Punkteteilung in der Filiale Ostwestfalen

1. Bundesliga, 12. Spieltag / SC Paderborn 2 BVB 2

Ein äußerst bescheidenes Wochenende hat die Hoffnungen auf einen schwarz-gelben Aufschwung gedämpft. Ein unnötiger Punktverlust beim Aufsteiger Paderborn wurde vom langfristigen Ausfall von Marco Reus negativ getoppt. Nach dem Foul von Marvin Bakalorz, einem aus einer Reihe von Ex-Borussen im Kader der Ostwestfalen, musste der BVB-Star vom Platz und fällt mit einem Außenbandriss bis zur Winterpause aus.

Die Partie selber hatte die Borussia lange im Griff und hätte sie trotz deutlichem Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit nie verlieren dürfen. Denn die Gastgeber, denen man allen Respekt dafür zollen muss, wie sie sich in der Bundesliga behaupten, hatten bis auf ihre beiden Treffer kaum nennenswerte Chancen. Die erste Hälfte des BVB war sogar souverän; nur der große Druck der Schwarz-Gelben ließ nach einem Fehlpass von Marco Reus, in dessen Folge Roman Weidenfeller allein gegen Koc klären musste, etwas nach.

Das ‚Problem‘ der Borussia: Ohne Marco Reus lief nicht viel zusammen. Klar, das erste Tor ging vor allem auf Erik Durms und Aubameyangs Konto, doch verlor die Paderborner Verteidigung Letzteren auch sträflich aus den Augen. Den zweiten Treffer erzielte bekanntlich Reus selbst. Und nach seiner Verletzung gab es eigentlich nur noch zwei gute Szenen der Schwarz-Gelben. Mehr Sorgen muss man sich natürlich machen, wenn man auf die Spiele gegen Mannschaften wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Hertha BSC blickt. Denn Henrikh Mkhitaryan spielte zwar auffällig, aber vor allem auffällig unglücklich. Und Shinji Kagawa agierte in der ersten Hälfte so unauffällig, dass man ihn überhaupt nicht auf dem Platz wähnte, wenn man ein paar Minuten nach Anpfiff gekommen war.

Wo soll also demnächst die Kreativität herkommen? Hoffnung macht die ansteigende Form bei Ilkay Gündogan und das anhaltende Formhoch bei Pierre-Emerick Aubameyang. Doch zu Shinji und womöglich ‚Miki‘ könnten wir Alternativen in Form von Kuba Blaszczykowski oder Nuri Sahin gebrauchen – bleibt abzuwarten, ob die beiden nach ihren langen Pausen schon halbwegs effektiv eingreifen können. Ansonsten müsste Jürgen Klopp über einen erneuten Versuch mit einem 4-4-2-System nachdenken. Dass Ciro Immobile und Adrian Ramos nun beide auf der Bank sitzen – am Samstag meiner Meinung nach zu lange – kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Diese Thematik wird den Verein länger beschäftigen als die gestern ebenfalls nicht optimale Leistung der Viererkette.Kommen wir unvermeidlicherweise zum Thema Wolfgang Stark. Um ehrlich zu sein: Der FIFA-Schiedsrichter hat uns schon schlimmer verpfiffen. Trotzdem habe ich mich schon vor der Partie gefragt, was der Gedankengang dahinter war, ihn wieder beim BVB anzusetzen. Gibt es nicht genügend deutsche Referees, die in Frage kommen? Mir fällt kein anderer ein, der in Dortmund ähnlich unten durch wäre.

Es war gar nicht das Foul gegen Reus, das mein Hauptaufreger war. Das ist eine typische Medien-Diskussion, die mMn Ursache und Wirkung unzulässig vermischt. Klar, wenn man Marcos Knöchel vergrößert und Bakalorz in Zeitlupe reinrutschen lässt, sieht das sehr heftig aus. Aber in Realzeit war es eine missglückte Grätsche von der Seite, bei der einfach Pech im Spiel war. Gelb war die richtige Entscheidung. Nicht erklärbar war für mich das nicht gegebene 3:1 durch Großkreutz. Der im Abseits stehende Jojic greift erkennbar nicht ins Spiel ein. Der Fehler von Stark und seinem Team wird noch dadurch verstärkt, dass im letzten Viertel der Partie grundlos Stürmerfouls gegen Dortmund gepfiffen wurden und drei Minuten Nachspielzeit schon allein durch die Reus-Verletzung nötig waren, alle anderen Verzögerungen also ausgeblendet wurden.

Das Thema Stark dürfte jetzt aber wieder für einige Jahre durch sein. Wichtiger ist, ob der BVB nach den erneuten Rückschlägen wieder aufstehen kann. Der Rückstand auf die CL-Plätze hat sich nicht vergrößert, doch der Glaube an einen derart langen Aufschwung schwindet angesichts der jüngsten Hiobsbotschaft.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Ginter, Durm – Gündogan, Kehl – Mkhitaryan (87. Ramos), Kagawa (58. Großkreutz), Reus (67. Jojic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Aubameyang. Tore: Aubameyang, Reus

2 Gedanken zu “Punkteteilung in der Filiale Ostwestfalen

  1. Zum Thema Stark :

    ich vermute mal Fandel hat ihn nach 2 Jahren wieder gegen den BVB angesetzt in der Hoffnung das mittlerweile Gras über die Sache gewachsen ist. Wahrscheinlich hatte Fandel auch die Hoffnung das in diesem Spiel mal alles ohne Aufreger abläuft und sich somit das Verhältnis zwischen dem BVB und Stark ein wenig entspannt. Nun ja, gegenteiliges ist wohl der Fall.
    Zum Foul muss ich sagen, in Zeitlupe glatt rot für mich (er geht mit gestrecktem Bein und Sohle nach oben in den Gegner), in Echtzeit jedoch schwer zu erkennen und somit sicherlich eine grenzwertige Entscheidung.
    Der dickste Bock war für mich die passive Abseitsentscheidung von Jojic als aktiv zu erkennen. Hätte da nicht der Linienschiri per Headset mit Stark kommunizieren können!?
    Und über die fehlenden Minuten die eigentlich nachgespielt werden müssten reg ich mich schon gar nicht mehr auf, denn dies zieht mMn kein Schiri der Bundesliga kontinuierlich durch.

    Im Endeffekt ist die Mannschaft aber wieder mal selbst schuld, nicht Stark. In einer HZ zwei Tore von einem Aufsteiger zu bekommen passt zur Zeit ins Bild der Borussia. Bei dem kleinsten Gegenwind fällt die Mannschaft in sich zusammen und wirkt stark verunsichert. Jetzt fällt auch noch der beste Mann aus.
    Zeit für die Herren Mikhytarian und co. zu zeigen das sie nicht zu Unrecht geholt wurden.
    Auch wenn ich mich noch nicht komplett an der verfehlten Transferpolitik beteiligen will, sollte vor allem Micki endlich mal sein Potential abrufen, nach einem Jahr Eingewöhnungszeit.

    Ich schätze Ramos und Immobile werden sich noch ein wenig gedulden müssen, solange das „Tief“ noch nicht durchgestanden ist. So wie ich Klopp kenne wird er vermutlich wieder in der alten Formation spielen lassen mit einer Spitze (Auba) und Manni und Kehl auf der Sechs. Ob Kuba, Kirch und Nuri in den nächsten Wochen schon helfen können wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich zieht sich die Misere noch mindestens bis zur Winterpause.
    Sehr ärgerlich auch der Punkteverlust, da alle anderen an diesem WE ja für den BVB gespielt haben.

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  2. Vor dem Spiel habe ich auch gedacht: Ok, warum keine Versöhnung mit Stark nach zwei Jahren. Aber andererseits: Warum sollte dieser bayerische Schiedsrichter mit dieser Vorgeschichte noch mal den BVB pfeifen? Es gibt doch keinen Mangel an Alternativen. Wie gesagt, jetzt dürfte sich das erledigt haben.

    Die zwei Gegentore waren natürlich blöd. Das erste war ganz gut gespielt von Paderborn, wäre aber letztlich durch Ginter oder Subotic doch noch zu verhindern gewesen. Letztlich wurden wir wieder doppelt bestraft: Durch die Fehlentscheidung von Stark und die eigenen Unzulänglichkeiten. Das ist dann auch doppelt bitter.

    Bei der Aufstellung sehe ich jetzt schon die Möglichkeit oder sogar Notwendigkeit, mal wieder etwas auszuprobieren. Nicht gegen Arsenal, aber gegen die Eintracht. Das Problem liegt ja gerade auch im offensiven Mittelfeld. Vielleicht wirkt Reus‘ Verletzung sogar irgendwie befreiend auf Miki oder Shinji – eher glaube ich aber, dass Klopp jetzt die Chance nutzen sollte, umzustellen und auch Shinji eine Pause zu gönnen. Da kommt einfach derzeit kaum etwas, das seine Aufstellung rechtfertigt. Vielleicht könnte auch Ilkay weiter nach vorne rücken, so dass Kehl und Bender tatsächlich beide auf der ‚6‘ spielen.
    Viele Möglichkeiten eigentlich für Kloppo, nur dass er wenig Zeit hat, sie auszuprobieren, bevor es ernst wird.

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