Fußball-Geschichten von Freud und Leid

Weihnachten – Zeit der Besinnung und des Innehaltens. Und beinahe Gewissheit, dass man während der Feiertage nicht von Breaking News zum Lieblingsverein überrascht wird. Traditionell bietet sich daher die Gelegenheit für einen Blick nach England, wo das Fußball-Geschehen zwischen Weihnachten und Neujahr besonders geschäftig ist.

Im Nordosten des Landes haben die als besonders begeisterungsfähig geltenden Fans des Premier League-Klubs AFC Sunderland eine bemerkenswerte erste Saisonhälfte fast hinter sich. An der Tabelle lassen sich die Hochs und Tiefs, durch die die ‚Black Cats‘ gegangen sind, allerdings nicht ablesen. Dort steht ein unspektakulärer 14. Platz, immerhin vier Punkte vor den Abstiegsrängen. Insgeheim hatten sich die Anhänger vielleicht mehr von der ersten Saison, die mit Gus Poyet als Cheftrainer begann, versprochen. Doch die Tabellenregion sind sie gewöhnt. Poyet, früherer uruguayanischer Nationalspieler, war in England zuvor schon bei Brighton & Hove Albion erfolgreich als Trainer tätig – allerdings nicht in der Premier League.

In Sunderland hat er im Herbst 2013 das Erbe des berüchtigten Paolo di Canio angetreten, der nicht nur verbrannte Erde, sondern auch einen zusammengewürfelten Kader hinterließ. Der Italiener hat allerdings immer bestritten, für den allein verantwortlich gewesen zu sein und inzwischen wurde auch ein neuer Sportdirektor installiert. Poyet begreift sich seither nur als Head Coach – auch um Druck auf den Verein und seinen amerikanischen Besitzer Ellis Short zu machen. In der kommenden Transferphase möchte der ehrgeizige Cheftrainer personell nachlegen dürfen.

Die Black Cats haben in der Liga zwar nur vier Niederlagen, aber auch erst drei Siege zu Buche stehen. Sie sind bisher mit Abstand Meister des Unentschiedens. Was Poyet jedoch noch mehr zu schaffen macht: Sunderland hat in 17 Spielen bisher nur 15-mal getroffen. Stürmer Steven Fletcher, eigentlich ein guter Schütze, war lange verletzt. Dem jungen Kollegen Connor Wickham, der vor Kurzem einen neuen Vertrag unterzeichnet hat, wird viel zugetraut – noch fehlt ihm aber die Konstanz. Ganz zu schweigen vom US-Amerikaner Jozy Altidore, den wir noch von der WM kennen: Er macht vor allem durch spektakuläre Fehlversuche von sich reden.

Die Abwehr hat Poyet in dieser Saison stabilisiert. Eigentlich. Denn in der Ergebnisliste ist auch ein Negativrekord zu finden: Das 0:8 in Southampton stellt die höchste Niederlage in der Vereinsgeschichte dar (das gleiche Resultat gab es zuvor dreimal; gegründet wurde der AFC Sunderland 1879). Das Desaster bei den erst 2013 in die Premier League aufgestiegenen Südengländern hatte Folgen: Die mitgereisten Fans wurden von den Spielern anschließend finanziell entschädigt. Längerfristige Folgen hatte die Partie zum Glück nicht, obwohl die Black Cats vor dem vergangenen Wochenende wieder eine Serie von sechs sieglosen Spielen hinlegten.

Und dann kam das Tyne-Wear-Derby. Das Aufeinandertreffen mit Newcastle United gehört zu den heißesten Duellen im englischen Fußball. Die letzten drei Partien zwischen den Nachbarn aus dem Nordosten konnte allesamt Sunderland für sich entscheiden – doch die ‚Magpies‘ waren bedeutend besser in die Spielzeit gestartet. Was folgte war mit Sicherheit der bisherige Saisonhöhepunkt für die Black Cats-Fans. Denn was wäre schöner, als ein spannendes Derby beim Erzrivalen, mit Chancen hüben wie drüben, durch einen tollen Treffer in der letzten Minute der regulären Spielzeit zu gewinnen. Flügelspieler Adam Johnson traf zum 1:0 – nicht zum ersten Mal war er gegen den Verein, bei dem er früher Balljunge gewesen war, erfolgreich. Die Aktion hatte er mit einem beherzten Dribbling aus der eigenen Hälfte heraus auch eingeleitet, bevor der Ball über Will Buckley zu ihm zurückkam.

Frohe Weihnachten sind es für die Fans in Sachen Fußball also allemal, doch morgen steht schon einer der traditionell beliebtesten Spieltage in England an. Für Sunderland geht es zu Hause gegen den Tabellen-19. Hull City, der vom inzwischen herzlich unbeliebten Ex-Trainer Steve Bruce angeleitet wird. Die Chancen gegen die derzeit extrem formschwachen ‚Tigers‘ könnten deutlich schlechter stehen – auch wenn der Gegner die Black Cats in der letzten Saison inklusive Pokal dreimal bezwang.

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