BVB wird zur kleinen Borussia

Standard

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Mönchengladbach 3 BVB 1

Die letzten beiden Ligapartien haben den Status Quo 2015 bei Schwarz-Gelb demonstriert: Der BVB ist nicht wirklich so schwach wie es in der Hinserie den Anschein hatte, doch in dieser Saison ein großes Stück von der Spitze entfernt. Mehr als ein Hineinrutschen in die Europa League, auf die eine oder andere Weise, wäre schlicht nicht verdient. Und die Borussia vom Niederrhein hat uns spielerisch derzeit einiges voraus. Warum Favres Team nicht im Pokal-Halbfinale steht, können sich die Gladbacher nur selbst beantworten.

Es gibt nicht wirklich eine Entschuldigung dafür, dass es zum dritten Mal in dieser Spielzeit schon in der ersten Minute hinten klingelte. Wendts Treffer wäre mehrfach zu verhindern gewesen, unter anderem, wenn Hummels nicht ausgerutscht wäre. Mit dem 1:0 hatten die Gastgeber ideale Voraussetzungen, um auf ihre Schnelligkeit in Kontersituationen zu vertrauen.

Natürlich war es ein Nachteil, dass die Schwarz-Gelben auf Marco Reus und den im Pokal überzeugenden Erik Durm verzichten mussten. Die Bilanz mit und ohne Reus ist eindeutig. Zwar schaffte der BVB nach dem frühen Gegentor ein eindeutiges Übergewicht, hatte viel Ballbesitz, aber es fehlten zwingende Gelegenheiten. Weitschüsse können manchmal ein probates Mittel sein – siehe Kehls Dropkick am Dienstag – aber häufiger sind sie auf Bundesliga-Niveau Ausdruck von Ideenlosigkeit oder gar Verzweiflung. Die vermeintlich Kreativen wie Gündogan oder Kagawa brachten wenig zustande; Mkhitaryan wirkte zumindest energischer.

Ein Problem, zu dem sich Jürgen Klopp zuletzt bekannt hat und das er gestern durch offensive Auswechslungen zu beheben versuchte, ist die mangelhafte Besetzung des gegnerischen Strafraums. Zu oft steht tatsächlich nur Aubameyang als Anspielstation ganz vorne zur Verfügung. Andere Akteure rücken zu langsam nach. Selbst wenn Marcel Schmelzer einmal eine gute Flanke in oder an den Sechzehnmeterraum bringt, kann diese dann nicht verwertet werden – nur einmal hätte es fast geklappt. Auch Gladbach bot gestern zeitweise viel Platz über die Flügel an, den der BVB zu selten zu nutzen verstand. Ich hätte gerne Dudziak länger und Durm überhaupt gesehen – letzteres war bekanntlich nicht möglich.

Die Art und Weise, wie Herrmann das 2:0 machte, zeigte Souveränität und Klasse – nicht nur beim Mittelfeldspieler selbst. Auch in dieser Szene kamen drei, vier Schwarz-Gelbe zu spät; am Ende schien es so, als würde Neven Subotic etwas zu früh aufgeben. Natürlich lag dieser Torerfolg vor allem daran, dass Herrmann ein Klassespieler ist – doch solche Spielzüge sieht man beim BVB in dieser Saison zu selten. An Herrmanns – und Reus‘ – Qualität kommen andere Dortmunder derzeit nicht ran.

Das dritte Gegentor, mal wieder nach einem Standard, war eine Mischung aus Pech und Unvermögen und brachte die Entscheidung. Viel mehr als den einen eigenen Treffer durch Gündogan – nach Vorlage von Dudziak – hatten die Schwarz-Gelben nicht verdient. Trotz Bemühen und 54 Prozent Ballbesitz. Mit nur ein, zwei entscheidenden Ausfällen – auch den bisher allenfalls in der Rückserie überzeugenden Nuri Sahin wünscht man sich sehnlichst zurück – geht die mannschaftliche Reife verloren. Zugegeben, ein wolkiger Begriff. Doch gegen gefestigte Teams mit Qualität macht so etwas den Unterschied aus: Gladbach machte gerade auch im Umschaltspiel weniger Fehler.

Es bleibt dennoch die Hoffnung auf die letzten sechs Begegnungen. Denn die Konkurrenz auf den Plätzen 5 bis 9 punktet auch nicht gerade regelmäßig und als nächstes stehen zwei Heimspiele an.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (70. Schmelzer) – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski, Kagawa (63. Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang (77. Immobile). Tor: Gündogan

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3 Gedanken zu “BVB wird zur kleinen Borussia

  1. Etwas was uns zur Zeit mal wieder Auszeichnet ist unsere Effektivität gepaart mit einer starken defensive. Dem Gegner das Spiel überlassen und auch die Außenpositionen fast frei zu geben, dafür die Mitte dicht machen ist nunmal Favres Strategie. Und wenn eine Mannschaft so hochsteht und offensiv spielt, kommt uns das mehr als entgegen. Der Gegner hat mehr vom Spiel/Ballbesitz aber dafür kann man sich nichts kaufen^^. War eine starke Leistung von unserer Borussia nach dem verkorksten Pokalspiel. Diese Saison ist für Dortmund gelaufen, denke da wird es zur neuen Saison einiges neues Personal geben auf dem Platz.

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  2. Es wäre womöglich anders gelaufen ohne dieses unnötige frühe Gegentor, aber vom Konjunktiv können wir uns auch nichts kaufen.
    Für den BVB scheint die Saison gelaufen, aber selbst in der letzten noch schlechteren Spielzeit, 2007/08 unter Thomas Doll, waren wir nicht chancenlos im Pokalfinale gegen Bayern. Da hat die fette Dame noch nicht gesungen, oder so.

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  3. Na im Jahr zuvor hattet ihr 80 Minuten das Spiel im Griff und wir keine Chance auf irgendwas und hatten dann auch noch 2:0 gewonnen^^. Hoffe ihr gewinnt den Pokal oder aber Bielefeld, die sind saustark ^^.

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