Keine Liebesbeziehung: Der FC Bayern und die Liga

7. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: Nach zwei Unentschieden des ärgsten Verfolgers zieht der FC Bayern bereits wieder weitgehend unbedrängt seine Kreise. Zwei Partien nach dem Startrekord von Borussia Dortmund hat der Rekordmeister die Möglichkeit, die Schwarz-Gelben am Sonntag auf sieben Punkte zu distanzieren. Der Pokalsieger und Vizemeister aus Wolfsburg hat bereits jetzt neun Zähler Rückstand. Gewinnen die Roten am Wochenende, könnte ausgerechnet der FC Schalke als einziges Team den Abstand bei erträglichen fünf Punkten halten. Doch nach Auftritten wie gegen den VfB nimmt wohl niemand die Blauen ernsthaft als Konkurrenz für die Bazis wahr.

Reden wir also über die Dominanz des FC Bayern! Natürlich ist das ein für Fußball-Verhältnisse uraltes Thema, das seinen Ursprung wohl schon in den 1980ern hat. Doch es beschäftigt die Fans eben nach wie vor wie kaum ein zweites. Sind die nationale Vormachtstellung und die internationale Konkurrenzfähigkeit des FCB Segen oder Fluch für den Rest der Liga?

Fragt man die Verantwortlichen anderer Vereine, kommentieren die das Thema meist fatalistisch. DFB und DFL weisen auf die ungebrochene Attraktivität der Liga, die vollen Stadien und die vielen anderen spannenden Entscheidungen jenseits der Meisterschaft hin. Und überhaupt: Die Bayern seien schließlich ein weltweites Aushängeschild des deutschen Fußballs und sorgten mit ihren Erfolgen in der Champions League dafür, dass andere Vereine überhaupt erst teilnehmen könnten – wie gerne auch von Fans der Münchener angeführt wird.

Doch liegt der Appeal der Bundesliga wohl kaum in der Weltmachtstellung des FCB. Ohne dafür belastbare Zahlen zu haben: Am populärsten schien die Liga international, als den Bayern in Borussia Dortmund ein ernstzunehmender und aufregender Konkurrent erwuchs. Natürlich spielten auch die stimmungsvollen Stadien eine Rolle – wofür die Bayern ebenfalls nicht die Hauptverantwortlichen waren. Aus der deutschen Binnenperspektive bleiben überraschende Meisterschaften wie die der Wolfsburger oder des VfB Stuttgart ebenso in Erinnerung wie die jahrelange Konkurrenz zwischen der Säbener Straße und dem SV Werder. Und natürlich war auch der Last-Minute-Titel der Bayern gegen den HSV und vor Schalke attraktiver als die Saison 2014/15.

Richtig ist: Die internationalen Erfolge jedes deutschen Vereins helfen über den UEFA-Koeffizienten mittelbar anderen deutschen Klubs. Andererseits zementiert dauerhafter Erfolg in der Champions League aufgrund der zu verdienenden Summen die Verhältnisse in einem Land. Nun argumentieren der FC Bayern oder zumindest seine Fans mit gewissem Recht, dass die anderen deutschen CL-Teilnehmern nicht immer das Optimum mit den verdienten Prämien erreichen. Natürlich machen die Anderen Fehler – es wäre gerade als BVB-Anhänger nach dem verpatzten Heimspiel gegen Aufsteiger Darmstadt lächerlich, das Gegenteil zu behaupten.

Es gibt aber auch quasi strukturelle Gründe dafür, dass selbst gut verdienende Vereine wie Wolfsburg oder mittlerweile Dortmund nicht an den Rekordmeister herankommen. Natürlich ist der finanzielle Vorsprung einfach zu groß. Mal eben Spieler wie Douglas Costa zu kaufen – das können die Münchener jedes Jahr; der BVB oder die Wölfe allenfalls bei entsprechenden Erlösen oder alle paar Spielzeiten. So müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke jedes Jahr entscheiden, für welche Positionen man sich Topspieler leisten kann – manche bleiben dabei eben außen vor, wie seit Jahren die Außenverteidigung. Man kann das, wie hier wiederholt geschehen, als Fehler kritisieren, man muss aber auch die finanziellen Grenzen und die Vergangenheit des BVB berücksichtigen. Gerade die Außenverteidiger spielten bei den beiden Punktverlusten der Borussen eine Rolle – und könnten auch gegen Spieler wie Costa oder Coman am Sonntag Probleme bekommen.

Der andere Grund: Alle deutschen Vereine außer den Bayern laufen Gefahr, gegen ihren Willen Schlüsselspieler an die internationale Konkurenz zu verlieren. Der VfL Wolfsburg hat das gerade bei Kevin de Bruyne erfahren. Bei Borussia Dortmund hat der FC Bayern sicherheitshalber selber angeklopft. Man kann Spieler gegen ihren Willen im Verein halten, wie beispielsweise in England gerade West Bromwich Albion beim jungen Topstürmer Saido Berahino beweist, doch es ist ein schwieriger Balanceakt. Machtlos sind die Verantwortlichen bekanntlich bei Vertragsende oder Ausstiegsklauseln. Und Spieler, auf die ein Trainer und ein Team maßgeblich bauen, mal eben zu ersetzen, ist schwieriger als manche glauben machen wollen.

Die Diskussion um die Dominanz des FC Bayern wird immer dann etwas redundant, wenn es um konkrete Maßnahmen dagegen geht. Denn da stößt man ein ums andere Mal an Grenzen. Nach allem was wir wissen, war das Geschäftsgebaren des FCB in den letzten Jahren den Regeln entsprechend, also legitim. Es fällt schwer, realistische Szenarien zu entwickeln, wie die Situation zu ändern ist.

Ein dem US-Sport entlehntes Draft-System einzuführen, das den Vereinen gleichberechtigten Zugriff auf junge Spieler gibt, ist angesichts der internationalen Verflechtungen und der jahrzehntelangen Praxis des sportlichen Wettbewerbs im Fußball höchst unrealistisch. Nur wenig wahrscheinlicher ist die wünschenswerte Maßnahme, die Gelder aus der Champions League europaweit in Richtung Europa League umzuverteilen. Und dann wären da noch die deutschen Fernsehgelder, die gleichmäßiger verteilt werden könnten. Allerdings würden die letzten beiden Ansätze wohl nichts Substanzielles an der Lage ändern.

Wenn also alles legitim und echter Wandel unwahrscheinlich ist – warum dann dieser Artikel? Einfach deshalb, weil die Legende vom FC Bayern, der der Liga gut tut, noch nervig weit verbreitet ist. Ja, die Übermacht des Rekordmeisters ist nicht tödlich für den deutschen Vereinsfußball und es ist nicht auszuschließen, dass es irgendwann mal wieder enger zugeht. In der Zwischenzeit droht der Kampf um den Titel aber gähnend langweilig zu werden. Vielleicht kann die öffentliche Meinung zumindest bewirken, dass der FCB sich nicht zuallererst immer an der heimischen Brust labt.

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