Eichin hat’s gewusst

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 0 Bayern München 1

Nach dem Samstagabend-Spiel dürfte Frust unter BVB-Fans das vorherrschende Gefühl sein. Ähnlich wie im Pokalfinale war es eine Partie der zwei Wahrheiten. Der FC Bayern hatte die Sache zumindest taktisch lange im Griff, doch die Borussia wurde vom Schiedsrichter erneut entscheidend benachteiligt.

Konzedieren muss man, dass Pep Guardiola es vor allem in der ersten Hälfte besser schaffte, sein dezimiertes Team effizient agieren zu lassen. Die Gäste waren zur Pause genau das eine Tor besser, das Robert Lewandowski nahezu allein zuzuschreiben ist. Er gewann im Mittelfeld den Zweikampf gegen den aufgerückten Hummels. Nachdem Weidenfeller aus dem Kasten geeilt war und gegen Müller pariert hatte, brauchte es aber jede Menge Bayern-Dusel, dass der Ball genau in Lewandowskis Richtung sprang, so dass dieser ins leere Tor köpfen konnte.

Guardiola für seine Aufstellung wieder als Taktikguru zu feiern, wie es der „Kicker“ ansatzweise tut, ist allerdings überzogen. Die Idee, dank einer Dreierkette hinten das Mittelfeld zu verdichten, ist gegen den flügellahmen BVB sowas von naheliegend, wenn man die personelle Qualität in der Innenverteidigung hat. Gestern sah die Situation auf den Außenverteidiger-Positionen der Schwarz-Gelben bekanntlich noch trister aus als sonst: Es spielten der gelernte Innenverteidiger Sokratis rechts und der gerade genesene Marcel Schmelzer links. Die beiden konnten den offensiveren Außen Kuba und Kampl so gut wie keine Unterstützung geben, so dass die Borussia über die Flügel weitestgehend ungefährlich blieb.

Dennoch hatten die Schwarz-Gelben in den zweiten 45 Minuten mehrere Chancen auf mindestens einen Punkt. Reus verzog alleine vor Neuer; kurz vor Schluss parierte Letzterer einen Freistoß des Ersteren auf der Linie im linken Winkel. Aubameyang hielt von rechts drauf, als er besser abgespielt hätte. Etwas Zählbares wäre für den BVB verdient gewesen, denn vom FCB kamen genauso wenige Torszenen wie von den Gastgebern. Ein meisterwürdiges Spiel lieferte Peps Elf nicht ab – nicht dass das für einen Meister in jeder Begegnung verpflichtend wäre.

Man hätte die Effektivität der Bayern akzeptieren können, wenn Schiedsrichter Kircher nicht ebenfalls seinen Teil zum Auswärtssieg der Roten beigetragen hätte. Kampl, Reus und Aubameyang fielen im Strafraum nach Attacken der Gäste – zumindest unser Top-Torjäger wurde eindeutig elfmeterwürdig am Fuß getroffen. Wer zweifelt daran, dass Ribery oder Robben in dieser Szene den Strafstoß bekommen hätten? Auba bekam außerdem eine lächerliche Gelbe Karte nach einem Tackling, bei dem er den Ball gespielt und dann noch ein wenig den Gegenspieler berührt hatte. Alonso kam bei einem taktischen Foul gegen Reus ohne Gelb davon.

Man kann das als Pech abtun, um nicht als schlechter Verlierer dazustehen. Man darf aber auch mal auf eine Häufung solcher Entscheidungen in den letzten Partien zwischen den gestrigen Kontrahenten hinweisen – wenn man schon im Pokalfinale verpfiffen wurde, sind Klopps Worte nur verständlich. Thomas Eichin von Werder Bremen wurde für seine Meinung zum Thema „Bayern und die Schiedsrichter“ von vielen Seiten kritisiert; vom Rekordmeister selbst reichlich unflätig. Dabei haben weder er noch Klopp von einer Verschwörung pro FCB geredet. Es ist jedoch auffällig, wie die Zweikämpfe der Roten bewertet werden, seit sie Guardiolas Superbayern sind. Denen trauen die Schiedsrichter im Zweifelsfall eben keine ordinären Fouls zu. Und einem vermeintlich vorbildhaften Nationalspieler wie Thomas Müller keine plumpen Flugeinlagen.

Borussia Dortmund hätte sich gestern dennoch mehr Chancen herausspielen sollen. Im Pokalspiel gegen Hoffenheim am Dienstag ist das Pflicht; die Erwartungen im auf Dortmunder Seite erneut ausverkauften Stadion werden hoch sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (79. Mkhitaryan), Bender – Blaszczykowski (67. Kagawa), Reus, Kampl (67. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karten: Aubameyang, Schmelzer

2 Gedanken zu “Eichin hat’s gewusst

  1. Gebe dir recht, Guardiola hat einfach nur das nachgemacht was der HSV, Köln,Augsburg etc. auch schon vor ihm taten.
    Ich hatte aufgrund der dezimierten Bayern Elf große Erwartungen an uns, im Endeffekt muss man aber nüchtern betrachten das dieses Spiel genau unseren Saisonverlauf wiedergegeben hat. Hinten verbessert im Gegensatz zur Hinrunde, offensiv spielerische Armut. Mit dem möglichen Punkt hätte ich super leben können, so ist es natürlich wieder ärgerlich.
    Man sagt ja oft, im laufe der Saison gleichen sich die Ungerechtigkeiten wieder aus.
    In Bezug auf uns muss man fairerweise auch einräumen das wir in Stuttgart(Sahin) und durch Gündogans Handspiel vs Mainz? auch profitiert haben.
    Was mich allerdings nervt ist die Tatsache das wir in den Spielen gegen Bayern jetzt etliche male benachteiligt wurden. Für die Attacke gegen Auba und das Handspiel von Boateng im Strafraum wäre wenigstens ein Elferpfiff drin gewesen.
    Hoffe das wir die nächsten beiden Spiele erfolgreicher gestalten können.
    Frohe Ostern!!!

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  2. Klar, wir haben auch schon strittige Entscheidungen zu unseren Gunsten gehabt. Obwohl sich die ‚Waage‘ in dieser Saison wohl nicht auf unsere Seite neigt. Es ist sicher eine umstrittene Theorie, dass ‚große Mannschaften‘ und zuvorderst der FC Bayern manchmal unbewusst bevorteilt werden. Weil man ihnen eben eher spielerische Mittel zutraut und weniger plumpe Fouls und Schauspieleinlagen. Inzwischen hat sich beim FCB aber doch so viel Beweismaterial angesammelt, dass man zumindest darüber diskutieren dürfen sollte.

    Ansonsten ist das Spiel gegen Hoffenheim natürlich deutlich wichtiger und man darf sich trotz allem darauf freuen. Frohe Ostern!

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