Tuchels großer Tag

Can you feel the energy? Es lag ein Britzeln in der Luft, als BVB-Trainer Thomas Tuchel am Mittwoch über sein erstes Heimspiel im Westfalenstadion sprach. Der Mann hat richtig Lust auf den Job und die Stimmung, die ihn morgen Abend erwartet. Vor vermutlich 65.000 Zuschauern, bei einem Europa League-Qualifikationsspiel gegen den Wolfsberger AC.

Mir geht es genauso. Bei allem, was in der 2. Halbzeit des gewonnenen Hinspiels noch nicht stimmte: Tuchel hat Recht, wenn er sagt, dass die Borussia die Partie verdient gewonnen hat. Morgen wird sie sich den Einzug in die Play-Offs nicht nehmen lassen. Ob die Aufbruchsstimmung die nächsten Wochen, die ersten Pflichtspiele in allen Wettbewerben überdauert, wissen wir noch nicht. Aber der Kader hat die Qualität – und nicht nur auf der Bank sitzt jemand, der Bock auf Siege mit dem BVB hat.

Ein tolles Beispiel für die Anziehungskraft, die dieser Verein hat, ist die Vertragsverlängerung von Pierre-Emerick Aubameyang bis 2020. Ja, er dürfte eine kräftige Gehaltsaufbesserung bekommen haben. Aber anderswo hätte er noch mehr verdient und womöglich sogar noch höher gespielt. Dass er in Dortmund ein sehr gutes Standing bei den Fans hat, dürfte zu seiner Entscheidung ebenso wie die Aussichten auf einen Stammplatz beigetragen haben. Für die Borussia ist sein Bleiben jedenfalls eine exzellente Nachricht.

Ansonsten steht der Verein dank des neuen und des alten Trainers wenig überraschend noch mehr als sonst im Fokus der (Medien-)Öffentlichkeit. Es gibt Dinge, über die gesprochen wird, weil über sie gesprochen werden muss: Etwa die Frage, ob noch ein Stürmer geholt oder andere Spieler abgegeben werden sollten. Es gibt die Dinge, über die gesprochen wird, obwohl nicht über sie gesprochen werden müsste – etwa, wann Jürgen Klopp im P1 aufschlägt oder wo Kevin Großkreutz bald Karneval feiert. Und dann sind da noch jene Dinge, über die nicht gesprochen wird, obwohl es eigentlich getan werden sollte: die Qualität der Außenverteidiger. So bleibt wieder mal nur die Hoffnung, dass die, die da sind, uns endlich eines besseren belehren.

Morgen fehlen Erik Durm und Neven Subotic wohl noch verletzungsbedingt. Was Thomas Tuchel die Wahl der Viererkette vereinfachen wird. Bald wird er härtere Entscheidungen treffen müssen, auch in der Torwartfrage. Auf der Position wird derzeit noch rotiert, morgen spielt wieder Roman W. Aber Tuchel lässt sich bisher von Fragen nicht unter Druck setzen, geht die Sache undogmatisch und entspannt an. Möge es lange so bleiben. Wer weiß, wie man sich einst an das erste Heimspiel des Trainers zurückerinnern wird.

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