Erfolg in der Grauzone

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 2 FC Ingolstadt 0

Borussia Dortmund hatte seine liebe Mühe mit dem Liganeuling aus Ingolstadt. So war es beinahe zu erwarten gewesen, nachdem feststand, dass Ilkay Gündogan und Marco Reus, zwei der Matchwinner von letzter Woche, nicht dabei sein konnten. Zur Diskussion darf man auch stellen, ob nicht Gonzalo Castro anstelle von Ginter oder noch eher Kagawa für mehr Schwung gesorgt hätte. Shinji war in der Hinserie nur selten dadurch aufgefallen, das Spiel zu lenken. Gonzalo wäre der mutmaßlich adäquatere Ersatz für Marco gewesen. So hatte die zweitbeste Abwehr der Liga zunächst nur gelegentlich Probleme, verteidigte mutig nach vorne und verfolgte vor allem ein von Trainer Hasenhüttl ausgegebenes Ziel mustergültig: Mats Hummels zu beschäftigen.

Der BVB-Kapitän stand folgerichtig im Mittelpunkt zweier von drei Szenen, über die nach der Partie vor allem diskutiert (werden) wird. Nicht nur, dass sich dreimal die ‚kleinen‘ Gäste benachteiligt fühlten – auch die Debatte über den Videobeweis haben die Vorkommnisse wieder angeheizt. Selbst Thomas Tuchel plädierte im Anschluss dafür – allerdings nur, um Tore zu überprüfen. Denn die anderen beiden umstrittenen Szenen zeigen schon wieder die Grenzen und Gefahren einer Einführung auf. Man kann sie sich x-mal ansehen und wird nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Da war Hummels‘ Zweikampf im Strafraum gegen Leczano, als letzter Schwarz-Gelber. Eine knifflige Geschichte: Klar ist, dass Mats den neuen Ingolstädter Stürmer hält. Wie stark er ihn nach unten zieht, ist allerdings nicht zu erkennen. Schiedsrichter Winkmann hätte pfeifen können, dann aber neben Elfmeter auch Rot geben müssen. In der zweiten Hälfte dann das äußerst kuriose potenzielle Eigentor, das Roman Bürki erst ermöglicht, da er aus Angst vor einem strafbaren Rückpass die Hände weglässt. Hier können Guido Winkmann und sein Assistent mMn nicht anders entscheiden. Hummels wird am Bein getroffen und es ist schlichtweg unmöglich zu sagen, wie der Ball ohne die Berührung geflogen wäre. Ärgerlich aus Schiedsrichtersicht ist vor allem das gegebene Abseitstor. Aber wenn da jetzt von deutlichem Abseits gesprochen wird, obwohl Aubameyang höchstens mit einer Körperhälfte zu weit vorne war, dann haben sich die Maßstäbe in eine falsche Richtung verschoben.

Zurück zu den Defiziten der Borussia: Nicht nur Hummels, die gesamte zentrale Achse der Schwarz-Gelben hatte ihre Probleme. Weigl mit guten Szenen, aber auch gefährlichen Fehlpässen, Ginter meist unauffällig, genau wie Kagawa. Auf den offensiven Halbpositionen war Mkhitaryan gut abgedeckt und Ramos agierte unglücklich. Hätte der BVB technisch stärkere Alternativen auf den Außen(verteidiger)positionen, hätte er auch mehr Variabilität, um Ausfälle und defensivstarke Gegner zu kompensieren. In dieser Hinsicht machte der 17-jährige Christian Pulisic Hoffnung, der nach 68 Minuten für Adrian Ramos kam. Endlich mal Flanken von der Außenlinie, die fast schon präzise waren.

Komplett unverdient war der BVB-Sieg am Ende nicht, da die Schanzer – übrigens ein irgendwie blöder Spitzname – nach dem Rückstand keinen funktionierenden Plan B mehr hatten und die Kräfte nachließen. Und so sorgte Castro in der 86. Minute mit seiner tollen Hackenvorlage auf Aubameyang für die Entscheidung. Belassen wir es dabei, dem FCI für eine couragierte Leistung zu gratulieren. Im Normalfall werden ihnen die zwei Punkte am Saisonende nicht zum Klassenerhalt fehlen, denn die Mannschaft hat mehr drauf. Und liegt auch nicht auf einer Achse mit TSG oder gar RBL.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Ginter, Weigl (55. Leitner) – Ramos (68. Pulisic), Kagawa (55. Castro), Mkhitaryan – Aubameyang. Gelbe Karten: Weigl, Sokratis, Piszczek, Mkhitaryan. Tore: Aubameyang (2)

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