Romantik und das Ende der Flitterwochen

1. Spieltag, 7. Spieltag / BVB 2 Darmstadt 98 2

Auf der einen Seite ist es Fußball-Romantik pur: Da schafft ein Traditionsverein wie Darmstadt 98 den Durchmarsch von Liga 3 in die höchste Spielklasse und punktet in den Ruhrpott-Hochburgen Gelsenkirchen und Dortmund, gewinnt gar in Leverkusen. Dass die ‚Lilien‘ das nicht nur mit Zweitliga-Personal, sondern auch mit ein paar aussortierten Bundesliga-Kickern geschafft haben, schmälert nicht das Erreichte. Ich will auch gar nicht die Litanei anfangen, dass der heutige BVB-Gegner am Ende sowieso im Abstiegskampf landet. Sie leben den Traum und das ist auch gut so.

Für Borussia Dortmund bedeutet der extrem ärgerliche Punktverlust allerdings ein unsanftes Erwachen direkt vor dem Spitzenspiel beim FC Bayern. Der Saisonstart der Schwarz-Gelben war natürlich viel besser als zu erwarten. Dennoch: Das 2:2 zu Hause gegen Darmstadt hatte viele Merkmale von Partien aus der letzten Saison.

Extrem defensive Gäste lauerten – wie allen vorher bewusst war – nur auf Konter und nutzten den ersten schnellen Gegenstoß, der ihnen gestattet wurde, zur Führung. Ilkay Gündogan spielte in der Situation zwar kurz vor dem gegnerischen Sechzehnmeterraum einen Fehlpass, doch taugt dieser höchstens als Ausgangspunkt einer Erklärung, wie dieses Gegentor fallen konnte. Denn es darf in solch einer Situation schlichweg nicht passieren, dass man als hoch überlegener Heimverein plötzlich hinten zentral drei gegen drei steht.

Die Flitterwochen, in denen selbst Problempositionen plötzlich adäquat besetzt schienen, sind nun vorbei. Vor dem 0:1 durch Heller führte Matthias Ginter erfolglos einen Zweikampf an der Mittellinie und entblößte seine Seite; Linksverteidiger Schmelzer konnte zentral nicht aushelfen. Auch der dämliche späte Ausgleich nach einem Freistoß geschah in Ginters Nähe. Der junge Ex-Freiburger war beileibe nicht der einzige Beteiligte und bereitete zudem den Dortmunder Ausgleich sehenswert vor. Trotzdem zeigt sich nun, dass sich Thomas Tuchel über die Außenverteidiger-Positionen weiter Gedanken machen muss.

Das Unentschieden war für die Gäste sehr glücklich. Selbst nach der Führung, nach Vorbereitung des agilen Januzaj erneut von Aubameyang erzielt, kam nach vorne kaum etwas von den Lilien. Selbstverständlich hätte die Borussia aus der Überlegenheit Kapital schlagen können, auch wenn die Darmstädter gut standen und sehr viele Szenen klären konnten. Leider fielen neben Aubameyang und dem in der zweiten Hälfte aufdrehenden Gündogan Kagawa und Reus ab. Januzaj hätte womöglich früher helfen können und auch Castro dem BVB-Spiel gut getan.

Erneut konnte Kapitän Mats Hummels nach dem Schlusspfiff seinen Unmut nicht verhehlen und erneut muss man ihm Recht geben:

Wir haben zuletzt zwei extrem unnötige Punktverluste hinnehmen müssen. Vor allem heute… Man kann es nicht in Worte fassen. Wir müssen einfach nur ordentlich verteidigen. Die Darmstädter waren tot, die haben nicht mehr an sich geglaubt und dann haben wir ihnen so eine Situation gegeben.

Nun stehen nach dieser Enttäuschung eine anstrengende Europa League-Aufgabe in Thessaloniki bei PAOK und ein kleiner Sonntagsausflug nach München an. Am Sonntagabend kann dann alles schon wieder ganz anders aussehen – so oder so.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl – Reus (59. Januzaj), Gündogan, Kagawa (90. +1 Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2)

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