Alles zu Chemnitz aus Chemnitz

Am Sonntag zur ungewohnt frühen Anstoßzeit um 14.30 Uhr steht für Borussia Dortmund das erste und hoffentlich nicht letzte Spiel in dem Wettbewerb an, in dem man in der Vorsaison am erfolgreichsten war. In der 1. Runde des DFB-Pokals geht es zum Chemnitzer FC. Da ich die 3. Liga auch vor dem Abstieg unserer zweiten Mannschaft nur sporadisch verfolgt habe, kann ich zum kommenden Gegner aus dem Stegreif nicht mehr beisteuern als dass einmal ein gewisser Chris Löwe von dort zum BVB kam. Ganz anders sieht das bei Sebastian vom neuen Blog „Fußball in Sachsen“ aus. In diesem beschäftigt er sich mit den höher-, aber auch den niedrigerklassigen Klubs aus dem Bundesland. Er lebt in Chemnitz und kennt sich mit dem örtlichen Drittligisten bestens aus, auch wenn er selber kein Fan ist. Freundlicherweise hat er für „Any Given Weekend“ ein kleines Briefing zum CFC verfasst.

Brütende Hitze, ein lautes, ausverkauftes Stadion, schwere Beine beim BVB und mit der nötigen Portion Glück könnte der CFC die Sensation schaffen. Realistisch betrachtet ist der Drittligist krasser Außenseiter. Der Start in die neue Saison läuft durchwachsen, die Mannschaft hat sich noch nicht gefunden. Mut macht die jüngere Pokalgeschichte mit dem Vorjahreserfolg gegen Mainz 05.

Die Sternstunde des CFC liegt dagegen weit zurück. 1967 wurde die einzige DDR-Meisterschaft eingefahren, damals noch als FC Karl-Marx-Stadt. Platz 12 der ewigen DDR-Oberligatabelle spiegelt das Kräfteverhältnis und Abschneiden der anschließenden Jahre wider. Dreimal stand der FCK zudem im FDGB-Pokalfinale, konnte dieses aber nie gewinnen. Seit dem 13.6.1990 firmiert der Verein als Chemnitzer FC.

In der folgenden Saison (90/91) war der CFC als Vizemeister der DDR für den internationalen Spielbetrieb berechtigt. Jedoch scheiterte der Club bereits in der 1. Vorrunde des UEFA-Cups, der Gegner: Borussia Dortmund. Hin- und Rückspiel gingen jeweils 2:0 an den BVB. Wichtiger war in dieser Saison das Schlussbild der Tabelle. Als Fünfter war der CFC nunmehr Bundesligist, wenn auch im „Unterhaus“. 92/93 erreicht man das Halbfinale des DFB-Pokals, bis heute der beste Pokallauf. Mit 1:2 unterlag Chemnitz Hertha II. Mit dabei auf Berliner Seite: der heutige CFC-Trainer Karsten Heine, damals sowohl Co-Trainer bei den Profis als auch den Amateuren.

Blieb man nach der Wende wettbewerbsfähig, setzte in den 00ern der Abwärtstrend ein. 2006 stieg der CFC in die damals viertklassige Oberliga ab. Erst fünf Jahre später gelang die Rückkehr in die eingleisige 3. Liga. Seitdem hat sich der Club dort stabilisiert: vier Spielzeiten endeten im Schnitt mit einem respektablen 8. Tabellenplatz (von 20). Zeitgleich wurde ein Komplettumbau des Stadions beschlossen und 2014 begonnen.

Wo steht der CFC nun im Sommer 2015? Ein schlechter Rückrundenstart machte in der Vorsaison jegliche Aufstiegshoffnungen zunichte. Auch heuer gibt man sich bescheiden, als erstes Ziel sind „45 Punkte“ ausgerufen. Das wäre die Sicherheitsgrenze zum Klassenerhalt. Gleichzeitig wolle man „sich verbessern“. Das wäre Platz 1-4. Fakt ist, man schielt nach oben. Dafür hat man im Sommer Verstärkung geholt. Martin Fenin und Ronny König sind erfahrene Stürmer, die jungen Kunz, Nandzik und Cappek rutschten schnell in die Startelf. Chemnitz wird im weiteren Kreis der Aufstiegskandidaten gehandelt.

In der Vorsaison krankte es vor allem in der Offensive: 44 Tore in 38 Spielen. Zum Auftakt gab es nun ein 0:0 in Aalen und ein 1:1 gegen Rostock. Zwei hart erkämpfte Punkte, die aber auch deutlich machten, dass das Angriffsspiel des CFC noch gar nicht greift. Der einzige Treffer ein Elfmeter, spielerisch wenige Glanzpunkte und Chancen.

Nun kommt der große BVB. Die Tickets waren innerhalb weniger Tage vergriffen, nur ein Bruchteil landete überhaupt im freien Verkauf. 12.500 passen zurzeit auf die Baustelle Fischerwiese. Vorteil CFC: sie sind zumindest eine Woche länger im Wettkampfmodus, Dortmund hat nach der EL-Quali nur zwei Tage zur Vorbereitung. Natürlich sind die Borussen Mann für Mann eine Klasse besser, aber das Spiel beginnt 0:0. Solange die Chemnitzer nicht als Zuschauer mit den besten Plätzen auftreten, haben sie eine – wenn auch kleine – Chance. Es sind schon andere Bundesligisten bei unterklassigen Vereinen ausgeschieden, z.B. Mainz vorige Saison in Chemnitz. Nach 120 Minuten stand es 5:5, der CFC siegte im Elfmeterschießen.

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