Müde aber zufrieden

DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „langweilig“ oder „schlecht“. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom „Kicker“ am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier.

Die Defensive kristallisiert sich mehr und mehr als der Bereich heraus, in dem besonders viel Handlungs- oder zumindest Diskussionsbedarf besteht. Es gibt die Unsicherheit um Mats Hummels‘ Zukunft, einen Neven Subotic, der nach wie vor nicht wieder der alte ist und Qualitätsdefizite bei den Außenverteidigern. Immerhin bewies Erik Durm schon in seiner ersten Partie nach langer Pause, dass mit ihm offensiv mehr anzufangen ist als mit Schmelle. Letzterer war aber immerhin einer von denen, die den Kampf um die Wende im Spiel am beherztesten aufnahmen.

Offen bleibt auch die Torwartfrage. Mitch Langerak hielt gestern einmal stark und musste zweimal hinter sich greifen. Der beste Abwehrmann war Sokratis, der trotz gelegentlicher Fehler unbedingt gehalten werden sollte und für mich klarer Stammspieler ist.

In der zweiten Hälfte nahm der BVB den Kampf richtig an und zeigte gelegentlich die Klasse, die nötig ist, um einen defensiven, aber spielerisch respektablen Gegner wie die TSG zu besiegen. Pierre-Emerick Aubameyang bewies nach Flanke von Durm auch seine Kopfballqualitäten – ein weiterer Spieler, den ich in der nächsten Saison unbedingt noch in Dortmund sehen will. Zum Ende hin hatten die Gäste noch zwei Gelegenheiten – nach 90 Minuten war das Unentschieden nicht unverdient.

Doch die Schwarz-Gelben taten in der Verlängerung mehr, Klopp hatte ein Händchen für die richtigen Wechsel und so war es Sebastian Kehl vergönnt, uns eine Art Abschiedsgeschenk zu bescheren. Sein Dropkick aus 25 Metern war das passende Mittel, um diesen Pokal-Fight zu entscheiden. Wenn es nicht mit Kombinationsfußball geht, dann eben so! Dass der Sieg verdient war, zeigte sich auch an den in der letzten Viertelstunde fast komplett ausbleibenden Chancen der Hoffenheimer.

Erleichterung, Freude und heute etwas Erschöpfung – das dürften Spieler wie Fans empfinden. Positiv zu erwähnen bei aller Kritik an manchem Kollegen ist Schiedsrichter Deniz Aytekin, der für ein Viertelfinale in bester Westfalenstadion-Atmosphäre sehr souverän pfiff. Sein vielleicht falscher Abseitspfiff gegen die Gäste war so knapp, dass sich auch Markus Gisdol und Dietmar Hopp nicht ernsthaft beschweren dürften.

Die Auslosung des Halbfinales passt dann wieder zur Saison: Bayern auswärts statt ‚Westfalen-Derby‘. Aber je schwerer die Aufgabe, desto größer der Ruhm!

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer – Bender (62. Kehl), Gündogan – Blaszczykowski, Kagawa, Mkhitaryan (101. Kampl) – Aubameyang (113. Ramos). Gelbe Karten: Blaszczykowski, Kehl. Tore: Subotic, Aubameyang, Kehl

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