Ein Stadion mit vier Seiten

Wer sich die gravierenden Unterschiede hinsichtlich des Potenzials (nicht nur) im englischen Profifußball vergegenwärtigen möchte, kann sich den ‚Topklub‘ der 103.000-Einwohner-Stadt Oldham genauer anschauen. Dessen Fans freuen sich auf die neue Saison, weil ihr Stadion Boundary Park im Lauf der Spielzeit nach mehreren Jahren endlich wieder vier Tribünen haben wird. Der neue, derzeit in Bau befindliche North Stand wird die Kapazität der Heimstätte von Oldham Athletic um rund 2600 auf gut 13.000 Plätze erhöhen. Dazu kommen VIP- und andere Räumlichkeiten sowie ein fesches, modernes Aussehen. Über den Baufortgang können sich die Anhänger der ‚Latics‘ auf der Vereins-Homepage auf einer eigenen Unterseite informieren.

Für Außenstehende erschließt sich die Notwendigkeit der neuen Nordtribüne nicht unmittelbar: Der Zuschauerschnitt des Drittligisten schwankt zwischen 3000 und 5000. Die Lage des Klubs (Grundlegendes dazu an anderer Stelle) in unmittelbarer Nähe zu Manchester macht es nicht leicht, außerhalb der höchsten Spielklasse neue Fans zu gewinnen. Doch den Faktor, endlich wieder ein vollständiges Stadion zu haben – nachdem zwischenzeitlich ein Neubau außerhalb der Stadt zur Diskussion stand – sollte man nicht unterschätzen. Den Fans gibt der Anblick nach langen Jahren von Niedergang und später Stagnation wieder Selbstbewusstsein zurück.

Spielerisch war schon die vergangene Saison ein Fortschritt für die Latics – obwohl sie ’nur‘ auf Platz 15 endete. Doch für einen Verein, dessen Leistungsträger sich selten auf langfristige Verträge einlassen und der daher im Grunde jede zweite Saison einen Neuaufbau starten muss, ist die Leistung unter dem 33 Jahre jungen Trainer Lee Johnson dennoch beachtlich. Oldham spielt erfrischenden offensiven Fußball und will dies auch in der kommenden Spielzeit beibehalten.

Wieder muss Johnson drei wichtige Spieler ersetzen, die es zu scheinbar ambitionierteren oder besser zahlenden Klubs gezogen hat – unter ihnen der von den Fans gewählte ‚Player of the Season‘, Mittelfeldmotor James Wesolowski. Mit dem jungen Linksverteidiger Joseph Mills vom Neu-Erstligisten Burnley, dem erfahrenen Rechtsverteidiger Brian Wilson (Colchester United) und Mittelfeldmann Mike Jones (Crawley Town) hat er die Abgänge bereits halbwegs kompensiert – nun arbeitet Johnson an der Stärkung der Offensive. Dabei setzt er auch auf die eigene Jugendarbeit: Der 18-jährige Stürmer Jordan Bove hat wie Torwart Joel Coleman seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Ein weiteres positives Zeichen – auch wenn er sicher zu Beginn nicht im Zentrum von Johnsons Überlegungen stehen dürfte.

Jung, sympathisch und verhältnismäßig mittellos – vielleicht können die Latics mit dieser Mischung im hoffentlich bald fertigen Stadion für eine Überraschung sorgen. Allgemein wird die League One ohne die Wolves im Schafspelz – die wieder aufgestiegenen Wolverhampton Wanderers, die schon bald wieder Premier League spielen könnten – und ohne Top-Absteiger als ausgeglichener angesehen. Ob es aber gleich für einen Platz in den Play-Offs reicht?

2 Gedanken zu “Ein Stadion mit vier Seiten

  1. Ich habe mir den Stadionbesuch dort für meinen nächsten England-Aufenthalt fest vorgenommen, wenn die vierte Tribüne fertig ist. Wäre schön, wenn dieser Weg, den die Latics einschlagen, auch mal funktionieren würde.

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