Sommer, Sonne, Sonntagsspiel

1. Bundesliga, 24. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 1

Es war ja schon sehr heiß im Breisgau. Gefühlt sollen es immerhin 20 Grad gewesen sein und relativ gesehen ist das doch ziemlich viel. Oder gibt es noch andere Gründe, dass das Spiel der Borussia eine ganze Zeit lang frappierend dem Auftritt in Hamburg ähnelte? Das Ergebnis sah zum Glück anders aus.

Die Parallelen zum desaströsen Auftritt an der Elbe waren jedoch erstaunlich, zumindest für jemanden, der die beiden folgenden Spiele gesehen hat. Eine Viertelstunde bis 20 Minuten sah es kontrolliert und ordentlich aus, was die Gäste im Dreisamstadion auf den Platz brachten. Doch dann häuften sich die Fehlpässe, der Spielaufbau wurde immer bruchstückhafter, das Freiburger Pressing zeigte Wirkung. Und man konnte nur froh sein, dass die Innenverteidigung und auch Kapitän Kehl sich davon zumindest in ihrer Defensivarbeit nicht beeindrucken ließen.

Die Problemfelder ähnelten auch personell dem Hamburg-Spiel: Über die Außen kamen generell zu wenig Impulse. Und speziell Marcel Schmelzer und Pierre-Emerick Aubameyang knüpften phasenweise an ihre damalige Leistung an: Schmelle nach vorne zwar etwas besser, aber bei den wenigen gelungenen Freiburger Spielzügen oft schlecht positioniert und zu weit weg von den Gegnern. Und ‚Auba‘ muss schlicht hart an seinem Passspiel arbeiten. Was Jürgen Klopp vor laufenden Kameras dem ausgewechselten Nuri Sahin zu sagen hatte, wollte er den Medienvertretern verständlicherweise nicht sagen. Doch mit dessen Leistung kann er nicht ganz zufrieden gewesen sein.

Was war im Süden anders als im Norden? Nun, Marco Reus und Robert Lewandowski standen heute gar nicht zur Verfügung. Dennoch bekam die Borussia das Spiel schließlich in den Griff. Was natürlich maßgeblich mit Sebastian Kehls Sonntagsschuss gegen seinen Ex-Klub zu tun hatte. Das ist übrigens gar nicht abwertend gemeint, denn der Schuss war technisch gut gemacht. Trotzdem sah Torwart Baumann vier Meter vor dem Tor etwas gestrandet aus – die Position war nachvollziehbar, aber hätte er nicht wenigstens noch ein, zwei Schritte zurück machen können?

Für den BVB war das Tor natürlich ein Segen. Der Sportclub war zuvor schon selten gefährlich und danach wurde sein Spiel unstrukturierter, die Überzeugung schien zu schwinden. Bezeichnend war allerdings, wie die Schwarz-Gelben zwei Riesenchancen kurz vor Schluss vergaben. Zunächst fehlte Aubameyang das Auge für besser postierte Mitspieler. Als er dann schließlich abgab, kam einer seiner eher in den eigenen Reihen gefürchteten Pässe heraus – dass Hofmann aus dem Hintergrund noch über das Tor schießen konnte, war glücklich. Noch ärgerlicher war Mkhitaryans Alleingang wenig später, der links und rechts mitgelaufene Kollegen übersah und an Baumann scheiterte.

Letztlich kann die Borussia mit einem solchen Sonntagssieg natürlich besser leben als Christian Streich mit null Punkten im Abstiegskampf. Dessen Schiedsrichterkritik im Anschluss sollte man ihm nachsehen. Peter Gagelmanns Entscheidung, Sokratis in der 43. Minute nur Gelb zu zeigen, war allerdings absolut richtig, denn bei der Entfernung des gefoulten Zulechner zum Ball kann man kaum von einer vereitelten Großchance sprechen. Der BVB muss allerdings künftig auch bei schönem Wetter wieder sein schönes Gesicht zeigen, denn die Gegner werden nicht leichter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl, Sahin (63. Kirch) – Aubameyang, Mkhitaryan (90. +2 Friedrich), Großkreutz – Schieber (74. Hofmann). Gelbe Karten: Mkhitaryan (gesperrt), Sokratis. Tor: Kehl

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