuspielen. Für die Borussia ist dieser schöne Sieg natürlich ein mehr als gelungener Auftakt in die englischen Wochen. Doch derzeit bleibt für die Schwarz-Gelben nichts ohne Wermutstropfen: In Marco Reus und Sven Bender haben sich zwei absolute Stammspieler Verletzungen zugezogen. Reus fällt mit Muskelfaserriss für rund zwei Wochen aus, also für beide Partien gegen Frankfurt. ‚Manni‘ wird mit einer Zerrung mindestens beim extrem wichtigen Pokalspiel fehlen – es zeigt sich bereits, wie wichtig die Jojic-Verpflichtung war. Gut möglich, dass der Neuzugang von Partizan Belgrad am Dienstag seine ersten Einsatzminuten bekommt.

Aber es überwiegt nach gestern die Freude, dass Schönheit und Effektivität zurück im BVB-Spiel sind. Und die Vorfreude auf einen Pokalfight im stimmungsvollen Frankfurt in einem Abendspiel ist riesengroß.

Die Mannschaft: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Bender (65. Kehl), Sahin – Aubameyang (77. Hofmann), Mkhitaryan, Reus (65. Großkreutz) – Lewandowski. Gelbe Karten: Friedrich, Sokratis. Tore: Lewandowski (2), Mkhitaryan (2), Friedrich

Ein Gedanke zu “Zurück zur Schönheit

  1. […] 7. Borussia Dortmund: Stefan Schinken (DerWesten) blickt auf Manuel Friedrich, der dem BVB einfach was zurück geben wollte. Gegen Werder machte er sein bestes Spiel in gelb-schwarz. Der Burnster könnte Friedrich gar stundenlang in Interviews zuhören. Zurück zur Schönheit jubiliert Nick (Anygivenweekend). […]

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