Schwarz-gelbe Fastenkost, ein Glanzpunkt

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Hannover 96 0

Nein, ein erwärmendes Erlebnis war dieser knappe Heimsieg nicht. Vier Tage nach dem erneuten Einzug ins Pokalhalbfinale servierte die Borussia eher unterkühlten Fußball, der nicht allzu anstrengend aussah, aber letztlich zu den gewünschten drei Punkten führte.

Viel Grund zu meckern gibt es daran nicht, denn was dem BVB heute fehlte, war erstens offensichtlich, zweitens  altbekannt und drittens nicht das Engagement. Natürlich lag es auch an der Taktik des Tabellenletzten, dem Thomas Schaaf ein 4-1-4-1 verordnet hatte. Dieser breite Mittelfeldriegel erwartete die Schwarz-Gelben bei Dortmunder Ballbesitz meterweit in der eigenen Hälfte. Über weite Strecken funktionierte das für Hannover besser als man es gemeinhin von einem Tabellenletzten erwarten kann. Das Zentrum war halbwegs dicht und den Rest erledigte Torwart Ron-Robert Zieler.

Kommen wir zur Frage, warum es dem Tabellenzweiten nicht öfter gelang, die Mauer zu durchbrechen. Denn häufiger als sonst waren die Torschüsse und halbwegs gefährlichen Szenen der Borussia Fernschüsse und Freistöße. Natürlich fehlte Pierre-Emerick Aubameyang, der leicht angeschlagen im weißen Puschelmantel auf der Tribüne Platz nahm. Nicht nur, dass er Tore schießen kann. Die Gegner sind sich dessen bewusst und fürchten auch seine Schnelligkeit, weswegen Auba immer ordentlich Abwehrkraft bindet. Genau das machen zweitens unsere Außenverteidiger zu selten. Machen wir es mal wieder am heutigen Auftritt von Marcel Schmelzer fest: Sein Engagement ist bewundernswert und wenn er großen Freiraum hat, kann er sogar gefährlich werden. Doch technisch, insbesondere beim Dribbling, jagt er keinem Abwehrspieler Angst ein. Weswegen es häufig reicht, das Zentrum dicht zu machen.

Es gab die eine Ausnahme, den einen Glanzpunkt, als nach einem Hannoveraner Angriff über Schmelle, Gündogan und Reus ein schneller Konter eingeleitet wurde. Dann zischte Mkhitaryan mit dem Ball ab und Schmelzer zog links an der Abwehrkette vorbei. Der vielleicht dadurch ausgelöste Moment der Unentschlossenheit bei 96 reichte Miki, um in die richtige Position für seinen fulminanten Schuss zu kommen. Es war, wie Sky-Kommentator Lindemann wusste, der erste BVB-Saisontreffer von außerhalb des Sechzehnmeterraums. Ein bemerkenswerter Fakt, denn es ist ja nicht so, dass sowas nicht gelegentlich versucht würde. Auch heute gab es Distanzschüsse, die Zieler vor keine größeren Probleme stellten. Es gab zwei gezielte Reus-Freistöße, von denen einer an die Latte ging. Und es gab Angriffe, die am letzten Pass scheiterten.

Um es klar zu sagen: Der Sieg war mehr als verdient. Hannover gelang nach vorne noch deutlich weniger und sie versuchten es selbst nach dem Rückstand zu selten. Ein paar vielversprechende Spielzüge, die rechtzeitig gestört wurden, nur eine richtig gute Torchance durch den Hoffmann-Kopfball – das ist zu wenig, um 2015/16 aus dem Westfalenstadion etwas mitzunehmen. Der BVB hätte das Spiel auch durch die Mitte früher entscheiden können, wenn die Mannschaft im offensiven Mittelfeld Normalform gezeigt hätte. Doch Kagawa war weit davon entfernt und Castro rechtfertigte meine Hoffnungen in ihn auch nicht ganz – ein gewisses Gefälle hinter Reus, Gündogan, Miki und Auba ist zu erkennen. Auch der erneut starke Hummels konnte da von hinten nicht ausreichend helfen.

Doch das Schöne ist: Es gibt noch keinen Grund zu vermuten, dass das alles im nächsten Spiel genauso aussehen wird. Bring on Porto!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Ginter (75. Weigl) – Gündogan, Castro (64. Pulisic) – Mkhitaryan (75. Durm), Kagawa – Reus. Gelbe Karte: Kagawa. Tor: Mkhitaryan

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