Pokal, scharf gewürzt

Er mag der älteste Pokalwettbewerb der Welt sein, doch über die Bedeutung des englischen FA-Cups wird wie bei seinen Pendants in anderen Ländern diskutiert. Derzeit dürfte der DFB-Pokal hierzulande national einen höheren Stellenwert haben als der FA-Cup im Mutterland des Fußballs – zumindest in den ersten Runden. In jedem Fall gehen die Meinungen in England deutlich auseinander, bei Fans und Vereinsverantwortlichen.

Die großen Vereine, die womöglich noch international unterwegs sind, aber auch abstiegsgefährdete Klubs tendieren dazu, den Pokal als deutlich zweitrangig zu betrachten. Andererseits ist der Wettbewerb besonders attraktiv für Vereine in ruhigen Tabellengefilden, die lange keine Trophäe mehr gewonnen haben. Im Vergleich mit Deutschland nicht zu vergessen: In England wird auch noch der League Cup über mehrere Runden ausgespielt und bei uns droht das Titelrennen in der Liga immer mehr zu veröden, so dass der Pokal vergleichsweise spannend erscheint.

Doch die Magie des FA-Cups ist keineswegs verschwunden. Zum einen kann man das Gesagte insofern positiv sehen, dass die, sagen wir, lockere Herangehensweise mancher höherklassiger Vereine an den Wettbewerb die Chancen auf einen ‚Cupset‘ – den Sieg eines Davids – erhöht. Und darüber hinaus bietet der Cup immer die Möglichkeit prickelnder Duelle, die sonst aufgrund der Ligazugehörigkeit der Kontrahenten nicht möglich sind.

Die vorgestern erfolgte Auslosung des Viertelfinales hat es dabei besonders in sich, auch wenn aufgrund der Wetterkapriolen noch nicht alle Achtelfinal-Begegnungen ausgetragen werden konnten. Dem FC Arsenal gelang im eigenen Stadion die Revanche für die deftige Premier League-Niederlage in der Woche zuvor beim FC Liverpool. Damit verhinderten die Gunners ein Duell der Stadtrivalen zwischen den Reds und dem FC Everton. Nun muss Roberto Martinez‘ Team im Emirates Stadium antreten, aber auch das dürfte eine packende Begegnung zweier spielstarker Mannschaften werden.

Manchester City kann sich im eigenen Stadion für das 2013 verlorene Finale gegen den späteren Absteiger Wigan Athletic rächen. Die Latics stehen derzeit in der Championship auf dem neunten Rang, haben allerdings ein bis zwei Spiele weniger als die Konkurrenz um einen Play-Off-Platz. Inzwischen werden sie vom ehemaligen City-Spieler und späteren Brentford-Trainer Uwe Rösler gecoacht.

Ganz heiß könnte es in einem der Geburtsorte unseres Lieblingssports werden: Drittligist Sheffield United bezwang am Wochenende Zweitligist Nottingham Forest und trifft im Viertelfinale auf den großen Lokalrivalen Sheffield Wednesday, sollten die ‚Owls‘ im Championship-Duell Charlton Athletic ausschalten. Ein Steel City-Derby im Pokal-Viertelfinale – für traditionsbewusste Liebhaber des englischen Fußballs wohl das Topspiel der Runde.

Die verbleibende vierte Partie ist nach dem Unentschieden zwischen Zweitligist Brighton & Hove Albion und Premier League-Neuling Hull City gestern Abend noch offen. Das Wiederholungsspiel findet wie die Begegnung Sheffield Wednesday gegen Charlton am kommenden Montag statt. Würde Brighton dieses für sich entscheiden, erhielte die folgende Partie im heimischen Amex Stadium gegen den AFC Sunderland ihre Brisanz durch eine Personalie. Albion entließ letztes Jahr Trainer Gus Poyet aus nicht wirklich kommunizierten Gründen – im Hintergrund stand der Vorwurf, nicht mehr auf den Verein fokussiert zu sein. Poyet ist mittlerweile Trainer in Sunderland, hat die Black Cats ins League Cup-Finale geführt und ihnen wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt gegeben.

Doch auch wenn sich Erstligist Hull zu Hause gegen Brighton durchsetzen sollte, würde es brisant: Der Trainer der ‚Tigers‘ ist Steve Bruce, der vor nicht allzu langer Zeit wiederum in Sunderland tätig war und dem Verein nach seiner Entlassung vorwarf, ihn wegen seiner Affinität für den Lokalrivalen Newcastle ungerecht behandelt zu haben. Der FA-Cup 2014 – ein emotionaler Schnellkochtopf.

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