Robbened

DFB-Pokal, Finale / BVB 0 Bayern München 2 (n.V.)

Bayern-Trainer Pep Guardiola hat sich für das Endspiel im Olympiastadion etwas einfallen lassen. Boateng, Martinez und Dante agierten als Dreierkette und sorgten so für ein Übergewicht des Meisters im Mittelfeld. Bei der Borussia sah es dagegen eher nach einem 4-3-3 aus, mit Großkreutz, Sahin und Jojic im Zentrum. Das Bayern-System funktionierte besser – der BVB kam vor allem in der ersten Hälfte zu selten in Strafraumnähe und behalf sich zu häufig mit ziellosen langen Bällen. Insgesamt hatte der späte Sieger mehr Chancen zu verbuchen und einen Arjen Robben, der erneut in einem entscheidenden Spiel den Unterschied ausmachte.

Das kann und sollte man alles deutlich sagen. Aber: Wie nicht zuletzt der FC Bayern der letzten Wochen weiß, kann ein Fußballspiel durch ein Tor eine Wendung nehmen. Und Borussia Dortmund wurde gestern in der 65. Minute ein reguläres Tor durch Mats Hummels geklaut. Es war deutlichst zu sehen, dass Dantes Rettungsaktion hinter der Linie erfolgte – komisch, dass das nach offiziellen DFB-Angaben nicht mal dem Assistenten von Florian Meyer auffiel.

Die Diskussion über die Torlinientechnik ist in den Sonntagszeitungen oder im Sport1-Doppelpass bereits wieder eröffnet worden. Tatsache ist, dass die DFL-Klubs diese kürzlich mehrheitlich abgelehnt haben, vor allem aus finanziellen Gründen. Für die korrekte Bewertung der gestrigen Situation hätte allerdings schon ein Torrichter gereicht – der deutlich billiger wäre. Ich war bisher gegenüber der Torlinientechnik neutral und gegenüber dem Videobeweis ablehnend eingestellt. An letzterem wird sich nichts ändern – Fehler gehören bei allen Beteiligten dazu und eklatante Eingriffe ins Spiel sollte man vermeiden. Doch für die Frage „Tor oder nicht“ muss es möglich sein, eine Lösung zu finden. Man könnte einen Fonds schaffen, der zur Finanzierung der Technik dient und in den die großen Vereine mehr als die kleinen einzahlen. Oder man könnte schlicht auf zusätzliche menschliche Augen hinter dem Tor setzen – auch wenn der fünfte und sechste Offizielle die meiste Zeit beschäftigungslos wären.

Zurück zum Spiel. Es war kein ansehnliches Finale und auch die Bayern spielten sich keinesfalls eine Gelegenheit nach der anderen heraus. Bis zu den Treffern in der Nachspielzeit konnten die schwarz-gelbe Innenverteidigung mit Hummels und Sokratis sowie Roman Weidenfeller voll überzeugen. Woran lagen jedoch die argen Probleme des BVB im Spielaufbau? Natürlich an der Qualität der Bayern, aber vielleicht auch daran, dass die Kombination Jojic / Sahin doch nicht so gut funktionierte wie erhofft. Vor allem Sahin hat wirklich nicht seine beste Saison für die Borussia gespielt, auch wenn Milos Jojic gestern genauso unglücklich agierte. Ein wenig Konjunktiv gefällig? Hätte ein Einsatz Oliver Kirchs von Beginn an nicht mehr bewirken können?

Oder wie steht es mit Eric Durm? Ich habe schon öfter gesagt, dass ich unsere linke Seite gelinde gesagt nicht für unsere größte Stärke halte. Natürlich, Schmelle und vor allem Großkreutz haben in dieser Saison auch wieder einige gute Partien gezeigt, aber für die absoluten Topspiele würde ich mir Alternativen wünschen. Schmelzer trug wieder extrem wenig zum Offensivspiel bei und der linke Flügel wurde von den Schwarz-Gelben kaum genutzt. Gegen das massierte Mittelfeld der Bayern wäre es wichtig gewesen, flexibel mit allen möglichen Optionen zu operieren. Dass ausgerechnet Kevin und Schmelle bei den beiden Gegentoren nicht so gut aussahen, will ich ihnen hier gar nicht noch zusätzlich ankreiden.

Die Saison des BVB geht also erneut mit einer Enttäuschung zuende. Natürlich gilt der Satz, dass man gegen die Bayern immer verlieren kann und entgegen vieler Einschätzungen vor der Partie nie Favorit ist. Trotzdem: Die Chance war da und in der Phase nach der Lahm-Auswechslung hätte man sich etwa gewünscht, dass die schwarz-gelben Jungs die temporäre Verunsicherung des FCB besser ausnützen, zumal auch Ribery sehr lange brauchte, um in die Partie zu finden. Über eines kann es allerdings dennoch kaum zwei Meinungen geben: Die Borussia hat angesichts einer zeitweise schwierigen Personallage wieder eine gute Saison gespielt und wurde im Pokalfinale benachteiligt. Alles weitere bis hin zu den Perspektiven wird in den nächsten Tagen und Wochen auch hier diskutiert werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic (83. Aubameyang), Sahin, Großkreutz (110. Hofmann) – Mkhtiaryan (60. Kirch), Reus. Lewandowski.

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