Wenn Fußball doch Mathematik ist

Es ist eines der Zitate aus der Fußball-Bundesliga, die in Zitatsammlungen auftauchen. „Fußball ist keine Mathematik“, hielt Karl-Heinz Rummenigge 2007 Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld vor, als dieser in der Europa League mit seinem Team nur ein 2:2 gegen die Bolton Wanderers erreichte. Viele, die dem FC Bayern nicht so nahe stehen, werden sich mit Dankbarkeit an die Gäste aus der nahe Manchester gelegenen Stadt erinnern.

In den sechseinhalb Jahren seither hat der englische Verein mit dem Spitznamen „Trotters“ viel durchgemacht und eine weit weniger geradlinige Geschichte aufzuweisen als der damalige Gegner. Nachdem Bolton Anfang dieses Jahrzehnts unter Trainer Owen Coyle noch mal für Furore in der Premier League gesorgt und eine Zeit lang oben mitgespielt hatte, kamen sie in der Folgesaison aufgrund eines dramatischen Zwischenfalls in die internationalen Schlagzeilen: Fabrice Muamba erlitt auf dem Spielfeld einen Herzstillstand, der über eine Stunde anhielt. Dennoch überlebte der heute 26-jährige Mittelfeldspieler, beendete daraufhin allerdings seine Karriere. Was die Medien außerhalb Englands verständlicherweise viel weniger kommunizierten: Am Ende der Saison stiegen die Wanderers ab.

Inzwischen hat der Klub die zweite Saison in der Championship hinter sich. In der ersten Spielzeit, in der Coyle schon im Oktober gefeuert und durch Dougie Freedman ersetzt wurde, scheiterte man letztlich nur knapp an den Play-Offs. 2013/14 beendete Bolton allerdings nur als 14., zeitweise schwebten die Trotters sogar in Abstiegsgefahr. Neben dem Geschehen auf dem Rasen stimmten aber auch die Zahlen in den Büchern nicht. Nicht nur die Mathematik lehrt uns, dass ein vorsteuerlicher Verlust von über 62 Millionen Euro in der ersten Saison nach dem Abstieg und ein Schuldenstand von über 200 Millionen einem Zweitligisten nicht gut tun. Der größte Teil davon wird Klubbesitzer und Unternehmer Eddie Davies geschuldet, der sicher kein Interesse an einer Insolvenz hat. Dennoch werden sich die Wanderers und Dougie Freedman in der dritten Saison außerhalb der Premier League schon wegen der Financial Fair Play-Regeln arg beschränken und die Gehaltskosten drücken müssen.

Viele Fans werfen Davies und dem Vorstandschef Phil Gartside vor, in den entscheidenden Momenten keinen konsequenten Weg gegangen zu sein. Weder sei 2012/13 in der Championship mit Hilfe der Ausgleichszahlungen, die es nach einem Abstieg aus der höchsten Spielklasse gibt, ausreichend investiert, noch konsequent auf den Nachwuchs gesetzt worden. Ob die Kritik angesichts der zuletzt immer noch höchsten Gehaltskosten der Liga voll verfängt, kann bezweifelt werden, doch klar ist: Etwas ist schief gelaufen und muss nun korrigiert werden.

Trainer Freedman bekennt sich zum Sparkurs der Trotters und hat in den letzten Wochen konsequent jene Spieler verpflichtet, die der Verein bereits ausgeliehen und mit denen er gute Erfahrungen gemacht hatte. Liam Feeney, Liam Trotter und Neil Danns hatten allesamt auslaufende Verträge bei ihren eigentlichen Vereinen und konnten somit nach ihrer Leihe ablösefrei nach Bolton wechseln. Ebenso sieht es mit dem jungen Andy Robinson vom Premier League-Klub Southampton aus, der während seiner Leihperiode in Bolton allerdings nicht zu Einsätzen in der Liga kam und sich in der Saisonvorbereitung sicher noch etwas aufdrängen muss. Schließlich holte Freedman mit dem französischen Abwehrspieler Dorian Dervite von Charlton Athletic noch einen ablösefreien Spieler, den er zuvor nur von den Aufeinandertreffen in der Liga kannte.

Zügig gehandelt hat der Trainer – der wie die meisten seiner Kollegen in England bei Transfers viel mehr zu sagen hat als die Übungsleiter hierzulande. Bleibt nur noch die Suche nach einem Stürmer. Und auch in dieser Frage richtet sich der Blick der Fans und mutmaßlich auch des Klubs auf Akteure, die in der abgelaufenen Saison schon das Trikot der Wanderers trugen. Im Gespräch ist zum einen Lukas Jutkiewicz, liebevoll „The Juke“ genannt, der bei Middlesbrough unter Vertrag ist und zuletzt in Bolton ein entscheidender Faktor beim Klassenerhalt war. Das Blog „Voice of Bolton“ kolportiert eine mögliche Ablöseforderung von gut 1,2 Millionen Euro. Außerdem wäre da noch Joe Mason vom Premier League-Absteiger Cardiff City, der nach den schon von deren Trainer Ole Gunnar Solskjaer getätigten Verpflichtungen für die Offensive überzählig sein könnte. Doch angesichts des gigantischen Schuldenstandes könnte schon eine niedrige Millionensumme zu viel für die Trotters sein – womit wir zumindest außerhalb des Platzes wieder beim Rechnen wären.

Ein Gedanke zu “Wenn Fußball doch Mathematik ist

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s