Endstation im falschen Wettbewerb

Champions League, Achtelfinale / BVB 0 Juventus Turin 3

Borussia Dortmund ist raus aus der Champions League. Das ist angesichts des Ergebnisses bitter, aber insgesamt folgerichtig. Wer gedacht hatte, der unerklärliche Spagat zwischen Liga und Europa würde sich bis Berlin fortsetzen, hat wohl zu viel in die Sonne geschaut und die Finsternis nicht kommen sehen. Schaut man zurück auf die souveräne Gruppenphase des BVB, erkennt man, dass die Gegner entweder nicht die Qualität oder nicht den Gameplan für einen Sieg gegen die Schwarz-Gelben hatten. Im Viertelfinale ist nun auch Arsenal nicht vertreten.

Gegen Juventus war die Borussia nicht nur nicht clever, sondern auch nicht stark genug. Natürlich spielte der frühe Rückstand den Gästen im Westfalenstadion extrem in die Karten, doch wer danach so wenig Torgefahr erzeugt, hat das Viertelfinale natürlich nicht verdient. Juve zog im Anschluss eine beeindruckende Raumdeckung in der eigenen Hälfte auf und hatte insgesamt die besseren Chancen. Die Gäste waren effektiv und in entscheidenden Momenten zu spielstark für die Borussia – bei aller berechtigten Kritik an der Härte eines Arturo Vidal.

Man kann darüber diskutieren, ob die auf den ersten Blick konservativ-defensive Lösung mit Sokratis rechts hinten die richtige Entscheidung von Jürgen Klopp war. Man muss den Blick auf die schwachen Darbietungen der Schwarz-Gelben im Aufbauspiel richten. Ilkay Gündogan kam nicht annähernd an sein Potenzial heran. Tevez beim frühen 0:1 frei zum Schuss kommen zu lassen war ein Fehler an anderer Stelle.

Dass die Champions League für den BVB der Saison 2014/15 vorbei ist, braucht uns nicht übermäßig zu ärgern. Dieser Wettbewerb war spätestens nach der Winterpause nicht mehr der unsere. Die Borussia hätte noch etwas Geld verdienen können; gewonnen hätte sie die CL sicher nicht. Das deutliche 0:3 gegen Juve hat erneut gezeigt, dass sich das Triumvirat Klopp/Zorc/Watzke  zur nächsten Saison Gedanken machen muss. Dass wieder erst der 32-jährige Kirch kommen musste, um von hinten über außen Druck zu erzeugen, kann kein Dauerzustand bleiben. Hinter den Rückkehrern Kagawa und Sahin bleiben Fragezeichen stehen. Denn die  mediale Beförderung Nuris zum Schlüsselspieler war möglicherweise etwas verfrüht und Shinjis Hoch ist erst mal vorbei. Auch die Situation im Sturm bleibt unter Beobachtung.

Das Aus gegen Juve ist also schade, aber ok. In der Bundesliga und im Pokal hat der BVB noch Aufgaben zu erledigen, die ihm zuzutrauen sind.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Kirch) – Bender (64. Ramos), Gündogan – Kampl, Mkhitaryan (64. Blaszczykowski), Reus – Aubameyang. Gelbe Karte: Reus

6 Gedanken zu “Endstation im falschen Wettbewerb

  1. Erstmal Glückwunsch an Juve, absolut verdient weitergekommen. Gegen diese Mannschaft kann man sicherlich ausscheiden, aber die Art und Weise macht mir doch sehr zu schaffen.

    Das Interview von Stephan Lichtsteiner im ZDF hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können.. Er sagte im O-Ton:“ Lieber lassen wir sie flanken, anstatt die Mitte auf zu machen“.
    Wir haben soviele offensive Außenspieler wie Reus, Micki, Kampl, usw. die immer wieder in die Mitte ziehen. Außer Kuba geht keiner mal die Linie entlang. Von unseren AVs fang ich erst gar nicht mehr an.. Es reicht mittlerweile das Zentrum dicht zu machen und hinten tief zu stehen, dann hat man den BVB einigermaßen im Griff.

    Jetzt heißt es die nötige 40 Punkte Marke in der Liga zu knacken. Am Saisonende wird bekanntlich abgerechnet , bleibt nur abzuwarten welche Schlüsse daraus gezogen werden. Laut Zorc werden Hofmann und Leitner zurückkehren, laut Watzke wird es keinen großen Umbruch geben. Bleibt festzuhalten das wir auf dem Gipfel des Erfolges mit dem CL Finale 2013 einfach das viele Geld schlecht investiert haben und es uns nicht gelungen ist, eine Taktik zu finden die den gehobenen Ansprüchen gerecht wird.

    Jetzt sind wir zwar finanziell gesundet aber fussballerisch wieder da, wo wir mit Klopp angefangen haben. Der BVB wird in Zukunft wieder kleinere Brötchen backen.

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  2. Was mich in dieser Saison am meisten irritiert: Wie hilflos das Klopp-Team teilweise taktisch wirkt. Auch gegen Juve fand das Team wie schon gegen Köln keine Mittel, einen massiv stehenden Gegner zu knacken.
    Und da Juventus einige famose Einzelspieler aufweist, die wissen wo das Tor steht, endet so ein Spiel eben 3:0. Noch nie habe ich mir die Sommerpause so herbeigesehnt wie in dieser Spielzeit.

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  3. Schaue gerade Fußball und sehe einen Torwart in Top-Form, Mannschaftsteile, die zusammenarbeiten, sichere Ballstafetten zwischen den Spielzonen, variables Spiel über die Flügel und steil nach vorn, geordneten und schnellen Rückzug nach Ballverlust sowie eine klare und funktionierende Spielidee. Das Spiel? Wolfsburg gegen Inter, erste Halbzeit. Und mir wird klar, dass es sehr sehr lange dauern wird, bis ich so etwas wieder vom BVB sehen werde …

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  4. @Andy: Über die Gewichtung der Gründe für die bescheidene Saison wird sicher noch viel debattiert werden, bis in den fußballlosen Sommer hinein. Vom Lewandowski-Weggang über die schwarz-gelbe Transferpolitik, die WM-Auswirkungen, taktische Maßgaben, Aufstellung, Verletzungen, fehlende Fitness bis hin zu Psychologie und den individuellen Leistungen der Spieler. Man wird es wohl nicht auf ein oder zwei Dinge reduzieren können.
    Es hätte nicht so passieren sollen und müssen, aber beinahe alle Klubs haben früher oder später solche Rückschläge. Entscheidend sind die Lehren, die man draus zieht.

    @UK: Stimmt. Dass wir wenige Chancen gegen Juve kriegen würden, hat mich nicht mal irritiert – im Gegensatz zu den letzten Spielen. Am Mittwoch war es nur genau genommen gar keine zwingende.

    @Uwe: Da müsste man jetzt „sehr sehr lange“ definieren. Fußball hat doch schon lange die Eigenschaft, sehr schnelllebig zu sein. Ich möchte dir deswegen nur bis zum Saisonende teilweise zustimmen. Danach halte ich Besserung nicht für ausgeschlossen.

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