Der kalte Hauch des Fußballs

1. Bundesliga, 15. Spieltag / Hertha BSC 1 BVB 0

Spieler in der Kurve

 

Es war kalt am Samstagnachmittag im Berliner Olympiastadion und selbst der empfehlenswerte Fruchtpunsch half da nicht viel weiter. Es lag weniger an den Temperaturen, die schon in so manchem Bundesligaspiel locker unterboten wurden. Unterkühlt war vor allem der Auftritt der schwarz-gelben Feldspieler. Ideenlos und uninspiriert. Mag auch die Metapher stumpf sein, der Auftritt des BVB war noch viel stumpfer.

Hertha BSC musste nicht mehr tun, als im Zentrum entschlossen in die Zweikämpfe zu gehen und die Fehler der Borussen auszunutzen. Ohne sonst viel anzubieten kamen die Gastgeber mit zwei, drei gut getimeten Pässen gefährlich vors Dortmunder Tor. Einmal landete der Ball am Seitennetz, einmal klärte Mitch Langerak stark mit dem Bein, einmal traf Julian Schieber. Genau der, genau wie es abzusehen war. Und den entscheidenden Ballverlust leistete sich ausgerechnet der kurz zuvor für den verletzten Mkhitaryan eingewechselte Kuba, dem man wahrlich ein schöneres Liga-Comeback gewünscht hätte. Im Anschluss geht allerdings noch Hummels‘ Grätsche ebenso daneben wie Kehls Abwehrversuch; der Ex-Kapitän landet am Ende sogar auf dem Hosenboden.

Viel schlimmer waren aber die fehlenden Ideen. Eklatant in Hälfte 1, danach war es so viel besser, dass es zu zwei gelungenen Angriffen reichte. Ansonsten war das Tor von Thomas Kraft allenfalls bei Distanzschüssen (Immobile, Gündogan) und Standards gefährdet. Dreimal musste der Hertha-Keeper entscheidend eingreifen – viel zu wenig für das schwarz-gelbe Team, das zu Anfang der 90 Minuten auf dem Platz stand. Wer nun sogar froh ist, dass der glücklose Mkhitaryan mit einem Muskelbündelriss bis ins neue Jahr ausfällt, der verkennt den Ernst im offensiven Mittelfeld. Ich bin da bei Jürgen Klopp, der wiederholt und trotz allem die Wichtigkeit von ‚Miki‘ unterstrichen hat. Bei allem Festdribbeln und allen verzogenen Abschlüssen wird der BVB seine Nummer 10 vermissen, denn Henrikh ist einer, der auch mal Räume für andere geöffnet und wenigstens hin und wieder eine gefährliche Szene eingeleitet hat. Wer soll ihn ersetzen? Shinji oder Nuri in der derzeitigen Form? Niemals! Und Ilkay Gündogan muss nach hoffnungsvollen Ansätzen zuletzt die Partie in Berlin als Rückschritt verbuchen.

Das Spiel des BVB war gestern ausrechenbar, da hilft aller Ballbesitz nichts. In den Szenen, in denen das Momentum auf Seite der Schwarz-Gelben war und man die massive und engagierte Deckung der Herthaner hätte überwinden können, kamen die öffnenden Pässe nicht oder zum falschen Zeitpunkt. Bei aller Ratlosigkeit über die Gewichtung der Ursachen für das aktuelle Desaster, die beim Medienkonsum gerade besonders schwer zu ertragen ist, kann man mMn eines festhalten: Die Borussia ist zu ausrechenbar geworden. Über die Flügel wird derzeit kaum Gefahr erzeugt. Schmelzer kann das ohnehin nur sehr bedingt, Durm und Piszczek waren zuletzt ebenfalls nicht konstant genug. Die Mittelfeldspieler, die die Außenbahnen bearbeiten, brauchen dabei Unterstützung speziell von den Außenverteidigern. Dort könnte man anfangen, wenn man über Fehler in der Transferpolitik reden will.

Doch diese Analyse muss bei den Offiziellen so lange im Hintergrund betrieben werden, bis die Hinserie vorbei ist. Für die letzten zwei Spiele macht allenfalls Hoffnung, dass zu Hause das Selbstvertrauen größer sein dürfte – dass der Gegner am Mittwoch Wolfsburg heißt, tut da gar nicht so viel zur Sache. Und am Samstag in Bremen geht es dann im Abstiegskampf gegen einen Konkurrenten, der derzeit mindestens genauso angeschlagen ist wie die Borussia. Die Fans bleiben ebenfalls an Bord – mal sehen, wie das die Spieler bald halten. Nach Abpfiff gab es ein, zwei Pfiffe und dann wieder den Schulterschluss und Vertrauensbeweis aus der Kurve: „Nur der BVB …“

 

4 Gedanken zu “Der kalte Hauch des Fußballs

  1. Hab das Spiel auch live vor Ort gesehen und war sehr überrascht von der Ideenlosigkeitkeit der Dortmunder. Diesmal greift auch die Entschuldigung nicht das es allein an der Chancenverwertung liegt. Kann mich an kaum ein Spiel erinnern in dem wir so wenige Schüsse aufs Tor brachten wie diesmal. Klar Ciro’s Kopfball hätte wenigstens aufs Tor kommen müssen, mit ein wenig Glück wäre evtl ein Punkt drin gewesen, doch selbst das wäre mMn viel zu wenig gewesen.

    Daumen hoch für die Reaktion der Fans, hätte mit deutlich mehr Pfiffen gerechnet. Dennoch kann man der Mannschaft den Willen zwar nicht absprechen, sie kann es momentan einfach nicht besser.

    Bin gespannt auf deine Einschätzung der Transferpolitik.

    Gefällt mir

  2. Ich beantworte das mal hier, weil ich in dem Beitrag ja schon Andeutungen gemacht habe. Im Idealfall sollten Transfers ja keine reinen Notmaßnahmen sein, sondern auch mittel- und langfristig Sinn machen. Deshalb würde ich am ehesten überlegen, jemand für die Außenpositionen zu holen, der hinten sicher steht, aber eben auch offensiv gegenüber den jetzigen Optionen mehr bietet. Einen offensiven Außenverteidiger à la Dede eben. Solche Spieler dürften gerade im Winter schwer zu finden sein, deswegen müsste man wohl etwas mehr Geld in die Hand nehmen und sollte nur handeln, wenn es eine echte Verstärkung wäre.

    Angesichts dessen würde ich für das Mittelfeld niemand holen und im Sturm nur, wenn es finanziell absolut im Rahmen bleibt. Reus und Miki werden nach der Winterpause hoffentlich wieder zur Verfügung stehen, ebenso wie Kuba, ein klassischer Flügelspieler, das sollte reichen.

    Mein vorläufiges Fazit zur Transferpolitik des vergangenen Sommers: Über Immobile und Ramos kann man angesichts der wahren Problemzonen noch nicht den Stab brechen. Rückholaktionen habe ich schon immer kritisch gesehen, wenn die Spieler in ihren Vereinen nicht zurechtkamen (–> Shinji, Nuri). Doch eine echte Fehleinschätzung kann ich nur beim nicht erkannten Bedarf auf den Außenverteidiger-Positionen erkennen.

    Gefällt mir

  3. Ich kann mir kaum vorstellen das der BVB in der Winterpause nochmal aktiv wird.
    Wenn ich allerdings daran denke das viele wichtige und kreative Spieler die Vorbereitung verpassen (Auba beim Afrika Cup / Kagawa beim Asien Cup / Micki verletzt), ist es evtl. doch nötig, auch im Hinblick auf die neue Saison. Schätze aber das es aufgrund der jetzigen Situation kaum möglich ist Spieler für den BVB zu begeistern.
    Auch wenn ich noch kein abschließendes Urteil fällen will, muss ich stand heute leider feststellen das die Neuzugänge sich mit dem Spiel auf engem Raum sehr schwer tun. In ihren früheren Mannschaften war das Spiel komplett auf Konter bzw. auf sie selbst zugeschnitten. Man wird sehen ob sie diesen Qualitätssprung noch vollziehen können.
    Ein Schieber blüht auch nur in Berlin auf weil er jetzt eben mehr Platz hat als beim BVB. Vielleicht wurde hier ein Fehler in der Transferpolitik getan indem man sich einfach auf typische Umschaltspieler konzentrierte. Man hat jetzt 30mio. für 2 Stürmer ausgegeben die Stand heute nicht funktionieren, da man absichtlich auf die große Lösung verzichtet hat, um das Gehaltsgefüge nicht zu sprengen bzw. nicht bereit war tiefer in die Tasche zu greifen. Stattdessen ist man jetzt (scheinbar zu spät und ohne Erfolg) bereit bis an die Grenzen zu gehen und einem Reus ein jährliches Gehalt im hohen einstelligen Bereich zu zahlen. Soviel zum einheitlichen Gehaltsgefüge.
    Nun wird man aller Vorraussicht nach im nächsten Jahr nicht international spielen und es fehlen mio. Einnahmen aus der CL.
    Da frag ich mich war es das nun wert? Ähnlich aufregen könnte ich mich über das lasche Vorgehen in Transferverhandlungen, (ohne natürlich Einzelheiten zu kennen) Beispiel Einjahresvertrag für Gündogan, Ausstiegsklausel bei Reus die nur knapp höher ist als die Ablöse die man zahlte.

    Gefällt mir

  4. Also auch wenn Klopp in der jüngsten PK sich eher defensiv zu dem Thema äußerte, klang schon durch, dass über Transfers zumindest nachgedacht wird – umso mehr, wenn vielleicht der eine oder andere auch geht (Ji?). Und dann sind ja auch die von dir erwähnten Turniere. Dass jetzt gar niemand mehr zu uns kommen will aufgrund der Situation glaube ich nicht – immerhin spielen wir noch Champions League.

    Was du über die Stürmer schreibst, ist sicher nicht falsch. Aber ich glaube, manchmal liegt das Problem noch einen Schritt davor, bevor überhaupt die Chance besteht, die beiden ins Spiel zu bringen. Beide haben sicherlich auch noch nicht genügend Spielzeit für ein echtes Zwischenzeugnis. Es wäre aber dennoch eine Überlegung wert gewesen, einen echten Kracher und einen talentierten Nachwuchsmann zu holen – Auba ist ja sowieso da.

    Das mit der Ausstiegsklausel ist nervig, vor allem, weil eine solche ja schon damals eigentlich verpönt war. Erstaunlich finde ich aber, wie Rummenigges Behauptung mit den 25 Millionen sich verselbständigt hat und praktisch überall als wahr verbreitet wird, obwohl das meines Wissens noch von niemand offiziell bestätigt wurde.

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s