Gladbach ist Borussenmeister

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 Mönchengladbach 2

Die zweite Niederlage im zweiten Borussen-Duell war weniger schmerzhaft als die Erkenntnis, dass die Schwarz-Gelben in der Liga derzeit keine Konstanz in ihre Leistungen bringen können und nicht auf der Höhe sind, sobald mehr als zwei Schlüsselspieler ausfallen. Die Gladbacher, seit Wochen alles andere als in Topform, praktizierten ansehnliches Pressing, waren zielstrebiger und in den entscheidenden Szenen passsicherer – das reichte gestern zum Auswärtssieg in Dortmund, obwohl die Gäste inklusive Nachspielzeit 25 Minuten in Unterzahl spielten.

Es ist naturgemäß zweifelhaft, den Trainer zu kritisieren, wenn man nicht täglich das Training beobachten kann. Dennoch: Die Entscheidung Jürgen Klopps, Jonas Hofmann auf der ’10‘ aufzubieten, ist schwer verständlich. Der Junge kam bisher meistens von der Bank auf der rechten Außenbahn zum Einsatz. Was ihn eher als den zentral erfahreneren Jojic für die Position befähigt haben soll, müsste man Klopp mal fragen. Der Torschütze des Dortmunder Anschlusstreffers wirkte nach seiner Einwechslung jedenfalls deutlich zielstrebiger.

Insgesamt fehlte unserer Borussia jedoch die Kreativität der Herren Reus, Mkhitaryan und Gündogan. Die Partie war auch mal wieder ein Beweis dafür, dass es keinen Grund gibt, über die noch nicht verkündete, aber von den Medien immer mal wieder als sicher vermeldete endgültige Rückkehr von Nuri Sahin in Riesenjubel auszubrechen.

Und wo wir schon bei Einzelkritik sind: Marcel Schmelzer ist ein guter Typ, aber die Nibelungentreue, mit der Klopp an ihm festhält, ist leistungsmäßig einfach nicht gerechtfertigt. Vergleicht man ihn etwa mit Bayerns Alaba, der ja nun keiner von den teuren Transfers des Rekordmeisters war, hat er deutlich an Boden verloren. Schmelle hat immer mal wieder richtig starke Spiele zwischendrin, aber deutlich öfter sieht es so aus wie gestern: Auf der Außenbahn kann der Linksverteidiger sich offensiv gegen präsente Gegenspieler selten durchsetzen; ein herausgeholter Freistoß oder Eckball ist das Höchste der Gefühle. Viel öfter sieht man Quer- und Rückpässe. Defensiv stehen starke Abwehraktionen neben verbesserungswürdigem Positionsspiel.

Bis zu Gladbachs Führung war das Spiel der Gäste zwar gefälliger, aber nicht unbedingt gefährlicher. Gelegenheiten von Herrmann standen das tolle Solo von Hummels und der Lattenkracher von Aubameyang gegenüber. Es war aber schon bezeichnend, dass sich Mats derart häufig ins Offensivspiel einschaltete. Dann kam der Doppelschlag der Gäste innerhalb von neun Minuten. Während der erste Treffer einer Mischung aus gutem Zusammenspiel zwischen Raffael und Herrmann sowie einer Portion Glück beim Abschluss entsprang, muss sich die Dortmunder Defensive beim 0:2 ernsthafte Fragen gefallen lassen. Herrmann, Arango und Kruse überwanden die schwarz-gelben Gegenspieler zu einfach – und Torwart Weidenfeller hätte nicht so früh aus seinem Kasten kommen müssen, da sich bereits Piszczek Kruse entgegenstellte.

Der BVB wurde in der zweiten Hälfte besser, energischer, aber nicht effektiv genug. Chancen waren da, Ter Stegen hielt stark, aber spätestens in Überzahl (Nordtveit sah Gelb-Rot) hätte man noch mehr erwartet. Wenige Minuten vor Schluss bugsierte Duksch den Ball ins Netz und man kann darüber diskutieren, ob man die vorhergehende Aktion von Lewa an Ter Stegen hätte abpfeifen müssen, wie es Schiedsrichter Aytekin tat. Ebenfalls diskussionswürdig war, dass es nahezu keine ‚Nach-Nachspielzeit‘ gab, obwohl der Ball in den vier Zusatzminuten nur selten rollte.

Ausreden für eine Heimniederlage gegen Gladbach in dieser Phase braucht man jedoch keine suchen. Jürgen Klopp hatte nicht seinen besten Tag gestern, nicht nur, weil er kurz vor Schluss mal wieder auf die Trbüne verwiesen wurde. Ob auch die Luft ein wenig raus ist, so lange Platz 2 sicher erscheint, muss Spekulation bleiben.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (66. Duksch), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl (63. Jojic), Sahin – Aubameyang (82. Schieber), Hofmann, Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karte: Lewandowski. Tor: Jojic

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