Stuttgart baut jemand anders auf

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 4 VfB Stuttgart 1

Der Trainerwechsel beim heutigen Gegner der Schwarz-Gelben ist im Westfalenstadion weitgehend wirkungslos geblieben. Der bisherige U23-Coach Jürgen Kramny wollte sichtlich kompakter spielen lassen, doch schon in der dritten Minute rückten die Gäste über außen ganz Zorniger-like auf und machten die Räume für die Borussia frei. Nach Flanke von Reus zog Mkhitaryan volley ab, Torwart Tyton parierte in die Mitte und Gonzalo Castro erzielte per Kopf seinen ersten Ligatreffer.

Es war nicht nur die Personalentscheidung, den bärenstarken Castro zu bringen, die Thomas Tuchel gutzuschreiben ist. Eine Pause für Mats Hummels war ebenso vernünftig wie die für Matthias Ginter, der zuletzt nicht mehr beweisen konnte, dass seine offensive Stärken seine defensiven Patzer aufwiegen.

Allerdings zeigte nicht nur das erste Tor, dass der VfB Stuttgart auch noch nicht die Stabilität hat, um ein Spitzenteam zu gefährden. Zwar schalteten die Schwaben sofort einen Gang höher, blieben aber zunächst unpräzise. Während der BVB schon in Minute 19 einen der schönsten Angriffe der Saison erfolgreich abschloss. Bender spielte einen präzisen Pass, den Castro herrlich mit der Hacke weiterleitete, ehe Aubameyang schön ins Tor lupfte.

Es waren dann die wohl unbewusst ein paar Prozent nachlassende Konzentration und der zwingender werdende VfB, die die Partie in der letzten Viertelstunde der ersten Hälfte offener werden ließen. Und wenn, wie Thomas Tuchel nach dem Spiel monierte, die Positionen nicht gehalten werden, bekommt die Borussia gerade über außen Probleme. Vor dem Gegentreffer konnte Piszczek noch auf der Linie klären, schlug den Ball dann aber zum Gegner. Da Aubameyang und Gündogan keine begnadeten Defensiv-Zweikämpfer sind, brachte auch die massive schwarz-gelbe Präsenz in der Zentrale nichts.

Doch der Anschlusstreffer half den Stuttgartern letztlich nichts. Weil Thomas Tuchel in der Pause wohl die richtigen Anweisungen gab. Auch einige fragwürdige Entscheidungen von Schiedsrichter Gräfe oder seinem Team – kein Elfmeter nach Foul an Miki, Abseits im Zweifel für den Abwehrspieler – verhinderten nicht, dass sich der BVB sowohl in Sachen Spielkontrolle als auch bei den Zweikämpfen wieder ein deutliches Übergewicht erarbeitete. Und dann half auch noch einer, der bei den Gästen bisher kaum zum Einsatz gekommen war: Georg Niedermeier spitzelte eine spekulative Hereingabe von Reus ins eigene Tor.

Man hätte sich als BVB-Fan auch danach noch die Haare raufen können, weil die Schwarz-Gelben etliche äußerst klare Gelegenheiten vergaben. Doch eigentlich gibt es am Ende nichts zu meckern, denn Aubameyang machte kurz vor Schluss fast im Alleingang noch das vierte und sein zweites Tor. Und zeigte mal wieder, dass er nicht nur schnell und technisch gut, sondern auch konditionell bestens drauf ist. Neben Castro und Mkhitaryan war er natürlich der dritte Erfolgsgarant.

Für den VfB kam der Besuch in Dortmund zu früh, für den BVB dieser Gegner jetzt genau richtig. Eine (noch) nicht stabile Mannschaft zu bespielen passte genau zwischen die beiden Niederlagen und das Topspiel in Wolfsburg. Um den zweiten Platz danach ähnlich souverän innezuhaben wie die Bayern ihren ersten, bedarf es aber sicher noch viel Arbeit. Gut, dass nun Zeit dafür ist.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bender, Schmelzer – Gündogan (89. Ramos) – Mkhitaryan, Castro, Kagawa (60. Weigl), Reus (80. Hummels) – Aubameyang. Gelbe Karte: Sokratis. Tore: Castro, Aubameyang (2), Niedermeier (ET)

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