Schiebers Abgang: Kein Grund für Spott

Stürmer Julian Schieber verabschiedet sich wie erwartet vom BVB, mit freundlichen Worten und „im Guten“. Der 25-jährige „Bulle von Backnang“ wechselt mit sofortiger Wirkung zu Hertha BSC und unterschreibt dort einen Vierjahresvertrag. Die Ablösesumme soll 2,5 Millionen Euro plus Zuschläge betragen. Sie könnte somit auf über drei Millionen steigen, wird aber weit von den 5,5 entfernt sein, die die Schwarz-Gelben einst an den VfB zahlten.

Ob die vergangenen zwei Jahre in Dortmund für Julian Schieber verschenkt waren, lässt sich nicht so einfach sagen. Sicher hätte er gerne häufiger gespielt, doch andererseits wird er wahrscheinlich nie mehr aktiv an einem Champions League-Finale teilnehmen. Es gibt sicher schlimmere Lose, als diese beiden Jahre Ergänzungsspieler bei der Borussia gewesen zu sein. Und so klingen die freundlichen Abschiedsworte von allen Beteiligten halbwegs glaubwürdig – auch wenn allen klar war, dass der Verein nach den Verpflichtungen von Immobile und Ramos nicht mehr ernsthaft mit Julian plante.

Wie ist das Engagement des Schwaben aus Vereins- und Fansicht zu beurteilen? Felix Meininghaus schreibt für den „Tagesspiegel“ von „Schmähgesängen“ der BVB-Fans zur Melodie eines Mallorca-Hits. Das hört sich extremer an als es vielleicht von den Interpreten gemeint war. Und eigentlich gibt es auch keinen Grund zum Nachtreten. Nicht nur, weil sich Julian Schieber immer anständig verhalten hat. Die Bilanz des Stürmers hört sich zwar zunächst bescheiden an: in 57 Spielen sechs Tore und vier Vorlagen. Doch Schieber war eine absolute Teilzeitkraft: Seine durchschnittliche Einsatzdauer pro absolvierter Partie betrug nur gut 23 Minuten. Er hat nie die Chance bekommen, sich über einen längeren Zeitraum zu beweisen.

Jürgen Klopp wird seine Gründe dafür gehabt haben. Der beste ist vermutlich: Er hatte genügend Alternativen. Wenn Schieber spielte, hatte er immer mal wieder unglücklich aussehende Torabschlüsse. Aber wer im Team hatte die nicht? Und der „Bulle“ brachte mit seiner Physis eine Qualität ein, die zwar im Klopp’schen System nicht zu den Primärtugenden zählt, aber den Kader doch etwas vielseitiger machte. Spielerische Ansätze waren bei Julian ebenfalls gelegentlich zu sehen. Ob sie wegen der geringen Einsatzzeit verkümmerten oder er tatsächlich mit dem hohen Niveau der Mannschaft nicht mithalten konnte, wird nicht mehr zu klären sein. Seine Zukunft in Berlin wird uns höchstens Hinweise darauf geben.

Danke für alles und viel Glück in Berlin, Julian! Bis bald im Olympiastadion!

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