Fußball ist keine Ökonomie

1. Bundesliga, 6. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Zumindest das Kerngeschäft unserer Lieblingssportart liegt nach wie vor auf dem Platz. Und da halten sich die Möglichkeiten, mit dem kleinstmöglichen Personalaufwand den größtmöglichen Ertrag zu erzielen, in Grenzen. Nach der Partie von Borussia Dortmund in Sinsheim waren sich wohl die meisten Beobachter einig: Hätte wenigstens einer aus dem Kreativ-Duo Gündogan / Mkhitaryan die erste Hälfte bestritten, wäre das Offensivspiel des BVB effektiver gewesen – und in der Folge die Begegnung womöglich anders ausgegangen.

Als Mkhitaryan und Gündogan kurz hintereinander (nach der Pause und in Minute 54) ins Spiel kamen, fiel beinahe unmittelbar der Ausgleich. An dem waren zwar in erster Linie Hummels mit einem präzisen Pass, Castro mit einer Brust-Vorlage und Aubameyang mit dem Abschluss beteiligt. Doch in der zweiten Hälfte war alles in allem ein ganz anderer Zug im BVB-Spiel. Die Schwarz-Gelben hatten die Partie ohnehin über weite Strecken bestimmt; in den zweiten 45 Minuten kreierten sie auch die Gelegenheiten, die eigentlich zum Sieg hätten reichen müssen. Leider konnte der dritte Einwechselspieler, Adrian Ramos, nicht an die guten Ansätze von zuletzt anknüpfen.

Wenn man Thomas Tuchel den ja nicht falschen Gedanken unterstellt, dass er Jonas Hofmann für seinen engagierten und erfolgreichen Auftritt gegen Leverkusen belohnen und Gonzalo Castro mal wieder 90 Minuten gönnen wollte, machte der Trainer nur den im ersten Absatz angedeuteten Fehler. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, Castro auf der ‚6‘ einzusetzen und Weigl eine Pause zu gönnen.

Nicht verschwiegen werden soll, dass die Gastgeber ihre Sache für einen Tabellen-15. gut machten. Es war das alte Hoffe-Lied: Über ihre Aggressivität kam die TSG ins Spiel. Die Spitzen Vargas und Volland brachten die schwarz-gelbe Defensive einige Male ins Schwitzen. Fokussiert man sich auf die eigenen Spieler, kommt man zur Erkenntnis, dass die Nationalelf für unsere Außenverteidiger trotz des Besuchs von Joachim Löw in Hopps Was-auch-immer-Arena noch ein Stück entfernt ist. Auch und gerade für Matthias Ginter, der erneut durch einen gefährlichen Fehlpass auffiel und ausgerechnet in seinem Kerngeschäft, den Defensivzweikämpfen, seine liebe Mühe hatte.

Was wäre eine Partie gegen Hoffenheim ohne ein paar Fragen an den Schiedsrichter? Tobias Welz hieß der Mann mit der Pfeife gestern. Die öffentliche Kritik fokussierte sich auf den nicht gegebenen Handelfmeter, als Toljan mit erhobenem Arm in eine Castro-Flanke sprang. Ich hätte mir viel eher noch eine Wiederholung der gesamten Entstehung des 0:1 gewünscht – denn vor Hoffenheims gelungenem Angriff und Rudys Tor schien der Ball im Seitenaus gewesen zu sein.

Man kann den Wutausbruch vom Mats Hummels nach dem Schlusspfiff verstehen. Der Punktverlust war nicht nötig, auch wenn er wirklich kein Beinbruch ist. Hätten Spieler und Trainer über 90 Minuten überzeugt, hätte es nur einen Sieger geben können. Gegen Darmstadt und im Westfalenstadion bestehen am Sonntag durchaus Chancen, in die Erfolgsspur zurückzukehren.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Hofmann (46. Mkhitaryan), Castro (77. Ramos), Kagawa, Reus (54. Gündogan) – Aubameyang. Gelbe Karte: Gündogan. Tor: Aubameyang

2 Gedanken zu “Fußball ist keine Ökonomie

  1. Vermutlich wäre es besser gewesen Mkhyitarian und Gündogan schon gegen Krasnodar zu schonen oder eben erst gegen Salonikki. Hinterher ist man immer schlauer. Fakt ist, das außer Auba und Hummels gestern kaum jemand seine Topform abrufen konnte und eben genannte Spieler einfach momentan nicht zu ersetzen sind.
    Bei allem Lob für unsere AV’s hat man gestern gesehen das sie internationalen Ansprüchen (noch)nicht genügen und dies unsere Achillesferse darstellt. Vor allem wenn Sie es mit schnellen Spielern zu tun bekommen.
    Ich denke das remis geht so in Ordnung. Klar hätte man mit etwas Schiedsrichterglück den Elfer bekommen können oder Ramos hätte kurz vor Ende das Tor machen müssen. Dennoch hatten wir auch viel Glück beim Bock von Ginter oder als Sokratis keine Karte bekommen hat in der Situation als er Volland festhielt.

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  2. Klar, Hoffenheim hat ordentlich was investiert gegen uns, wie immer. Aber ansatzweise kann ich Hummels‘ Zorn schon nachvollziehen. Es war nicht nötig, da wieder mal Punkte zu lassen, denn der BVB hatte mehr Chancen und mehr vom Spiel. Mich ärgert das gegen diesen Klub auch nach wie vor besonders – vielleicht geht das Mats ja auch so. ;)

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