Jenseits der Milliarden

In der Bundesliga und besonders bei ihrem reichsten Vertreter wird ja gerne der Eindruck erweckt, der englische Fußball schwimme dank der aktuellen TV-Verträge in Geld. Das ist natürlich allenfalls in der Premier League und bei deren Absteigern der Fall. Unterhalb davon haben sich die Vereine mit den gleichen Problemen auseinanderzusetzen wie die kleinen Klubs in Deutschland: Die Kluft zur ersten Liga und den ‚Großen‘ ist riesig. Und wenn es mal gut läuft, wecken Spieler oder gar der Trainer Begehrlichkeiten bei denen, die sportlich und finanziell noch mehr zu bieten haben.

Letztes Jahr war ich in den West Midlands, in Walsall in der Nähe von Birmingham. Der dortige Drittligist Walsall FC ist ein recht sympathischer Verein, der über seine Verhältnisse spielt, aber nicht lebt. Das Bescot Stadium hat gut 11.000 Plätze, die normalerweise zu etwa 40 Prozent gefüllt sind. Der Vorsitzende und Geldgeber Jeff Bonser ist wohlhabend, aber kein Scheich oder Abramowitsch. Wer mehr über den Klub und das Ligaspiel, das ich damals besuchte, lesen möchte, klickt hier.

Walsall – Spitzname: Saddlers – spielt nach wie vor in der League One und hat sich in dieser Saison nach 20 von 46 Spielen wieder eine gute Ausgangsposition erarbeitet: Punktgleich mit Aufstiegsplatz 2 steht man derzeit an dritter Stelle. Und nun das: Dean Smith, der Trainer, der im Bescot Stadium fünf Jahre lang etwas aufgebaut hat, verabschiedete sich zum Zweitligisten Brentford nach London. Bei seiner jüngsten Vertragsverlängerung hatte man vereinbart, dass er sich bei einer attraktiven Anfrage selbst entscheiden könne.

Auch in dieser Saison haben die Saddlers mit relativ geringen Mitteln wieder ein sehr solides Team mit scheinbar gutem Zusammenhalt formiert. Darin stehen junge Spieler, auch aus der erweiterten Region, und daneben charakterstarke Akteure, die es aber höherklassig nicht in die Stammformationen ihrer Klubs schafften.

Ist so eine Mannschaft allein vom Trainer abhängig? In der ersten Begegnung nach Smiths Weggang und geleitet von einem Übergangs-Triumvirat aus den eigenen Reihen, gewann Walsall auswärts bei Shrewsbury Town mit 3:1. Die Partie heute bei Fleetwood Town wurde wegen eines durchgeweichten Platzes abgesagt. Unter Fans und Medien darf also erst mal vor allem über den neuen Mann auf der Bank spekuliert werden – und ob er von außen oder innen kommen sollte.

Und nun kommen wir zur Pointe dieser sonst gar nicht so absonderlichen Geschichte. Am Dienstag muss Walsall zum Wiederholungsspiel der zweiten Runde des FA Cups antreten – zu Hause gegen Chesterfield, nachdem die erste Partie Unentschieden ausgegangen war. Die dritte Runde ist bereits ausgelost: Sollten die Saddlers gewinnen, geht es in Londons Südwesten, in den Griffin Park, die Heimstätte des FC Brentford, Dean Smiths neuem Klub.

Das ist fast noch extremer, als wenn Borussia Dortmund gegen den FC Liverpool antreten müsste. Wird doch wohl nicht passieren? …

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