BVB vermasselt Rehabilitation

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Hamburger SV 1

Da muss man nicht drum herumreden: Das war nichts als eine Enttäuschung, vielleicht die größte 2014. Denn trotz allem, was wir in dieser Bundesliga-Saison bereits erlebt haben, war dieses 0:1 nicht zu erwarten. Nicht gegen diesen HSV, eine Truppe von Tretern, Schauspielern, Nicolai Müller und Johan Djourou.

Begeben wir uns also auf die Suche nach der Lösung des Rätsels, wie dieses Heimspiel verloren gehen konnte. Am Anfang steht wie immer die Aufstellung. Jürgen Klopp setzte im Gegensatz zur Champions League auf Durm rechts hinten, Hummels in der Innenverteidigung und Adrian Ramos im Sturm. Diese Entscheidungen sind nachvollziehbar und doch darf man auch an ihnen zweifeln. Der Prämisse „Safety first“ haben sie jedenfalls nicht gedient.

Mats Hummels ist eigentlich ein Klasse-Verteidiger und braucht Spielpraxis. Bei ihm sprach gegen den HSV sicher am wenigsten gegen einen Platz in der Startelf. Lukasz Piszczek vor den Länderspielen eine Pause zu gönnen, war verständlich, aber im nachhinein angesichts seiner vergleichsweise guten Form doch fragwürdig. Erik Durm konnte am Samstag leider keine ähnlichen offensiven Akzente setzen. Adrian Ramos war am Mittwoch Doppel-Torschütze, davor jedoch Fehlpasser im Derby. Letztere Rolle erfüllte er auch vorgestern wieder und war eindeutig der Auslöser des Gegentors, selbst wenn sich dann noch Hummels und Sokratis täuschen ließen. Im Sinne eines risikoärmeren Spiels hätte Ciro Immobile beginnen sollen.

Doch wenn auch der Rest der Mannschaft viel zu oft auf planlos ins Mittelfeld oder hoch nach vorne geschlagene Bälle zurückgreift, können diese zwei Personalien nicht so ausschlaggebend gewesen sein. Stattdessen landen wir dann bei der fehlenden Kreativität. Das Problem wurde dadurch verstärkt, dass Kevin Großkreutz und Pierre-Emerick Aubameyang zwar wie immer ihre Kilometer liefen, aber gänzlich ideen- und glücklos blieben. Da reicht ein Shinji Kagawa allein eben nicht, der in der ersten Hälfte und gegen Ende noch ein paar brauchbare Szenen hatte.

Es ist einfach enorm unglücklich, dass gerade in der Kreativabteilung bis auf Shinji alle Hochkaräter fehlen. Zwar waren selbst ohne sie die Chancen da, doch Ramos und Immobile vergaben, weil sie zu sehr als Stürmer dachten und zu egoistisch abschlossen. Die Verletzungsmisere setzt sich unterdessen fort: Marcel Schmelzer hatte sich schon während des Spiels nach einem von ihm begangenen Foul an die Hand gefasst und war nach der Pause mit einer Manschette erschienen. Am Sonntag folgten die Diagnose Mittelhandbruch und eine Operation. Schmelle wird rund vier Wochen ausfallen und somit auch nach der Länderspielpause noch ein oder zwei Spiele fehlen. Ich wiederhole mich, aber über die Außenverteidiger-Positionen sollte sich die Borussia Gedanken machen.

Gegen einen mit wenigen Ausnahmen beschränkt wirkenden Tabellenletzten zu Hause zu verlieren ist schon ein Tiefpunkt. Die Situation erscheint vor allem deswegen nicht so düster, weil jetzt Pause ist. Natürlich könnten sich aus den Länderspielen und auch dem Training neue Hiobsbotschaften ergeben. Aber zumindest sind Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan, Ilkay Gündogan und Kuba nicht bei ihren Nationalteams. Und außerdem zeigte sich die bekanntlich nicht immer in allen Punkten einige Südtribüne am Samstag nach dem Schlusspfiff beeindruckend geschlossen bei der Aufmunterung der Mannschaft. Also warten wir mal die obligatorischen zehn Spieltage ab, bis wir ganz eventuell doch das K-Wort in den Mund nehmen!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Durm (68. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Bender (46. Jojic), Kehl – Aubameyang, Kagawa, Großkreutz (78. Immobile) – Ramos. Gelbe Karten: Sokratis, Jojic

4 Gedanken zu “BVB vermasselt Rehabilitation

  1. Sicherlich ein enttäuschendes Spiel aber mit ein bißchen Abstand sehe ich die Sache doch noch ziemlich gelassen. Klar ist es schade das die Meisterschaft schon so früh entschieden ist, aber zum zweiten Platz sind es gerade mal sechs Punkte. Glaubt man einigen Medien sollte sich der BVB besser mit dem Abstieg beschäftigen.
    Die Chancen stehen ganz gut das wir gegen Köln eine andere Borussia erleben werden. Obwohl es noch einige Rückschläge in Form von Punkteverlusten bis zur Winterpause geben wird. Man wird sehen wie weit Reus, Gündogan und Micki schon sind aber Wunderdinge sollte man besser nicht erwarten.. Freu mich auch auf Kuba.. die rechte Seite war immer unsere Stärke, über links geht ja bekanntermaßen immer wenig..:-)

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  2. Es ist immer schön, auch mal die andere Seite zu lesen. Wenn man sich über die eigene Mannschaft besonders freut oder besonders ärgert, kommen die anderen ja oft mal zu kurz. Dass in dem verlinkten Artikel aber die fünf Minuten Nachspielzeit kritisiert werden … nun ja … ;-)

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  3. […] Die Lehre aus der Vergangenheit – unter anderem ein peinliches 1:4 , bei dem Liam und ich live im Stadion gewesen sind – hat das gezeigt. Und in dieser Hinsicht sollte mich die Borussia – Ironie-Modus an! – nicht enttäuschen: 0:1 vor eigenem Publikum hieß es nach neunzig Minuten und die Ratlosigkeit wurde größer und größer – man könnte auch sagen: der BVB vermasselt die Rehabilitation. […]

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