Der seltsame Fall des zweiten Gesichts

Champions League, 3. Spieltag / Galatasaray 0 BVB 4

Borussia Dortmund cruiset durch die Champions League und ist bereits so gut wie qualifiziert fürs Achtelfinale. Der bemerkenswerte und weitgehend unerklärliche Kontrast zur Situation in der Bundesliga setzt sich fort. In der Königsklasse ist der BVB neben dem aus Russland gesponserten AS Monaco der einzige Klub ohne Gegentor nach der Hälfte der Gruppenphase. Allerdings hat das Team aus dem Fürstentum selbst erst ein einziges Tor erzielt – die Schwarz-Gelben dagegen neun.

Ich habe nicht die Absicht, die Diskrepanz zur nationalen Liga erklären zu wollen. Es wäre weitgehend spekulativ; ich würde wie alle anderen im Nebel stochern. Immerhin war zu erkennen, was der BVB gegenüber der erneuten Pleite in Köln verändern wollte: Die defensive Stabilität stand im Vordergrund. Sokratis als Linksverteidiger, Kehl und Bender im defensiven Mittelfeld, Aubameyang als einziger gelernter Stürmer in der Startelf – Jürgen Klopp wusste, worauf es ankam.

Dass bereits nach gut sechs Minuten die Führung fiel, spielte der Borussia wie gegen Anderlecht in die Karten. Man hatte es in Istanbul mit einem Gegner zu tun, der sicher nicht in den späteren Runden des Wettbewerbs auftauchen wird. Jürgen Klopps Team machte aber auch einiges richtig: Gegen Galatasaray reichte ein einfaches, direktes Spiel aus, um zum Erfolg zu kommen. Da wurden auch mal Bälle einfach nach vorne oder ins Seitenaus geschlagen, wenn es opportun erschien. Das große Plus des BVB war das Positionsspiel in der Defensive: Im Gegensatz zu den Gastgebern ließ man sich da nur einige wenige Male kalt erwischen.

Auch vorne reichten verhältnismäßig einfache Mittel. Eingeleitet durch die sehr gut aufgelegten Henrikh Mkhitaryan und später Ilkay Gündogan knackten die Schwarz-Gelben zweimal über außen die Gala-Abwehr. Ein Pass von Reus und eine Flanke von Piszczek konnte Aubameyang zentral verwerten. Marco Reus zeigte sich auf internationaler Bühne wieder prächtig aufgelegt und schoss dann mal eben so aus knapp 25 Meter ein Traumtor zum 3:0. Typisch auch das spätere 4:0: Ganz kurz nach seiner Einwechslung zeigte Adrian Ramos wieder sein CL-Gesicht und traf nach Gündogans Pass. Bis auf eine Phase von gut zehn Minuten nach Wiederanpfiff wirkte Galatasaray aber auch nie so, als ob sie wirklich ernsthaft ins Spiel zurückfinden könnten. Dementsprechend leer wurde es gegen Ende im Stadion.

Hiobsbotschaften für Schwarz-Gelb gab es dennoch: Sven Bender musste mit einer Armverletzung ausgetauscht werden, auch Shinji Kagawa verließ nach 82 Minuten humpelnd den Platz. Pierre-Emerick Aubameyang schien zwischendurch auf der Kippe zu stehen, beendete das Spiel aber ohne sichtbare Probleme. Die Personallage wird also auch vor der nächsten Wendemöglichkeit in der Bundesliga gegen Hannover wieder Thema sein. Trotz allem kann, wer dieses Spiel gesehen hat nicht glauben, dass ein Sieg gegen die 96er in weiter Ferne liegt. Muss ja mal klappen jetzt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (69. Gündogan), Sokratis – Bender (55. Ginter), Kehl – Mkhitaryan, Kagawa (82. Ramos), Reus – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2), Reus, Ramos

Ein Gedanke zu “Der seltsame Fall des zweiten Gesichts

  1. […] Am dritten Spieltag der Champions League zeigte der BVB in Istanbul erneut sein zweites Gesicht nach drei Niederlagen in der Liga in Serie. In einer packenden Begegnung ließen zweimal Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Adrian Ramos den Türken keine Chance (siehe auch: Der seltsame Fall des zweiten Gesichts). […]

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s