Tuchel macht’s – vielleicht bis 2018

Es ist dann doch schnell gegangen. Noch vor Wochenbeginn hat Borussia Dortmund in dürren Worten verkündet, dass Thomas Tuchel ab 1. Juli Trainer der Schwarz-Gelben wird und einen Dreijahresvertrag bekommt. Vorgestellt wird der Neue nach Saisonende; bis dahin sind Nachfragen unerwünscht.

Vieles spricht dafür, dass Tuchel – auch auf Klopps Empfehlung hin – einziger ernst zu nehmender Kandidat war und es Aki Watzke mit seinen jüngsten Äußerungen nur noch mal ein bisschen spannend machen wollte. Schaut man sich den deutschen Markt an, gab es realistisch gesehen kaum andere Optionen. Favre war nicht zu haben, Weinzierl schwer. Und Letzterer ist zwar Mann der Stunde, aber noch nicht über einen Zeitraum, der ihn begehrenswerter als Tuchel machen würde.

Die Alternative wäre gewesen, sich noch auf dem internationalen Markt umzusehen, wie es ja der Reviernachbar gemacht hat. Da fallen mir neben Ex-Spielern mit beschränkten Deutsch-Kenntnissen (Sousa, Lambert) und nicht zu bekommenden Star-Trainern keine weiteren Namen ein. Was nicht ausschließen soll, dass Kenner der Szene jemand hätten ausfindig machen können. Doch wenn man ehrlich ist, stellt Thomas Tuchel die weit weniger riskante Variante dar.

Unter den gegebenen Umständen ist er die logische und eine gute Wahl. Deren Zustandekommen ich zwar nicht so schnell erwartet hätte, mit der ich aber sehr gut leben kann. Wie schon angedeutet, empfinde ich keine Euphorie wie bei der Verpflichtung Klopps. Dessen Nachfolger hätte es in der öffentlichen Meinung zunächst mal immer schwer gehabt, unabhängig vom Zeitpunkt des Wechsels.

Dass nach sieben Jahren Klopp ein menschlich anderer Typ als Klopp Trainer wird, muss nun wirklich nicht schlimm sein. Thomas Tuchel mag weniger volksnah sein, aber dass das die Fans abschrecken soll, halte ich für Folklore, die mit der langen Amtszeit seines Vorgängers zu tun hat. Tuchel wird sagen, wenn ihm etwas nicht passt – und das ist ok so. Das Einzige, was er beweisen muss, ist seine Loyalität. Da ließ er durch seinen vorzeitigen Abschied bei Mainz leise Zweifel aufkommen.

Fachlich hat Tuchel, der Co-Trainer Arno Michels mitbringt, viel drauf, das wird kaum jemand in Fußball-Deutschland bestreiten. Es wurde schon einiges über seine Art des Fußballs geschrieben – so früh nach der Bekanntgabe seiner Verpflichtung begnüge ich mich mit einer Zahl, auf die der „Kicker“ hingewiesen hat: Mainz stünde in einer Tabelle über Tuchels Amtszeit dort auf Platz 5 der Liga.

Euphorie nein, Spannung aber sicher, Zuversicht ja – wenn die BVB-Verantwortlichen sich nicht auf der Verpflichtung ausruhen, sondern Tuchel unterstützen. Nicht mit Unsummen von Geld, sondern mit der schon im letzten Text geforderten gemeinsamen ehrlichen Analyse. Für die nötigen Konsequenzen gibt es dann sicher mehr als eine Option. Ach ja, den Willkommensgruß an Thomas Tuchel verschiebe ich – sicher im Sinne aller Beteiligten – bis zum ersten offiziellen Auftauchen des Klopp-Nachfolgers in Dortmund.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s