Übernahme im zweiten Anlauf

It’s all Thai’d up – so lautete im Sheffield Wednesday-Fanzine Owlsonline die Überschrift zu einer Nachricht, auf die Anhänger des englischen Zweitligisten lange gewartet hatten. Seit Dezember war klar, dass ein thailändisches Konsortium die kompletten Vereinsanteile von Vorbesitzer Milan Mandaric übernehmen wollte. Seither dürften sich dem Verein verbundene Journalisten und Blogger Gedanken über passende Wortspiele für den Vollzugsfall überlegt haben. Die oben zitierte Headline blieb nicht die einzige ihrer Art, als am Donnerstag die Bestätigung kam: Dejphon Chansiri, mit der Unternehmensgruppe Thai Union Frozen unter anderem der größte Thunfisch-Produzent der Welt, erwirbt die ‚Owls‘ zu 100 Prozent. Nur der Ligaverband muss noch zustimmen.

Für unsere deutschen Fußball-Ohren klingt das nach typisch englischem Fußball-Kapitalismus, der uns so hierzulande auch bald blühen könnte. Ein reicher Mäzen verkauft einen Traditionsverein von 1867 an einen noch reicheren Großunternehmer – und beide sind auch noch Ausländer. Doch wie immer lohnt es sich zu differenzieren. Milan Mandaric hat Wednesday vor gut vier Jahren nachweislich vor dem Konkurs gerettet und seither finanziell vernünftig geleitet. Sportlich gelang immerhin der Wiederaufstieg in die Championship. Mit Stuart Gray arbeitet inzwischen ein kompetenter, angenehmer Trainer in Hillsborough. Doch für den Angriff in Richtung Premier League war Mandaric wohl doch nicht reich genug; ganz abgesehen von den Financial Fair Play-Regeln, die zu beachten sind.

Der serbisch-amerikanische Geschäftsmann, dem die Owls-Fans durchaus abnehmen, dass ihm inzwischen etwas an ihrem Club liegt, suchte also nach einem Nachfolger, der dem Verein den nötigen Schub für den Aufstieg ins Oberhaus geben könnte. Vorigen Juni schien er fündig geworden zu sein: Der aserbaidschanische Geschäftsmann Hafiz Mammadov wurde als neuer Eigentümer vorgestellt, die aktuellen Trikots tragen Brustwerbung für dessen Herkunftsland. Doch durch nicht im Detail kommunizierte Umstände wurde die Übernahme erst verschoben und von Mandaric Anfang September schließlich für gescheitert erklärt. Ob finanzielle Gründe oder Zweifel des Fußballverbands an Mammadov den Ausschlag gaben, bleibt Spekulation.

Trotz der peinlichen Episode blieb Mandaric ruhig und suchte weiter. Mit Dejphon Chansiri hat er nun jemand gefunden, der durch seine Präsenz in Sheffield von Beginn an versucht, den Anhängern zu vermitteln, dass er es gut mit den Owls meint. Auch sein Sohn sei mit im Boot, versichert der neue Clubbesitzer:

My son Att, who was a mascot at the recent Blackpool game, is passionate about football and I know will be my inspiration in this project. I have made the same promise to him as I do our supporters, he will not let me forget this until we are back in the Premier League.

Ob man solch salbungsvollen Sätzen nach einem Transfer oder eben einer Vereinsübernahme Glauben schenkt, bleibt jedem selbst überlassen. Dunkle Flecken auf Chansiris Weste sind noch nicht aufgetaucht und eifrige Fans haben auch schon die Aktienkurse seines Konsortiums gecheckt. Ob bei seiner Akquisition geschäftliche Interessen oder die in Ostasien weit verbreitete Faszination für englischen Fußball im Vordergrund stehen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Mindestens bis zum erhofften Premier League-Aufstieg wird Sheffield Wednesday für Chansiri ein Zuschussgeschäft bleiben.

Sportlich stehen die Owls derzeit ordentlich da, nicht mehr. Als Tabellenneunter mit neun Punkten Rückstand auf die Play-Off-Plätze muss der Club aus South Yorkshire bei 19 verbleibenden Partien noch nicht alle Träume begraben. Die Hauptsorge ist die schlechte Heimbilanz und vor allem die Unfähigkeit, in Hillsborough Tore zu erzielen. In einer Auswärtstabelle wären die Owls zurzeit Dritter, daheim dagegen 21.

Mit Chansiris Hilfe wurde für den Sturm bereits der junge Will Keane von Manchester United ausgeliehen (neben Chelsea-Mittelfeldmann Lewis Baker). Bis Montag, 11 Uhr ist noch Zeit für weitere Verpflichtungen, die der Verein erklärtermaßen anstrebt. Trainer Gray und der neue Mann an der Spitze haben sich deswegen bereits ausgetauscht. Im Gespräch sind unter anderem der 22-jährige rumänische Angreifer Sergiu Bus (mehr Wortspiele könnten folgen) von ZSKA Sofia und Flügelspieler Matt Phillips vom Premier League-Vorletzten Queens Park Rangers. Dessen Vorsitzender denkt allerdings noch nicht daran, Phillips abzugeben.

Heute darf Wednesday zunächst mal auswärts fahren, nach Reading. Der Tabellen-18. hat zufällig auch thailändische Besitzer. Ob die Überschrift deshalb gleich „When two Thai’s go to war“ lauten muss?

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