Was nicht passt (und hoffentlich passend gemacht wird)

1. Bundesliga, 17. Spieltag / Werder Bremen 2 BVB 1

Borussia Dortmund hat es geschafft und beendet die Hinserie 2014/15 auf einem Abstiegsplatz. Nicht einmal gegen die notorisch wacklige Bremer Abwehr gelang den Schwarz-Gelben mehr als ein Standard-Tor. Nicht einmal gegen das Team, in dem der neue Trainer Viktor Skripnik mutigerweise auf viel Jugend setzt, war der BVB die abgeklärtere Mannschaft. Alle guten Vorsätze waren nach drei Minuten Makulatur, als die Abseitsfalle nicht zuschnappte und der junge Selke die Bremer Führung erzielte. Gruselig war die erste Halbzeit, die folgte. Noch schlimmer als in Berlin. Dass die Borussia nicht 90 Minuten so spielen würde, war klar. Aber es traf nur Mats Hummels nach einer Ecke, der zuvor äußerst fahrig gewirkt und das 0:2 mitverursacht hatte.

Der dilettantische Auftritt beim ehemals Tabellenletzten schließt eine Halbserie ab, die sich so kein BVB-Freund oder -Feind vorgestellt hätte. Ich selbst habe durchaus damit gerechnet, dass die Schwarz-Gelben mal wieder ein echtes Tal würden durchschreiten müssen – aber natürlich nicht, dass es so schnell kommt und so tief ist. Wir brauchen uns gar nicht weiter mit dem Bremen-Spiel aufhalten. Alles was dazu gesagt werden könnte, ist auch allgemein für diese erste Saisonhälfte gültig. Vieles dazu wurde schon gesagt, manches verdient zu diesem Zeitpunkt dennoch eine Wiederholung.

Zunächst mal ist unbestreitbar, dass der Borussia das Verletzungspech arg zugesetzt hat. Und wir müssen eben nicht nur von den Spielern reden, die an den Spieltagen tatsächlich verletzt waren, sondern auch von denen, die die nötige Praxis aufgrund früherer Verletzungen noch nicht haben konnten. Was wiederum Auswirkungen auf das Mannschaftsspiel haben musste. Stellen wir uns einmal folgende Startelf vor:

Langerfeller
Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm
Bender, Gündogan
Mkhitaryan, Reus, Aubameyang
Immobile

Hätte diese Mannschaft den Großteil der Hinserie so zusammengespielt, stünde der Verein dann da, wo er jetzt steht?

Natürlich muss ein Klub wie Borussia Dortmund aber Vorsorge für den Nicht-Idealfall tragen. Wieviel welcher Verantwortliche dafür kann, ist eine interessante, aber schwer zu klärende Frage. Zuallererst stehen, so banal es sein mag, die Spieler auf dem Platz. Schauen wir uns also die einzelnen Mannschaftsteile an; mit einem Auge darauf, was Klopp, Zorc & Co ggf. hätten verändern können. Das Tor war sicher keine Kernproblemzone. Roman Weidenfeller hat nicht an frühere Bestform angeknüpft und verkrampfte nach zwei, drei Patzern schließlich parallel zum Rest des Teams etwas. Mitch Langerak hat gegen Wolfsburg einmal zu spät reagiert, konnte aber sonst – wie meist auch Roman – wenig für die Ergebnisse.

In der Innenverteidigung war Jürgen Klopp leider zu häufigem Umstellen gezwungen. Der solide, manchmal sogar glänzende Sokratis fehlte zuletzt. Mats Hummels fehlte nach der WM und auch später nochmal. An die Top-Leistungen von Brasilien hat er leider nicht anknüpfen können. Trotzdem wäre mit den bisher Genannten mehr zu holen gewesen als mit Neven Subotic, der sichtlich noch nicht bei 100 Prozent seines Leistungsvermögens angelangt ist, und Matthias Ginter. Beim Ex-Freiburger kann man tatsächlich diskutieren, ob ihm nicht doch ein Jahr mehr im Breisgau besser getan hätte.

Doch wenn zentral ein Tor fällt, haben häufig auch die Außenverteidiger gepennt. Und hier sehe ich, wie regelmäßige Leser vielleicht schon ahnen, Versäumnisse der sportlichen Führung. Außenverteidiger mit Offensivqualitäten sind unabdingbar, um das eigene Angriffsspiel variabler zu machen, wenn man – aus welchen Gründen auch immer – zentral nicht durchkommt. Hier müssten die Verantwortlichen irgendwann mal zur Einsicht gelangen, dass Marcel Schmelzer in dieser Hinsicht absolut limitiert ist und im Verbund mit dem derzeit formschwachen Großkreutz für eine weitgehend ungefährliche linke Seite sorgt. Hier müsste entweder Erik Durm konsequent gefördert oder Abhilfe geschaffen werden. Auf rechts wiederum ist Lukasz Piszczek zwar ordentlich in die Saison gestartet, hat aber inzwischen stark nachgelassen. Auf beiden Seiten wäre eine Alternative also nicht verkehrt.

Im Mittelfeld haben Bender und Kehl, solange sie fit waren in etwa das gespielt, was man von ihnen erwarten kann. Ihnen die Verantwortung für fehlende Kreativität nach vorne zu geben, wäre nicht fair. Ilkay Gündogan ist gerade erst wieder zurück und zeigt hier und da schon gute Ansätze – bei ihm bleibt die Hoffnung auf die Rückserie. Hinter Nuri Sahin und Shinji Kagawa muss man ähnliche Fragezeichen setzen. Beiden haben die Wechsel zu Real respektive Man United nicht gut getan, beide sind schwächer zurückgekommen, beide können der Borussia derzeit nicht weiterhelfen. Hier hätte Verantwortlichen und Fans eventuell etwas weniger Sentimentalität gut getan. Wie sehr Marco Reus geholfen hätte, braucht man nicht zu diskutieren. Bei ‚Miki‘ haben wir das Potenzial ebenso gesehen wie viel Pech und falsche Entscheidungen. Trotzdem ist ohne Retro-Brille deutlich sichtbar, dass er näher am Durchbruch ist als Shinji und in der Rückserie noch wertvoll sein könnte. Kommt dann noch Kuba wieder in Fahrt, ist das Mittelfeld stark besetzt und nicht der Bereich, an dem man herumdoktern müsste.

Im Sturm hat Aubameyang gezeigt, dass er außer im Passspiel eine echte Verstärkung ist. Immobile und Ramos sind die, die noch etwas zu beweisen haben. Sie als Fehleinkäufe abzustempeln, ist verfrüht, wie Ciro im Wolfsburg-Spiel unterstrichen hat. Bleibt die Frage, ob man den viel gesuchten „echten Kracher“ hätte holen und dafür auf die beiden verzichten können. Oder ob es auf dem gleichen Preisniveau Alternativen gegeben hätte. Eine Hauptschuld für die Misere tragen die Stürmer, die wir haben, jedenfalls nicht.

Verstärkungen im Januar sind dann gut, wenn sie mit Augenmaß und Verstand für die eigentlichen Baustellen geholt werden (können). Der Markt ist im Winter bekanntlich schwierig. Jetzt an Jürgen Klopp zu rütteln, wäre extrem kurzsichtig – selbst wenn es Fehler bei Aufstellung und Kaderzusammenstellung gegeben haben mag. Wenn jetzt selbst schon die ersten BVB-Fans das Nervenflattern kriegen, dann mögen sie ihre Ungeduld doch zu einem anderen Verein tragen. Konsequenzen wird diese Saison ohnehin haben, da brauchen wir über den langjährigen Vater des Erfolgs jetzt nicht zu diskutieren.

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