Die Geduldigen

1. Bundesliga, 24. Spieltag / SV Darmstadt 98 0 BVB 2

Die Partien von Borussia Dortmund sind 2016 Geduldsspiele – für die Fans, für die Spieler. Doch wer wollte die Ergebnisse dieses Jahres gegen 90 Minuten Kabinettstückchen eintauschen – und hätten wir auch nur drei Punkte weniger? Denn die Spieler haben die Geduld, sich auf ein zähes Ringen gegen defensive Gegner einzulassen. Warum sollten die Fans sie dann nicht auch haben?

Man sollte ja als Favorit nicht allzu sehr über die Spielfläche meckern. Aber dem Augenschein nach hat mein Heimatverein, der stets klamme SV Babelsberg 03, in der Regionalliga Nordost einen besseren Platz als die Darmstädter. Lass die Gastgeber noch hinten drin stehen und mit hohen Bällen operieren und du bewegst dich auf schwierigem Terrain. Hinzu kam gestern, dass Thomas Tuchel beinahe eine Vollrotation vornahm – nur im Fall Roman Bürki war der Wechsel krankheitsbedingt. Doch so oft man bei diesen Umstellungen seine Zweifel hat, am Ende steht Tuchel fast immer mit drei Punkten da.

Wer gestern Gonzalo Castro erlebte – dem nicht alles gelang, der aber beide Tore vorbereitete – fragt sich höchstens, warum er nicht früher in die Mannschaft rotierte. Das wäre aber tatsächlich die einzige Antwort, die Tuchel mal geben könnte. Der Trainer ließ Reus und Piszczek gleich ganz zu Hause – um ihre Belastung zu dosieren. Dafür spielten Ramos und Ginter. Obendrein kam Felix Passlack zu seinem – um ehrlich zu sein unspektakulären – Pflichtspieldebüt. Adrian Ramos machte mehr Freude: Auch er wirkte zunächst gewohnt staksig und ohne Fortune. Doch wie er nach hinten arbeitete und auf seine Chance wartete, war aller Ehren wert. Beim Führungstreffer kam ihm sein langes Bein dann ganz gelegen.

Auch wenn Darmstadt in der zweiten Hälfte noch mindestens eine dicke Chance hatte, ist die Führung gegen ein Team mit einer solchen Taktik die halbe Miete. Der BVB hätte nachlegen und höher gewinnen können, Pierre-Emerick Aubameyang sich definitiv wieder an die Spitze der Torschützenliste setzen müssen – sein Tag war es gewiss nicht. Dafür der von Mats Hummels: Ein extrem souveräner Auftritt vom Kapitän, der mit einem Soloantritt den Dosenöffner für das 1:0 gab. Sein angebliches Foulspiel im Strafraum erfolgte offensichtlich nach Vrancics Abschluss. Der Darmstädter hätte den Ball so oder so niemals mehr erreichen können.

Die zweite Hälfte der Partie am Böllenfalltor war jedenfalls deutlich interessanter als die erste. Dortmund geriet nie ernsthaft in Gefahr, als Darmstadt aufmachen musste – man hatte nach dem 2:0 durch Durm nie das Gefühl, dass der BVB nicht mehr hätte nachlegen können, wenn es nötig geworden wäre. Kurz nach Abpfiff wurde dann zur Gewissheit: Die von mir hochgeschätzten Mainzer haben tatsächlich in München den FC Bayern geschlagen – durch ein spätes Siegtor. Eine ideale Dramaturgie vor dem Topspiel am Samstag. Allein für die Spannung sei den 05ern schon mal gedankt!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Subotic, Hummels, Durm – Gündogan (83. Leitner), Weigl – Passlack (70. Mkhitaryan), Castro, Ramos – Aubameyang. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Ramos, Durm

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