Von Freiburg nehmen, den Bayern geben

Es gibt auch im Fußball Vorschläge oder Forderungen, die gleichzeitig unfair und unpraktikabel sind und nicht weniger absurd werden, wenn man sie nach sechs Jahren wiederholt. Schon 2009 wandelte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke einen alten Vorschlag aus Bayern-Kreisen ab. Nicht die erfolgreichsten, sondern die populärsten Klubs sollten mehr als bisher aus dem Topf der nationalen Fernsehgelder bekommen. Die Popularität sollte an weichen Kriterien wie der Anzahl der Fans oder der Zuschauerzahl bei Live-Übertragungen abgelesen werden.

Ähnlich und in verschärfter Form hat sich nun Dortmunds Finanzgeschäftsführer Thomas Treß bei einer Veranstaltung in Düsseldorf geäußert:

Wir brauchen hier neue Kriterien. (…) Es kann nicht sein, dass einige Klubs die Party machen und andere, die sich klein und unschuldig geben, überproportional am Erfolg partizipieren.

Von Befürwortern einer Neuregelung der Fernsehgeld-Verteilung wird dann gerne populistisch auf die große Anhängerschaft von Traditionsklubs wie dem BVB, dem Reviernachbarn aus Gelsenkirchen oder dem HSV verwiesen. Die Fans sollen also ins Boot geholt werden. Denn gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass die weniger traditionellen und eher unbeliebten Vereine wie Wolfsburg oder Hoffenheim eigentlich zu viel kassieren – da sie weniger Menschen interessieren.

Auf die ganzen kleinen und klammen Vereine von Darmstadt über Freiburg bis Paderborn, die sich ‚ehrlich‘ hochgearbeitet haben, wird nicht eingegangen. Da denken die Großen eben zuerst an sich. Und widersprechen mit ihrer Argumentation jedem Sportsgeist. Hinzu kommt, dass nun ausgerechnet ein Borussia-Verantwortlicher die Diskussion wieder aufkocht – während sich Schalke-Geschäftsführer Peter Peters skeptisch äußerte. Am meisten profitieren würde ohnehin der FC Bayern – dank der meisten Mitglieder, der meisten TV-Zuschauer und immerhin ziemlich vieler Auswärtsfans.

Bei solch einer ‚Jeder-ist-sich-selbst-der-Nächste‘-Mentalität wie von Treß zur Schau gestellt kann man schon einen dicken Hals bekommen. Dass eine Popularitätsmessung ohnehin schwierig bis unmöglich erscheint (zählen dann nur die „Sky“-Kunden oder die paar Tausend Auswärtsfahrer?), ist da fast schon nebensächlich.

2 Gedanken zu “Von Freiburg nehmen, den Bayern geben

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